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| 10:53 Uhr

5 Minuten Heimatgeschichte
Finsterwalde – Stiefkind des Postverkehrs

Detail der Halbmeilensäule in Dabern.
Detail der Halbmeilensäule in Dabern. FOTO: Rainer Ernst
Finsterwalde. Warum der Postreiter nicht mehr in Dabern einkehren konnte. Von Rainer Ernst

Finsterwalde lag bis weit ins 19. Jahrhundert hinein abseits der großen überregionalen Routen des Postverkehrs, was zunehmend besonders für das Tuchmachergewerbe als Standortmanko spürbar wurde. Am 1. April 1834 hatte sich die ohnehin ungünstige Situation nochmals verschärft: Die zwischen Finsterwalde und Sonnewalde seit dem August des Vorjahres eingerichtete Fußbotenpost, die bisher dreimal in der Woche verkehrte, war auf zwei Tage pro Woche reduziert worden, was sich nach der Einschätzung des Finsterwalder Magistrats „für den hiesigen nicht unbedeutenden Fabrikverkehr sehr nachtheilig gezeigt“ hat. Durch Sonnewalde lief nämlich eine wichtige Postroute, die von Krossen an der Oder (heute Krosno Odrzańskie) über Calau und Herzberg nach Merseburg führte. Der Briefverkehr der  Finsterwalder Tuchmacher „nach dem Rheine, Niederlande, Schweiz, Frankreich pp.“ erlitt mit dem beschnittenen Anschluss an diese Ost-West-Magistrale eine deutliche Behinderung.

So konnte es natürlich nicht bleiben. Deshalb sandte der Magistrat am 15. Mai 1834 eine Petition an das Königliche General-Postamt in Berlin und bat dringend, Veränderungen vorzunehmen. Dabei ging es nicht darum, den alten dreitägigen Wochenrhythmus wieder herzustellen, sondern die Finsterwalder wollten endlich selbst einen Anschluss an diese bedeutende Postroute. Sie schlugen vor, die Streckenführung zu ändern und den Weg von Calau über Finsterwalde und Dobrilugk unter Auslassung Sonnewaldes zu „dirigieren“. In seiner Argumentation ging der Magistrat ausdrücklich auf die merkantile Dimension ein: „Wie viel hierdurch verloren gehen u. wie viel oft durch schnell zu erhaltende Antwort oder Bericht für einen Fabrikanten gewonnen werden kann, wollen dem hohen Ermessen eines Königl. Hohen General Post-Amtes wir unterthänigst anheimstellen.“ Dagegen zählte der Nachteil der nun um eine Meile längeren Strecke wenig.

Die Finsterwalder Wünsche zielten jedoch noch weiter. Auch hier wollte man von dem in Preußen spürbaren „höchst wohlthätigen“ Trend, Reit- in Personenpostverbindungen umzuwandeln, profitieren. Selbstbewusst verwies der Finsterwalder Magistrat bei der Begründung dieses Ansinnens auf die Potenz der eigenen  gegenüber der nördlichen Nachbarstadt. „So dürfte es wohl ohne Zweifel sein“, dass sich erst mit der Verlegung „der Tour“ eine Personenpostverbindung lohnt, „weil nach und von Finsterwalde beständig verkehrt wird, wogegen nach Sonnewalde, als Ackerstädtchen, durchaus kein Verkehr stattfindet.“

Der Gasthof in Dabern. Das verfallene Gebäude wurde vor einigen Jahren abgerissen. Postkarte, um 1910.
Der Gasthof in Dabern. Das verfallene Gebäude wurde vor einigen Jahren abgerissen. Postkarte, um 1910. FOTO: Rainer Ernst

Die Liste Finsterwalder Begehrlichkeiten erschöpfte sich damit noch immer nicht. Auch auf die attraktive Nord-Süd-Postroute von Berlin nach Dresden hatte man ein Auge geworfen. Bisher verlief deren Abschnitt zwischen Luckau und Elsterwerda über Sonnewalde und Doberlug. Die Tuchmacherstadt schlug auch hier die Streckenführung über Finsterwalde bei südlicher Umgehung Doberlugs vor. Drei Argumente führte der Magistrat dafür ins Feld. Einmal ergäbe sich dadurch überhaupt keine Verlängerung, denn beide Routen maßen 3 ¾ Meilen. Zum anderen wachse der Verkehr im Raum Finsterwalde ab dem 1. Juli nochmals an, weil hier ein erweitertes Stadt- und Landgericht als Ersatz des geschlossenen Gerichts in Lübben seine Arbeit aufnehme. Drittens aber versprach man „in Finsterwalde und Umgegend … gewiss Opfer“ zu bringen, „um gute und fahrbare Straßen zu haben“.

Die Petition hatte jedoch nur begrenzten Erfolg. Das General-Postamt konnte sich lediglich zur Verlegung der Route Calau – Herzberg über Finsterwalde, die jedoch nach wie vor als Reit- und nicht als Personenpost betrieben werden sollte, durchringen. Ab dem 1. August 1834 führte nun gewiss der Weg des Postreiters nicht mehr an der Dabener Halbmeilensäule und vor allem nicht mehr am benachbarten Gasthof vorbei. Aber sicherlich lernte er bald auch Finsterwalder Wirtshäuser zu schätzen.

Für das Tuchgewerbe und alle anderen Finsterwalder Postnutzer war nicht viel, aber wenigstens etwas gewonnen. Grundlegend verbesserte sich die Situation erst mit dem Eisenbahnanschluss im Jahre 1871.

Zitate und Fakten aus: Stadtarchiv Finsterwalde Rep 8, Nr. 158.