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| 16:08 Uhr

Keine Konzerte in der Schießhalle
Finsterwalder Schützenhaus zu laut: Nachbarn schlagen Alarm

 Die Schießhalle auf dem Hof des Schützenhauses sorgt für Kritik. Die Veranstaltungen in der Halle seien zu laut. Bis auf weiteres dürfen dort aus baurechtlichen Gründen keine Veranstaltungen statt finden.
Die Schießhalle auf dem Hof des Schützenhauses sorgt für Kritik. Die Veranstaltungen in der Halle seien zu laut. Bis auf weiteres dürfen dort aus baurechtlichen Gründen keine Veranstaltungen statt finden. FOTO: LR / Stephan Meyer
Finsterwalde. Wegen Lärmbeschwerden darf das Schützenhaus, die älteste Gaststätte Finsterwaldes, bis auf Weiteres keine Veranstaltungen mehr in seiner Schießhalle durchführen. Von Stephan Meyer

„Drinnen heiser, draußen leiser – Ein Herz für Nachbarn“ steht auf einem Schild, das am Eingang des Schützenhauses platziert ist. Die Empfehlung richtet sich an die Gäste der ältesten Gaststätte Finsterwaldes. Das Schützenhaus hat ein Lärmproblem. Vor allem die Schießhalle auf dem Hof der Gaststätte stößt auf Kritik. Ostersonntag fand dort die letzte geduldete Veranstaltung statt, sagt Max Siegert, der dort arbeitet. Zusammen mit Betreiberin Soja Koch schmeißt er den Laden.

Nachbarn stört laute Musik im Schützenhaus

Doch der Lärm kommt nicht ausschließlich von den Gästen, es sei vor allem die laute Musik, an der sich insbesondere eine Nachbarin stört, die mit ihrer Familie seit drei Jahren in der Nähe des Schützenhauses wohnt, erklärt Max Siegert.

 Maximilian Siegert  und Soja Koch: Die Betreiberin des Finsterwalder Schützenhauses und ihr Angestellter wollen, dass das Schützenhaus ein „friedlicher Ort der Begegnung“ ist und bleibt. Jeder kann kommen, der lustig und friedlich ist, so Maximilian Siegert.
Maximilian Siegert  und Soja Koch: Die Betreiberin des Finsterwalder Schützenhauses und ihr Angestellter wollen, dass das Schützenhaus ein „friedlicher Ort der Begegnung“ ist und bleibt. Jeder kann kommen, der lustig und friedlich ist, so Maximilian Siegert. FOTO: LR / Stephan Meyer

Im Sommer 2018 fingen die Beschwerden an. Siegert gibt zu: „Die Zahl der Veranstaltungen ist in den letzten drei Jahren größer geworden.“ Auch gesteht der 32-Jährige ein, dass er und Soja Koch ein bisschen spät auf die Kritik reagiert und die Nachbarin anfangs nicht richtig ernst genommen hätten. Im Oktober vergangenen Jahres gab es den Versuch einer Aussprache mit der Familie zusammen mit dem Ordnungsamt. Die Betreiber haben daraufhin versucht, den Lärm zu reduzieren. Die Fenster in der Halle zum Grundstück der Nachbarin hin wurden zugemauert. Bei der Musikanlage wurden so genannte „Limiter“ eingebaut, damit die DJs ihre Musik nur bis zu einer bestimmten Lautstärke hochfahren können. „Das hat alles nicht funktioniert“, so Siegert. Im Januar erhielten die Schützenhausbetreiber vom Ordnungsamt eine vorübergehende Auflage, nur noch alle zwei Wochen eine Veranstaltung in der Halle durchführen zu dürfen.

Nutzung der Schießhalle eingestellt

 Der Hauptraum der Schießhalle: Wie das Schützenhaus und der Hof besticht es durch seinen rustikalen Charme. „Hier ist die Zeit stehen geblieben“, so die Betreiberin Soja Koch. Das Gelände habe Charme und großes Potenzial. „Hier ist es nicht piekfein und das wissen die Gäste zu schätzen.“
Der Hauptraum der Schießhalle: Wie das Schützenhaus und der Hof besticht es durch seinen rustikalen Charme. „Hier ist die Zeit stehen geblieben“, so die Betreiberin Soja Koch. Das Gelände habe Charme und großes Potenzial. „Hier ist es nicht piekfein und das wissen die Gäste zu schätzen.“ FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Stephan Meyer

Später hatte sich die untere Bauaufsichtsbehörde des Elbe-Elster-Kreises der Sache angenommen. Im März hat sie Kenntnis von der Nutzung der Halle als Veranstaltungsort erhalten, wie sie auf RUNDSCHAU-Nachfrage mitteilt. Anlässlich einer geplanten Veranstaltung mit 200 Personen habe die Stadt Finsterwalde um eine Prüfung gebeten. Dabei wurde festgestellt, dass die Halle 1912 durch das Stadtbauamt Finsterwalde lediglich als Schießhalle genehmigt wurde. „Eine andersartige Nutzung begegnet dem baurechtlichen Genehmigungserfordernis“, heißt es von der Behörde. Soja Koch hatte daraufhin die Nutzung der Halle vorerst eingestellt.

Schießhalle schon immer für Veranstaltungen genutzt

 Der zweite Raum der Schießhalle des Schützenhauses diente bei Veranstaltungen als zusätzlicher Tanzraum und Bar. Die Fenster (hinter den gelben Vorhängen) zur Grundstücksseite der Nachbarin wurden zugemauert.
Der zweite Raum der Schießhalle des Schützenhauses diente bei Veranstaltungen als zusätzlicher Tanzraum und Bar. Die Fenster (hinter den gelben Vorhängen) zur Grundstücksseite der Nachbarin wurden zugemauert. FOTO: LR / Stephan Meyer

Max Siegert sagt, die Schießhalle sei schon immer für Veranstaltungen genutzt worden, auch als sich die früheren Betreiber die Halle mit der Finsterwalder Schützengilde geteilt haben. Das kann Olaf Weber vom Sänger- und Kaufmannsmuseum nicht bestätigen. Die Quellenlage zur Geschichte des Schützenhauses und der Halle sei sehr dünn, so der Museumsleiter. Inwiefern die Halle für Veranstaltungen genutzt wurde, kann er ohne weiteres nicht sagen – nur, dass im Schützenhaus viele Jahrzehnte gefeiert wurde. Ob und wie die Schießhalle dabei genutzt wurde, weiß er nicht.

Die Betreiberin und ihr Angestellter wollen, dass das Schützenhaus ein „friedlicher Ort der Begegnung“ ist und bleibt. „Jeder kann kommen, der lustig und friedlich ist“, so Siegert. „Unser Klientel geht von 0 bis 99 Jahren.“ Nicht nur als Konzertmöglichkeit für die alternative Szene wurde die Halle zuletzt genutzt, auch für Jam-Sessions, Familienfeste oder Abi-Partys. Seit knapp zehn Jahren engagiert sich Max Siegert im Schützenhaus. Das Verhältnis zum Ordnungsamt und Nachbarn sei bisher immer gut gewesen, so Siegert. Es habe zwar vereinzelt vorher auch schon Beschwerden gegeben, doch hätte man sich mit den anderen Nachbarn immer einigen können.

Betreiber des Schützenhauses hoffen auf Lösung

Die Schließung der Halle sei besonders schlimm für die diesjährigen Abiturjahrgänge gewesen. Viele Gymnasien haben in den vergangenen Jahren Partys in der Halle veranstaltet, um ihre Abi-Bälle zu finanzieren. Das blieb den aktuellen Abschlussjahrgängen verwehrt.

Soja Koch möchte sich über kurz oder lang als Betreiberin zurückziehen. „Das Schützenhaus soll aber auf jeden Fall fortgeführt werden“, erklärt Siegert. Die Schießhalle aufgeben wollen die beiden vorerst nicht und hoffen darauf, dass sich eine Lösung finden wird. Die untere Baubehörde sagt: „Sofern die Schießhalle künftig für Veranstaltungszwecke, in der Größenordnung wie bisher, genutzt werden soll, sind insbesondere die Lärmschutzwerte für Mischgebiete einzuhalten.“ Das heißt, mittels baulicher Maßnahmen und geeigneter Veranstaltungskonzepte müsste in einem Baugenehmigungsverfahren die Einhaltung der Werte nachgewiesen werden. Nachts liegt der bei 45 Dezibel. Zum Vergleich: Ein normales Gespräch oder ein Fernseher in Zimmerlautstärke liegen bereits bei 65 Dezibel. Weiter heißt es von der Behörde: „Besonderheiten der derzeitigen Gebäudearchitektur und Parkplatzsituation lassen zudem eine Geräuschkulisse außerhalb der Schießhalle erwarten, welcher wirksam zu begegnen wäre.“

Die Nachbarin, die sich von der Lautstärke der Veranstaltungen in der Schießhalle belästigt fühlt, war für eine persönliche Stellungnahme nicht anzutreffen. Auch auf ein Schreiben des RUNDSCHAU-Reporters reagierte sie nach vier Wochen nicht.