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| 02:34 Uhr

Finsterwalder Fahrrad-Ecke aufgepeppt

Von der Terrasse seiner Wohnung im Wohn- und Geschäftshaus in der August-Bebel-Straße 12 kann Julian Winter über die Dächer von Finsterwalde und auf seinen sanierten Beitrag für eine intakte Stadt schauen.
Von der Terrasse seiner Wohnung im Wohn- und Geschäftshaus in der August-Bebel-Straße 12 kann Julian Winter über die Dächer von Finsterwalde und auf seinen sanierten Beitrag für eine intakte Stadt schauen. FOTO: Böttcher
Finsterwalde. Im Juli vorigen Jahres kündete der Richtkranz über dem Wohn- und Geschäftshaus "Stadtrad" in der August-Bebel-Straße 12 in Finsterwalde bereits vom baldigen Finale des ehrgeizigen Sanierungsprojektes an der Ecke zur Karl-Marx-Straße. Auf all die Faktoren, die zur Verzögerung des Baugeschehens führten, will der 31-Jährige Bauherr Julian Winter besser gar nicht mehr eingehen. Gabi Böttcher

Es stecke eine sehr große Anstrengung dahinter. Doch es habe sich gelohnt, kommentiert er knapp. Die Herausforderungen der Altbausubstanz bis hin zu den Anforderungen des Brandschutzes und die modernen Ansprüche an die Sanierung waren unter einen Hut zu bringen. Jetzt ist Julian Winter tatsächlich auf der Ziellinie. Zum Frühlingsanfang bezog er nun selbst die obere Etage des Hauses - den zur Wohnung umgebauten ehemaligen Boden. Wenige Schritte trennen ihn nunmehr von seinem Fahrradfachgeschäft im Erdgeschoss. Waren zunächst acht Wohnungen in dem Haus geplant, so sind es dank der intelligenten Lösung des Architekten Jürgen Habermann nun neun geworden. Groß ist die Freude darüber: Alle Wohnungen sind vermietet. Selbst als eine der Wohnungen kurzfristig wieder zur Verfügung stand, hatte Julian Winter innerhalb von drei Stunden elf Anfragen in seinem elektronischen Postkasten. "Das zeigt, dass das Wohnen in der Innenstadt sehr gefragt ist", sagt der Bauherr. Dass von den neun Wohnungen sieben über einen Balkon verfügen, sei ein großer Vorzug.

In diesen Tagen sind noch Rest-

arbeiten im Treppenhaus zu erledigen. Defekte im Geländer, angefertigt um 1900, sind von der heimischen Firma Haferland geschickt beseitigt worden. Im Hof des Hauses entstehen jetzt noch Fahrradgaragen für die Mieter. Grüner Blickfang soll ein traditionell an Habermann-Objekten gepflanzter Ginkgo werden.

Bei einem kleinen Fest wird das Sanierungsprojekt seine Einweihung erleben - verbunden mit dem Dank an alle Partner, die dem 31-Jährigen die Fortsetzung der im Jahr 1926 von Urgroßvater Georg Kessel begründeten Firmengeschichte ermöglichten. Die Palette reicht vom äußerst verständnisvollen Nachbarn Carsten Conrad, der die Baustellenzufahrt ermöglichte, bis zur Sparkasse Elbe-Elster, die flexibel auf notwendige Nachfinanzierungen reagierte.

Uwe Brenner vom städtischen Sanierungspartner, der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft DSK, weist auf eine Besonderheit des Projektes hin. Vor dem Einreichen des Bauantrages wurden in einer intensiven Phase der Konzeptfindung mehrere Varianten durchgespielt und mit dem speziellen Zuschuss-Förderinstrument "Sanierungs-Grobcheck" unterstützt. Bei diesem Sanierungs-Grobcheck, der in abgewandelter Form für Baulücken auch als Machbarkeitsstudie für Neubauten denkbar ist, wird eine optimierte bauliche, nutzungstechnische, energetische und auch wirtschaftliche Lösung für den jeweiligen Standort erarbeitet. Uwe Brenner erinnert an die Aufstockung des Eckgebäudes, das neben dem Gewinn an vermietbarer Wohnfläche auch dem Stadtbild zugute komme. Weitere Optimierungen seien dank der Einbeziehung eines Energieberaters, erhöhter Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz und des KfW-Förderprogrammes "Energieeffizient Sanieren" für die Finanzierung erreicht worden. Uwe Brenner ist sich sicher: "Den Unterschied zu einem 08/15-Bau werden die Nutzer spätestens bei den Betriebskostenabrechnungen erkennen". Die Sanierung des Hauses in der August-Bebel-Straße zeige im Vergleich zu den Anfängen der Stadtsanierung in den 1990er-Jahren, wo Investoren durch Steuerabschreibungsmodelle aus den alten Bundesländern angelockt wurden, einen weiteren Entwicklungstrend. "Die Investoren kommen jetzt fast nur noch aus der Stadt beziehungsweise der Region. Ich halte das Engagement von lokalen Bauherren und zunehmend auch Rückkehrern, die sich mit ihrer Heimatstadt identifizieren, auch für viel nachhaltiger", so Uwe Brenner. Im Umkehrschluss sieht Brenner hinter den Objekten, wo es noch "klemmt", Besitzer, die in der Regel nicht aus Finsterwalde kommen.

Tipp: Bau- und Modernisierungswilligen steht die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft DSK jeden Dienstagnachmittag ab 13 Uhr im Rathaus am Finsterwalder Markt für die Beratung zur Verfügung.