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| 12:01 Uhr

Die Geschichte des Jahres 2018
Feuerwehrmann unter Verdacht

 In diesem leerstehenden Haus in Finsterwalde-Nehesdorf hat es in diesem Jahr mehrfach gebrannt. Brandstiftung liegt nahe. War es auch Teil der Brandstifterserie? Mittlerweile ist die Brandruine abgerissen.
In diesem leerstehenden Haus in Finsterwalde-Nehesdorf hat es in diesem Jahr mehrfach gebrannt. Brandstiftung liegt nahe. War es auch Teil der Brandstifterserie? Mittlerweile ist die Brandruine abgerissen. FOTO: Heike Lehmann / Heike lehmann
Über viele Wochen hat in diesem Jahr eine Brandstiftungsserie die Stadt Finsterwalde in Atem gehalten. Ein junger Feuerwehrmann steht unter Verdacht, gezündelt zu haben. Jetzt äußert sich die Wehrleitung dazu. Von Heike Lehmann

Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Finsterwalde waren in diesem Jahr immens gefordert. Zum 19. Dezember standen 479 Einsätze zu Buche – so viele wie nie. Ein kräftezehrendes Jahr für die Männer und Frauen. Belastend auch die Vorstellung, einer von ihnen könnte für eine Vielzahl von Alarmierungen verantwortlich sein. Meist nachts brannten  leerstehende Gebäude. Garagen, Fabriken, Gartenlauben, der alte Konsum in Nehesdorf, Lagerhallen  waren unter anderem betroffen. Der Unmut unter den Einsatzkräften wuchs, in den sozialen Medien wurde heftig diskutiert. Stadtbrandmeister Michael Kamenz sagt zu dem im Raum stehenden Verdacht: „Wir sind außerhalb der Ermittlungsarbeiten. Aber nachdem ein Tatverdächtigter ins Blickfeld der Ermittler geriet, wurde es ruhiger. Das kann auch ein Zufall sein.“

Stadtsprecherin Paula Vogel wird konkreter: „Die Polizeidirektion Süd kam, auch durch intensive Zusammenarbeit mit der Stadt und der Wehrführung, zu einem Ermittlungsergebnis, das einen Kameraden schwer belastet. Nachdem er bei dem Versuch einer weiteren Brandstiftung durch die Polizei gestellt wurde, ist er von Seiten der Stadt Finsterwalde sofort vom Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr Finsterwalde suspendiert worden.“ Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei mit dem Verdächtigten nicht mehr möglich gewesen. Michael Kamenz: „Der junge Mann ist nicht aus der Feuerwehr ausgeschlossen. Sollte sich der Verdacht gegen ihn nicht bestätigen, ist er wieder dabei. Über Schuld und Unschuld urteilt irgendwann der Richter.“ Die Brandserie hat andere in Gefahr gebracht, Sachschäden verursacht und die ehrenamtliche Feuerwehren, auch aus der Umgebung, strapaziert. Vielfach rückte die Freiwillige Feuerwehr Großräschen mit ihrem Hubretter an, da sich der Finsterwalder Hubretter in diesem Zeitraum in einer Reparatur befand.

Es sei wichtig für die Gesellschaft, dass Brandstifter ermittelt und bestraft werden. Zwei junge Männer, 29 und 19 Jahre alt, wurden am 1. November wegen gemeinschaftlich begangener vorsätzlicher Brandstiftung am ehemaligen Haus der Freundschaft verurteilt – beide auf Bewährung. „Für mich nicht nachvollziehbar, das ist meine persönliche Meinung“, sagt Kamenz.

Die hohe Einsatzzahl begründet sich aber auch mit einer steigenden Tendenz von auslösenden Brandmeldeanlagen. „Nicht selten sind das Fehlalarmierungen oder Kleinigkeiten, aber das merkt man erst am Einsatzort“, sagt der Stadtbrandmeister. Hinzu kamen 2018  Alarmierung zu Großeinsätzen in angrenzenden Regionen, zu Waldbränden oder dem Brand eines Reifenlagers. „Anfang des Jahres haben uns die Unwetterlagen beschäftigt“, ergänzt Andy Hofmann, stellvertretender Stadtbrandmeister.

Lässt die hohe Belastung erste Kameraden hinschmeißen oder melden sich gar neue Mitglieder, um zu helfen? „Weder noch“, so Michael Kamenz. Die Zahl der Finsterwalder Einsatzkräfte sei stabil. Momentan sind es 114. Hinzu kommt die Alters- und Ehrenabteilung und die Jugendwehr. „Aber Bürger und Firmen zeigen mehr Interesse an unserer Arbeit, sagen auch mal Danke“, hat Kamenz festgestellt. Eine solche Geste war, dass der Inhaber eines indischen Restaurants nach einem Brand am 23. April 60 Rettungskräfte zum Essen eingeladen hat.

Wie entscheidend eine Sekunde und gute Ausbildung sein können, hat Andy Hofmann selbst erlebt, als in der ersten Jahreshälfte eine ältere Dame in Nehesdorf in einem brennenden Haus um Hilfe rief. Gemeinsam mit einem Kameraden hat er die Frau aus dem verqualmten Gebäude gezogen. „Sie hat überlebt“, sagt er.

Zu wünschen wäre den ehrenamtlichen Rettern der freiwilligen Feuerwehr eine Silvesternacht ohne Einsatz. „Regelrecht zum Dienst verpflichtet wird keiner. Die Kameraden sprechen sich untereinander ab. Das hat Gott sei Dank bis jetzt immer gut geklappt“, sagt der Stadtbrandmeister.