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| 16:13 Uhr

Schnelles Internet
Finsterwalde vorn auf Datenautobahn

Ralf Wilhelm (l.), Inhaber des „FitIn“, war im Mai 2016 der  500. Digitalkunde am Glasfasernetz der Stadtwerke Finsterwalde. Heute ist die Zahl der Kunden auf 900 gestiegen. Der Firmenchef ist hier im Bild mit Stadtwerke-Geschäftsführer Andy Hoffmann (r.)  und Peer Mierzwa, Teamleiter Kundenservice. 
Ralf Wilhelm (l.), Inhaber des „FitIn“, war im Mai 2016 der  500. Digitalkunde am Glasfasernetz der Stadtwerke Finsterwalde. Heute ist die Zahl der Kunden auf 900 gestiegen. Der Firmenchef ist hier im Bild mit Stadtwerke-Geschäftsführer Andy Hoffmann (r.)  und Peer Mierzwa, Teamleiter Kundenservice.  FOTO: Böttcher / B“ttcher
Finsterwalde. Stadtwerke agieren beim Aufbau eines Glasfasernetzes als Pioniere in Südbrandenburg – und das ohne Fördermittel. Von Gabriela Böttcher

Der Ruf nach schnellem Internet ist ungebrochen. Ein Bundesprogramm fördert den Breitbandausbau in Deutschland. Die Stadtwerke Finsterwalde agieren als Pionier im Süden Brandenburgs. Statt Fördergelder zu bekommen, investieren sie Jahr für Jahr etwa 500 000 Euro in dieses neu gewachsene Geschäftsfeld.

Begonnen hatte alles schon im Jahr 2008. Der Impuls war von einem Vortrag über Erfahrungen der Städte Schwerte in Nordrhein-Westfalen und Norderstedt in Schleswig-Holstein ausgegangen, die während einer Veranstaltung der IHK weitergegeben wurden. Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Fuchs erinnert sich gut an die Aufbruchphase, als schnelles Internet nicht zwingend zum Kerngeschäft der Stadtwerke als Energieversorger gehörte. Geschäftsführer-Kollege Andy Hoffmann verdeutlicht die qualitative Ebene des Herangehens in der Sängerstadt: „Klar ist, dass nur auf der Basis der Glasfasertechnologie Geld in die Hand genommen wird.“ Mittlerweile verfügen die Stadtwerke Finsterwalde über ein insgesamt etwa 200 Kilometer langes Glasfasernetz.

Der Start der aktiven Versorgung mit schnellem Internet erfolgte in Finsterwalde im Jahr 2014 für die Wohnungen der städtischen Wohnungsgesellschaft. Mit rund 2400 Wohnungen war das eine Zahl, die sich sofort sehen lassen konnte. Seither ist das Netz stetig vervollständigt worden. Gekoppelt an die jährlich etwa auf zwischen drei und fünf Kilometern erfolgende Erneuerung des traditionellen Versorgungsnetzes der Stadtwerke Finsterwalde ging der Einbau von Leerrohren für das Glasfaserkabel einher. Aber auch eine separate Erschließung wie in Finsterwalde Nord, in diesem Fall begünstigt durch unbefestigte Straßen, ließ die Anschlussquote in der Sängerstadt steigen.

Andy Hoffmann und Jürgen Fuchs betonen:„ Unser Ziel ist es von Anfang an, das beste Netz zu bauen, das es gegenwärtig gibt.“ Jeder Kunde verfüge über einen eigenen, direkten Anschluss an die Kopfstelle. Von 50 über 100 bis zu 200 Mbit/s im Up- und im Download bieten die Stadtwerke gegenwärtig Produkte für verschiedene Bedarfe der Nutzungskapazität an. „Wir können unser Angebot jederzeit an einen Bedarf im Gigabit-Bereich anpassen“, versichert Andy Hoffmann. Da habe man bereits für die Zukunft vorgesorgt.

Mit größeren Gewerbe- und Industriekunden gebe es individuelle Vereinbarungen. Eine Zusammenarbeit mit envia Tel führte im zurückliegenden Jahr 2017 zur Breitband-Versorgung und Vernetzung des Unternehmens Kjellberg an allen seinen Standorten in Finsterwalde und Massen. Daraus ergebe sich ein klarer Standortvorteil. Gerade für Kunden, die auf sicherem Wege große Datenmengen in kurzer Zeit übermitteln möchten beziehungsweise müssen, werde die Glasfasertechnologie unverzichtbar. Sind das Klinikum Elbe-Elster und die Sparkasse Elbe-Elster in Finsterwalde, das Architekturbüro Habermann und verschiedene Steuerbüros schon seit 2015 an das Netz angeschlossen, so wurden in diesem Jahr mit der Fertigstellung der südlichen Stadtkernentlastungsstraße für das Gewerbegebiet am Langen Damm die Wege zum schnellen Internet geebnet. Und das für Geschwindigkeiten bis zu einem Gigabit pro Sekunde. Weitere städtische Liegenschaften sollen nach den bereits angeschlossenen wie den drei Grundschulen, der Feuerwehr Mitte und dem Schloss folgen. Auch Liegenschaften des Landkreises könnten der Kreismusikschule folgen.

Das Glasfasernetz hat die Stadtwerke Finsterwalde von Anfang an in die Lage versetzt, ein sehr großes TV- und Hörfunk-Paket mit mehr als 160 TV- und 75 Radiosendern zusammenschnüren zu können. 40 TV-Sender analogisiert, M7 und Sky als Bezahlfernsehen, Fernsehen in HD-Qualität – das habe neben der Wohnungsgesellschaft inzwischen andere Wohnungseigentümer beziehungsweise Immobilienverwalter überzeugt.

Alles in allem wären die Stadtwerke Finsterwalde derzeit in der Lage, mehr als 5000 Wohnungen mit der schnellen Datenautobahn zu erreichen, etwa 3500 sind es. Davon nutzen etwa 900 das Telefonieren und schnelle Surfen via Internet, 2600 die Fernsehdienstleistungen.

„Es ist schon ein riesengroßes Alleinstellungsmerkmal, alles anbieten zu können, was ins Haus hinein- und herausgeht“, konstatiert Stadtwerke-Geschäftsführer Andy Hoffmann. Neben den traditionellen Geschäftsfeldern Strom, Gas, Wasser und Wärme ist die Datenautobahn weiter auf dem Vormarsch. Mit der Gründung der eigenen Marke sf digital hat man diesem Trend bereits 2014 Rechnung getragen.

Im neuen Jahr werden die Stadtwerke Finsterwalde den Fokus auf kleinteiligere Erschließungen legen. Interessengemeinschaften wie jene im Ortsteil Pechhütte führen zum Erfolg. Mehr als 70 Prozent möglicher Anschlüsse sind in Vorverträgen verabredet, so werde der Kernort Pechhütte 2018 mit Glasfaser versorgt. Nach dem Anschluss der Finsterwalder und der Dresdener Straße im Ortsteil Sorno werde auch dort weiteres Interesse abgefragt. „Das zeigt, dass wir uns bei der Erschließung nicht nur die Rosinen herauspicken. Das ist ein klares Sig­nal. Und alles komplett ohne Fördermittel“, unterstreicht Andy Hoffmann.

Mit dem Blick auf die Förderpolitik des Bundes fänden es die Stadtwerke-Geschäftsführer wünschenswert, dass auch kleinere Projekte gefördert würden, mit denen die schnelle Datenautobahn auf höchstem Niveau ausgebaut wird. Einen Ausbau bis 50 Mbit und das zudem auf Kupferkabel-Basis zu fördern, beruhige zwar im Moment vehement geforderten Bedarf, fördere aber nicht den Ausbau der modernsten nutzbaren Technologien. „Es wäre erfreulich, wenn im Nachtragshaushalt des Landes Brandenburg und des Bundes auch an unkomplizierte Projektförderungen mit Technologiebonus gedacht würde“, richtet Stadtwerke-Geschäftsführer Andy Hoffmann seinen Blick auf die nächsten Monate.