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| 16:05 Uhr

Nach Brand im Haus der Freundschaft
Finsterwalder Brandstifter bekommen Bewährung

Das einstige Haus der Freundschaft in Finsterwalde nach Brandnacht zum 15. September 2017.
Das einstige Haus der Freundschaft in Finsterwalde nach Brandnacht zum 15. September 2017. FOTO: Jens Berger
Bad Liebenwerda/Finsterwalde. Vor einem Jahr haben sie das Haus der Freundschaft in Finsterwalde angezündet. Jetzt sind zwei Männer dafür verurteilt worden, zu einer Bewährungsstrafe. Von Dieter Babbe

Was in der Nacht zum 15. September 2017 in Finsterwalde geschah, bewegt noch heute nicht nur die etwa 80 Feuerwehrleute, die mit 20 Fahrzeugen anrücken mussten, um das Feuer zu bändigen. Viele nicht nur in der Sängerstadt waren am Morgen schockiert, als sie die Nachricht hörten und auch bei lr-online lasen: Das altehrwürdige Haus der Freundschaft ist ein Opfer der Flammen geworden. Ein Ort der Erinnerung und der Begegnung, wo Generationen immer wieder Veranstaltungen erlebt haben, war zu einer Ruine geworden.

Zwei junge Männer, der eine heute 29, der andere 19 Jahre, standen am Donnerstag in Bad Liebenwerda als mutmaßliche Brandstifter vor Gericht. Einer der beiden hatte sich noch zwei Tage nach dem Brand zur Tat bekannt. Die mit Spannung erwartete Verhandlung beim Amtsgericht in Bad Liebenwerda gegen die beiden Angeklagten zog sich bis in den Nachmittag hin. Erst gegen 15 Uhr äußerte sich Richter Egon Schaeuble, Sprecher am Amtsgericht Bad Liebenwerda, zum Ausgang: Beide sind wegen gemeinschaftlich begangener vorsätzlicher Brandstiftung verurteilt worden. Der zur Tatzeit erwachsene Jugendliche bekam ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung, der zur Tatzeit minderjährige Jugendliche bekam eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. In seinem Fall sei auch ein weiterer Diebstahl abgeurteilt. Die schriftliche Urteilsbegründung liegt vermutlich erst in einigen Wochen vor, erklärte Egon Schaeuble.

Luftaufnahmen vom Brand in Finsterwalde FOTO:

Die Verhandlung gegen die Brandstifter hatte mit einer Stunde Verspätung begonnen. Das Gericht war unvollständig: Nicht, weil einer der beiden Angeklagten oder der einzige geladene Zeuge nicht anwesend waren. Ein Schöffe fehlte. Ein anderer Hilfsschöffe wurde gebeten. Kurz vor 10 Uhr konnte  Richterin Marion Seidel die Verhandlung endlich eröffnen.

Gleich zu Beginn stellte der Rechtsanwalt des jüngeren Angeklagten den Antrag, die Verhandlung hinter verschlossenen Türen zu führen. Begründung: Einer der beiden Angeklagten sei zur Tatzeit noch minderjährig gewesen – laut Jugendstrafrecht ein Grund für den Ausschluss der Öffentlichkeit. Richterin Seidel nahm den Antrag zur Kenntnis, sprach aber auch von einer möglichen Ausnahme: Nämlich dann, wenn ein Jugendlicher zusammen mit Heranwachsenden oder Erwachsenen angeklagt ist. Was in dem Verfahren der Fall ist: Der zweite Angeklagte war zur Tatzeit 28 Jahre alt.

Um den Antrag des Rechtsanwaltes zu beraten, mussten die Besucher – es handelte sich offensichtlich um Bekannte der Angeklagten aus Finsterwalde – einschließlich die Pressevertreter den Saal 4 des Amtsgerichtes verlassen. Das Gericht entschied, dem Antrag des Rechtsanwaltes stattzugeben. Man wisse, dass der Vorfall in Finsterwalde viele Menschen bewege und die Gerichtsverhandlung deshalb von einem großen öffentlichen Interesse sei. Es gebe aber „gute Gründe“, die Verhandlung mit der Beweisaufnahme hinter verschlossenen Türen zu führen, formulierte die Richterin Marion Seidel. Von der Möglichkeit, die Verfahren in öffentlich und nicht öffentlich zu trennen, hatte der Staatsanwalt keinen Gebrauch gemacht.

Gegen 2 Uhr ist die Feuerwehr am 15. September 2017 alarmiert worden. Als die ersten Kameraden eintrafen, stand der Dachstuhl in Flammen. Um Anlieger nicht zu gefährden, mussten sie ihre Häuser verlassen, sie kamen bei der Feuerwehr, auf einer Bowlingbahn oder bei Angehörigen unter. Den Feuerwehrleuten blieb bei der großen Hitze nichts anderes übrig, als das große Bauwerk kontrolliert abbrennen zu lassen. Gegen 6 Uhr konnten die ersten Wohnhäuser wieder freigegeben werden, die Feuerwehren waren noch den ganzen Tag über im Einsatz, um Glutnester zu löschen.

Auch nach dem Großbrand bleibt die Ruine ein Gefahrenherd. Noch bevor das Feuer komplett gelöscht war, hat die Bauaufsicht des Landkreises veranlasst, dass Mauern, die drohten umzukippen, eingerissen werden mussten. Dazu ist das Areal auch mit einer Drohne aus der Luft erkundet worden. „Daraus ergab sich, dass weitere Gebäudeteile abgerissen werden mussten, um eine Grundsicherung des Gehwegs und der Straße für die Fußgänger und den Autoverkehr sicherzustellen“, teilte die Kreisverwaltung am Donnerstag auf Anfrage mit. Weiter heißt es: „Derzeit ist die Ruine nach Einschätzung der Bauaufsicht standsicher, es besteht aus Landkreissicht kein akuter Handlungsbedarf. Es findet etwa alle zwei Monate ein regelmäßiges Monitoring statt, bei dem der Stand der Dinge eingeschätzt wird.“ Für eine grundsätzliche Lösung, um den städtebaulichen Missstand mit der Schrottimmobilie zu beheben, seien allerdings die Stadt und der Eigentümer gefragt.

Aus Sicht der Stadt gibt es „keine Neuigkeiten“, wie Bauamtsleiter Frank Zimmermann im Rathaus auf Anfrage mitgeteilt hat.