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| 18:50 Uhr

Aus dem Gericht
21-Jähriger als Brandstifter verurteilt

 Das Amtsgericht Bad Liebenwerda hat am Mittwoch einen 21.-jährigen Finsterwalder der versuchten Brandstiftung schuldig gesprochen. Am 18. Oktober 2018 soll er versucht haben, eine Scheune in Finsterwalde-Nehesdorf in Brand zu stecken. Der junge Mann bestreitet, damit etwas zu tun zu haben.
Das Amtsgericht Bad Liebenwerda hat am Mittwoch einen 21.-jährigen Finsterwalder der versuchten Brandstiftung schuldig gesprochen. Am 18. Oktober 2018 soll er versucht haben, eine Scheune in Finsterwalde-Nehesdorf in Brand zu stecken. Der junge Mann bestreitet, damit etwas zu tun zu haben. FOTO: Shutterstock / Freer / Shutterstock
Bad Liebenwerda/Finsterwalde. Das Amtsgericht Bad Liebenwerda hat einen 21-jährigen Finsterwalder wegen versuchter Brandstiftung verurteilt. Der junge Mann war 2018 im Zuge einer Brandserie, die die Stadt in Atem hielt, ins Visier der Polizei geraten. Er ist selbst Feuerwehrmann. Von Heike Lehmann

Nach reichlich dreistündiger Verhandlung steht es fest: Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Egon Schaeuble hält Kevin Funke (Name von der Redaktion geändert) für schuldig, am 16. Oktober 2018 gegen 23.30 Uhr in der Kantstraße versucht zu haben, eine Scheune in Brand zu setzen.

Obwohl der junge Mann, der in diesem Monat noch 22 wird, bestreitet, damit etwas zu tun zu haben, wird er zu acht Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung, verurteilt. Damit folgt das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

In der Hauptverhandlung wird versucht, nachzuvollziehen, wie der Abend des 18. Oktober 2018 verlaufen ist. Sechs Zeugen sind geladen — zwei Entlastungszeugen und vier Polizeibeamte. Außerdem hat der Verteidiger den Vater des Angeklagten als weiteren Zeugen eingeladen.

Minutiöse Rekonstruktion der Brandstiftung von Finsterwalde

Kevin Funke hat seit letztem Sommer eine eigene Wohnung, hält sich aber häufig auf dem Grundstück der Eltern unweit des späteren Tatorts auf. So auch am besagten Abend.

Mit einem Nachbarn hat er dort in einer Feuerschale Grünschnitt und Laub verbrannt, etwas gegessen und getrunken. Nach 21.30 Uhr kamen seine Eltern dazu. Kurz vor 22 Uhr fuhr Kevin zur nahegelegenen Tankstelle, um sich Zigaretten und Brötchen zu holen. Gemeinsam mit einem zwischenzeitlich angerufenen Kumpel kehrte er auf das Grundstück zurück. Dass er danach noch einmal mit dem Fahrrad unterwegs gewesen sein soll, bestreitet er.

Bei der minutiösen Rekonstruktion des Abends ergeben sich etwa zehn Minuten, in denen keiner der übrigen Anwesenden Kevin gesehen hat. Er war mit seinem Kumpel in der Garage Mopeds ansehen, während die anderen im Garten geblieben waren. Der Freund kam allein zurück an die Feuerschale.

Kevin hatte erklärt, er müsse auf die Toilette im Haus. So sagen es Nachbar, Freund und Vater. Danach gesellte sich der Angeklagte wieder zu den anderen und trank weiter Bier bis Polizeibeamte die Gruppe überrascht haben.

Serie von Brandstiftungen hält Feuerwehr von Finsterwalde in Atem

Kevin war im Zuge der Ermittlungen zu einer Serie von Brandstiftungen, die die Feuerwehr und die ganze Stadt in Atem hielt, ins Visier der Polizei geraten. Es gab den Verdacht, dass er – seit seiner Jugend ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Finsterwalde – mit den häufigen Bränden zu tun habe.

Der 21-Jährige wurde über einen längeren Zeitraum beobachtet. „Ziel war, ihn auf frischer Tat zu ertappen“, erklärt einer der Polizeibeamten dem Gericht. So haben sich auch am 18. Oktober 2018 mit Einbruch der Dunkelheit vier Polizeibeamte einer Spezialeinheit, die ausschließlich Observation und Zugriffe macht, an unterschiedlichen Stellen postiert.

Sie beobachten, dass um 23.32 Uhr eine männliche Person mit dunkler Jacke und Fahrrad das Grundstück verlässt. An einem Beamten radelt der Mann dicht vorbei, wobei sein Gesicht vom Straßenlicht erfasst wird. „Ich habe ihn erkannt“, bezeugen sowohl dieser Beamte als auch dessen Einsatzleiter.

Die Polizisten verständigen sich per Funk. „Er fuhr Richtung späterer Brandort. Kurz darauf habe ich in einer Scheune einen Lichtschein gesehen, eine Flasche mit etwa 30 Zentimeter hohen Flammen entdeckt und das Feuer gelöscht“, berichtet ein Polizist.

Er informiert die Kollegen, sichert den Tatort und versichert, dass keine andere Person außer Kevin Funke zu der Zeit vor Ort war. Alles sei Minutensache gewesen. In den Akten steht: 23.39 Uhr Rückkehr des Radfahrers. „23.44 Uhr waren auch wir bereits auf dem Grundstück der Eltern“, so der Einsatzleiter.

Verteidiger zweifelt Beweislage für Brandstiftung an

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Bäßler aus Finsterwalde, erklärt, dass es „keine objektiven Beweismittel, keine zweifelsfreien Nachweise“ für die Schuld seines Mandaten gebe. Die Polizeibeamten hätten ihn nur anhand von Fotos observiert.

Eine Identifizierung der Täterschuhe war nicht möglich, Fingerabdrücke nicht zuzuordnen, die Fahrradspur nicht wirklich auswertbar. Zigarettenstummel am Tatort seien zwar die Marke von Kevin Funke gewesen, aber nicht die, die er am Abend bei sich hatte. „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ein unschuldiger Mensch verurteilt wird“, so der Verteidiger.

Für die Staatsanwältin ist unerheblich, dass die Zeugen erklären, Kevin habe nur ein T-Shirt getragen, seine Kapuzenjacke habe auf der Terrasse gelegen. „Er hat sich eine andere Jacke greifen können“, sagt sie.

Für sie ist entscheidend, dass er zehn Minuten unbeaufsichtigt war und zwei Polizeibeamte ihn eindeutig erkannt haben, die beiden anderen nach dem Bewegungsprofil. Strafverschärfend wirke sich aus, dass er „als Mitglied der Feuerwehr wusste, eine ganz gefährliche Situation“ herbeigeführt zu haben. Er habe die brennende Flasche „unter Steine gestellt, die wie ein Kamin angeordnet waren.“ Dass der Angeklagte erklärt, er sei „eigentlich“ nach 22 Uhr nur zu Hause gewesen, lässt sie zweifeln.

Polizeiarbeit ist für das Amtsgericht Bad Liebenwerda maßgeblich

Für das Gericht ist die Polizeiarbeit maßgeblich. „Der große unbekannte Dritte kann ausgeschlossen werden“, sagt Richter Schaeuble. Die Polizei geht davon aus, dass das elterliche Grundstück nur ein Befugter betreten haben konnte, da lediglich ein Knauf an der Tür ist. Der Tatort war offenbar vorbereitet, so Schaeuble.

„Strafe darf eine Tat nicht verniedlichen“, sagt er. „Die acht Monate sind gerechtfertigt.“ Der Angeklagte, vom Feuerwehrdienst suspendiert, bekommt die Auflage, in vier Monaten 120 Arbeitsstunden an seinem Wohnort zu leisten. „30 Stunden im Monat, das schaffen Sie“, macht Schaueble dem Angeklagten, der eine Maurerlehre abgebrochen hat und seitdem arbeitssuchend ist, Mut. Einmal im Monat muss er sich bei einem Bewährungshelfer melden.

Den angekündigten Hilfsbeweisantrag des Verteidigers auf verminderte Schuldfähigkeit seines Mandanten, der die Förderschule besucht hat, weist das Gericht zurück. Innerhalb einer Woche kann gegen das Urteil Berufung eingelegt werden. Davon wird die Verteidigung Gebrauch machen, hieß es am Donnerstag auf Nachfrage.