"Ich habe enge Freunde in Finsterwalde, die im Moment an Drogen zerbrechen", sagt Martin Kalz nachdenklich. Bei Crystal Meth könne man zusehen, wie das Zeug den Körper kaputt macht. Er spricht von "Leuten, die mit mir am Sängerstadt-Gymnasium waren". Eine gewisse Ohnmacht, nichts dagegen tun zu können, schwingt mit, wenn Martin erzählt. Er findet sein Ventil in der Musik, im Sprechgesang. "Erfahrungen aus dem eigenen Umfeld" habe er in seinem Lied "Wo bist du jetzt?" verarbeitet, sagt der 22-jährige Sportstudent aus Berlin. Das helfe ihm selbst und vielleicht erreicht er ja so die richtigen Leute und bringt sie zum Nachdenken.

Martin Kalz ist kein Unbekannter in der Musikszene. Als Pseiko hat er mit seinem Finsterwalde-Rap "Kinder dieser Stadt" (2009) etwa 40 000 Klicks bei Youtube. Dem folgte die erste Zusammenarbeit mit dem Verein G3 "Generationen gehen gemeinsam". Dabei entstand das Musikvideo zur Alleinerziehenden-Problematik "Bis alles gut ist" (2012) - 13 000-mal angeklickt bei Youtube, wie sich Stephanie Auras von G3 freut. Gern habe sie deshalb das neue Projekt mit auf den Weg gebracht. "Die Jungs drehen kein klassisches Lehrvideo ,Du darfst keine Drogen nehmen'. Aber wir hoffen schon, dass Schulen, Polizei und soziale Akteure den Film nutzen werden und er auch Wirkung erzielt", sagt sie.

Martin Kalz und sein Freund Christopher Arold haben den Song zusammen produziert und sind vor wenigen Tagen beim Dreh in die Hauptrollen geschlüpft. Der 25-jährige Christopher, auch ein Finsterwalder und heute Artdirector bei einer Werbefirma in Potsdam, umreißt die Story: "Zwei Freunde haben schon als Kinder viel zusammen abgehangen. Chris ist der Draufgänger, er schlägt über die Stränge, bis er in Einsamkeit verfällt und immer stärkere Drogen nimmt. Der Freund toleriert das nicht, versucht zu helfen, ist dadurch selbst ziemlich am Ende. Alles gipfelt in Suizidgedanken von Chris."

Für die Dreharbeiten haben Martin und Christopher über facebook Kinderdarsteller in Finsterwalde gesucht und Joel Biedermann (13) und Sascha Hiller (12) gefunden. Deren Mütter sind vom Projekt überzeugt. Stephanie Biedermann hat ihren Sohn selbst auf die Idee gebracht hat, im Film mitzuspielen. "Das ist doch etwas, was hier passiert, in unserem Skaterpark, in unserer Bürgerheide", sagt sie. Auch Sandra Hiller weiß: "Drogen gibt's nicht nur in Großstädten."

Vor der Kamera, die Regisseur Christopher Arold meist selbst bedient hat, standen für die nötige Prise Realität auch Johanniter. "Unentgeltlich", freuen sich die jungen Männer. Außerdem im Team war Maskenbildnerin Karoline Schmidt aus Berlin.

Umgesetzt werden konnte das Projekt dank Förderung vom brandenburgischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Dass 1300 Euro über Lottomittel zugesagt wurden, ist nicht zuletzt der SPD-Landtagsabgeordneten Barbara Hackenschmidt zu verdanken. "Das sind wichtige neue Wege, die der Verein G3 geht, um die Zielgruppe zu erreichen", begründet sie ihr Engagement.

Noch in diesem Jahr wird das Musikvideo auf DVD erscheinen.