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Finsterwalde wieder mit Direktverbindung
Und alles begann mit einem „Sonderzug“

Ein Foto aus dem Jahr 2008: Damals protestierten Finsterwalder beim Besuch des damaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, der ursprünglich mit einem Sonderzug anreisen wollte, gegen die gekappte direkte Bahnverbindung nach Berlin.
Ein Foto aus dem Jahr 2008: Damals protestierten Finsterwalder beim Besuch des damaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, der ursprünglich mit einem Sonderzug anreisen wollte, gegen die gekappte direkte Bahnverbindung nach Berlin. FOTO: Veit Rösler
Finsterwalde. Reisende aus Finsterwalde sollen ab Dezember 2022 wieder direkt mit dem Zug nach Berlin fahren können. Damit wird die im Jahr 2006 gekappte Strecke wieder in Betrieb genommen. Von Frank Claus

Die Nachricht ist in der Sängerstadt mit großer Freude aufgenommen worden. Finsterwalde erhält wieder eine Direktverbindung nach Berlin. Das hat Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) am Montag bei der Vorstellung des Entwurfs des Landesverkehrsplanes erklärt. Der Plan setzt die Mobilitätsstrategie 2030 um und bestimmt die Entwicklung des Öffentlichen Schienenpersonennahverkehrs für die kommenden Jahre.

Finsterwalde ist im Jahr 2006 von der Bahn abgehängt worden — jedenfalls in Richtung Berlin. Das Land Brandenburg hatte den Regionalexpress 3 von Senftenberg über Finsterwalde nach Berlin abbestellt. Begründet worden ist das damals mit zu geringen Fahrgastzahlen. Gezählt worden seien täglich etwa 200 Reisende, 1000 wären notwendig gewesen, um die Verbindung wirtschaftlich zu betreiben.

Für Furore sorgte das Aus, als Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) im Rahmen einer Pressefahrt im Jahr 2008 mit einem Sonderzug auf der schon abbestellten Strecke nach Finsterwalde reisen wollte. Zwar ist das Vorhaben kurz davor abgesagt worden — Platzeck kam mit dem Auto, der Journalistentross mit dem Bus —, aber auf dem Bahnhof hatte ihn dennoch eine starke Abordnung begrüßt, um gegen die Kappung der Zugverbindung und für die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs zu demonstrieren. „Regionalexpress statt Sonderzug“ hieß es damals unter anderem auf den Transparenten. Initiiert war die Demo wesentlich vom Stadtverordneten Rainer Genilke, heute verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag.

Zwar sicherte der damalige Ministerpräsident zu, die Wiederaufnahme der Strecke zu prüfen und lud auch zu einem Gesprächstermin nach Potsdam — am Ende allerdings ohne positives Ergebnis. Die Strecke blieb gekappt.

Nun soll sie ab Dezember 2022 wieder in Betrieb gehen, als neue Linie RE 8. Alle 120 Minuten sollen dann Züge jeweils über Wünsdorf und Doberlug-Kirchhain entweder nach Elsterwerda oder eben nach Finsterwalde fahren. Rainer Genilke: „Damit greift endlich das, wofür wir viele Jahre gekämpft haben“, sagt der Abgeordnete und schiebt gleich nach, dass die Durchbindung bis nach Senftenberg für die Finsterwalder Region und den gesamten Wachstumskern Westlausitz, zu dem auch Senftenberg gehört, natürlich noch besser gewesen wäre. Aber da Senftenberg über den RE 7 aus Dessau, Bad Belzig, Berlin und Lübbenau angeschlossen sei, habe das Land darauf aus Kostengründen wohl verzichtet.

Doch was macht Rainer Genilke so zuversichtlich, dass künftig mehr als 200 Reisende in den Zug von und nach Finsterwalde steigen? Er wiederholt das, was Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider bereits bei der Vorstellung des Landesverkehrswegeplanes gesagt hat. Im gesamten Land, selbst in Regionen mit Bevölkerungsrückgang, verzeichne man einen Anstieg der Fahrgastzahlen. Das seien momentan landesweit täglich etwa 50 000 mehr, im Jahr 2030 wird mit 280 000 Fahrgästen täglich im Öffentlichen Schienennahverkehr gerechnet.

Rainer Genilke sieht es auch ganz pragmatisch: „Kommt der Zug, kommt der Zuzug. Wer Regionen entwickeln will, muss schnell für mehr Züge mit mehr Sitzplätzen sorgen.“ Deshalb sei für ihn auch schwer nachvollziehbar, dass Finsterwalde noch bis 2022 warten müsse.

Während das Land das damit begründet, dass die jetzigen Verträge mit den Eisenbahnunternehmen bis dahin laufen würden, will der Abgeordnete schneller zumindest punktuelle Verbesserungen. Ministerin Kathrin Schneider bremst diesbezügliche Hoffnungen: Das Land wolle das zwar versuchen, und in den Verkehrsverträgen gäbe es auch einen Puffer von etwa zehn Prozent — „aber gerade ist ganz Deutschland auf der Suche nach Zügen, wir eben auch“, erklärte sie in einem Gespräch gegenüber dem RBB-Fernsehen.

In Finsterwalde freilich bleibt die Vorfreude. „Das wäre ein Riesengewinn für die Stadt“, sagt der stellvertretende Finsterwalder Bürgermeister Frank Zimmermann. Zwar könne er die momentanen Pendlerströme der Stadt nicht beziffern — so eine Erhebung habe die Stadt nicht — aber günstige Angebote würden Beschäftigen den Weg von und zur Arbeit erleichtern und nicht unwesentlich zur Arbeitsplatzwahl beitragen.

Fast euphorisch reagiert Veit Klaue vom Finsterwalder Stadtmarketing. „Dann können wir endlich wieder mehr touristische Angebote schnüren“, sagt er und verweist darauf, dass er bei Messen, vor allem von Berlinern immer wieder hören würde: „Ihr habt ja attraktive Ziele, aber wie kommen wir denn überhaupt zu euch hin?“

Dass die Direktverbindung angenommen wird, daran hat Torsten Ratke von der Firma Officeconsult, der als privater Betreiber sonntags mit einem Triebwagen von Finsterwalde aus die F 60 ansteuert, keinen Zweifel. „Vor allem bei Großveranstaltungen an der F 60 sind wir gut ausgelastet. Im nächsten Jahr werden wir wieder ab Doberlug-Kirchhain fahren.“