Eine Gedenktafel erinnert nun an die couragierte Tochter der Stadt, die ihren Weg zu einer Zeit ging, in der Frauen in Preußen noch nicht zu einem Studium zugelassen wurden. Vor ihr hatte bereits Dorothea Christiane Erxleben an der Universität Halle/Saale im Jahr 1754 das Promotionsexamen erfolgreich abgelegt. Am 20. April 1899 wurden Frauen im Deutschen Reich erstmals offiziell zu den Staatsprüfungen der Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie zugelassen. An den Universitäten von Preußen galt das für Medizinstudentinnen erstmals im Wintersemester 1908/1909.

Dr. Dieter Pohle, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, würdigte seine Kollegin als eine "wirklich tolle Frau". Es sei seinerzeit eine Sensation gewesen, dass eine Frau aus Finsterwalde Medizin studierte. Und was ihn am meisten gefreut und zugleich erstaunt habe, sei das Thema ihrer Dissertation. Es beschäftige sich mit Rückenmarksproblemen in Schwangerschaft und Wochenbett. Wenn die Ursachen dieser Probleme sich seither auch geändert hätten, mit ihnen zu tun habe man es bis heute. " hinan", zitierte der Arzt in Hochachtung vor der Leistung Elise Taubes den Frauenkenner Johann Wolfgang von Goethe. Dr. Rainer Ernst, Leiter des Kreismuseums, skizzierte den Lebensweg der Finsterwalderin ausführlich. Nach ihrer Promotion arbeitete Elise Taube unter anderem an der psychiatrischen Klinik der Universität Rostock. Letzte Spuren der Ärztin finden sich in Berlin und im Zusammenhang mit einer Schiffspassage nach Amerika.

1917 verliert sich ihre Spur.

Passend zum Internationalen Frauentag war die in Finsterwalde enthüllte Tafel die insgesamt 16. im Land Brandenburg, die bekannte, aber auch weniger bekannte Frauen würdigen. Das Projekt des Frauenpolitischen Rates Brandenburg war im Themenjahr Kulturland Brandenburg 2010 "Mut und Anmut. Frauen in Brandenburg - Preußen" gestartet worden. Sabina Scheuerer erzählte in Finsterwalde vom Ursprung des Projektes. Bei einem Sonntagsausflug in Wittenberg habe sie sich über die informativen Tafeln an vielen Häusern gefreut, auf denen über einst dort lebende Menschen berichtet wird - meist seien dies Männer gewesen. Das Projekt "FrauenOrte" sei von diesem Wittenberg-Besuch inspiriert gewesen und erfreue sich seither großen Zuspruchs. Mit bislang drei FrauenOrten gehöre der Landkreis Elbe-Elster zu den besonders am Projekt interessierten. Der Finsterwalder Erinnerungstafel folgen weitere in Bad Liebenwerda und Kleinrössen. In Mühlberg sei man dabei, so kündigte die Elbe-Elster-Gleichstellungsbeauftragte Ute Miething an, eine vierte Tafel vorzubereiten. Diese solle an die Schwester von Theodor Fontane erinnern, die hier geboren wurde.

Elke Steinitz vom Netzwerk Chancengleichheit schlüpft bei der Elbe-Elster-Frauentagsveranstaltung am Samstag im Stadthaus in Elsterwerda in die Rolle der Elise Taube. "Es ist imposant, dass die Frau mit 38 Jahren ihr Abitur ablegte, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Und das in einer Zeit, in der Frauen an den Universitäten nicht erwünscht waren. Es wäre schön, wenn sich noch herausfinden ließe, wann und wo diese Finsterwalderin verstorben ist."

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Zum ThemaFrauenOrte im Elbe-Elster-Kreis werden am 17. März, 19 Uhr, im Kreismuseum Bad Liebenwerda und am 27. Mai um 15 Uhr in Kleinrössen neu hinzukommen. Mit Informationstafeln werden hier Euphemia Herzogin Offka beziehungsweise Elisabeth Jenny, genannt Ella Lettre, geehrt.Wer weitere Frauen auf diese Weise ehren möchte, kann einen Antrag an den Frauenpolitischen Rat Brandenburg stellen. www.frauenrat-brandenburg.de