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| 02:37 Uhr

Finsterwalde steigt aufs Rad

Der Marketingverein Finsterwalde will in diesem Jahr wieder geführte Radtouren anbieten – so wie hier einst nach Frankena.
Der Marketingverein Finsterwalde will in diesem Jahr wieder geführte Radtouren anbieten – so wie hier einst nach Frankena. FOTO: Dietmar Seidel/ds1
Finsterwalde. Elf Jahre lang haben unter dem Dach des Finsterwalder Sängerstadt-Marketingvereins von Frühjahr bis Herbst Radtouren in der Sängerstadtregion und darüber hinaus stattgefunden, in Glanzzeiten bis zu 55 Veranstaltungen jährlich – bis der Verein 2015 erstmals die organisierte Radelei einschlafen ließ. Jetzt soll sie wieder aufgeweckt werden – und mit frischen Ideen neu Fahrt aufnehmen. Dieter Babbe

. In der Spitze bis zu 120 Teilnehmer, die Gästeführern per Rad oder per pedes durch die schöne Landschaft folgten, Halt an Sehenswürdigkeiten machten, Picknicks einlegten und das Erlebnis Radfahren und Wandern in der Gruppe genossen. Der Sängerstadt-Marketingverein koordinierte die Touren etlicher Gästeführer, gab einen Radlerkalender und -pass heraus und hat immer eine gesellige Runde zum Jahresabschluss organisiert. Christina Eisenberg, die langjährige Vereinsvorsitzende, ließ plötzlich die Tradition einschlafen. Begründung: Der Verein bekommt keine Langzeitarbeitslosen mehr vom Jobcenter als personelle Unterstützung zugewiesen. Hoher Aufwand sei in den Radtourismus gesteckt worden, den nur Leute von hier genutzt hätten. "Unsere Aufgabe ist es aber in erster Linie, Fremde als Touristen in unsere Region zu locken, die hier übernachten, Gaststätten besuchen und Geld in den Geschäften lassen. Das ist uns mit den Radtouren nicht gelungen - zumal es immer weniger Teilnehmer gab", erklärte Christina Eisenberg damals.

Nachfolger gewichtet anders

Ihr Nachfolger Torsten Drescher, Vorsitzender des Sängerstadt-Marketingvereins seit November 2014, sieht das anders. "Wir brauchen wieder Radtouren", sagte er am Tage seiner Wahl. "Besucher bei Messen und tollen Aktionen in die Sängerstadt und in unsere Region einzuladen ist wichtig, aber bald noch wichtiger ist, den Einwohnern bei uns Angebote zu machen. Wenn sie hier, wo sie wohnen und leben, sich wohl fühlen, dann sagen sie es weiter. Das ist die beste Werbung für die Sängerstadtregion, was wir mit einem noch so bunten Prospekt nicht erreichen", erklärt Drescher, der beruflich als Wirtschaftsförderer im Finsterwalder Rathaus tätig ist. Radfahrten in der Gemeinschaft auf den gut ausgebauten Wegen und das Erkunden unserer schönen Landschaft haben auch etwas mit Lebensqualität zu tun, sagt er. Allerdings: Neue Ideen werden gebraucht, die alten sind abgefahren.

Mit diesem Auftrag stellt der Sängerstadt-Marketingverein ein für dieses Jahr überschaubares Tourenprogramm auf die Beine. Nach der Busfahrt zum Frauentag (an der auch Männer teilnehmen können) zur Schokoladenfabrik Felicitas in Hornow wird einen Monat später, am 23. April, aufs Fahrrad umgestiegen. Auf einer 400 Kilometer langen Strecke kreuz und quer durch Brandenburg soll anlässlich "500 Jahre Reinheitsgebot" beim Gerstensaft landesweit die "Bierstraße" zwischen den 22 Klein- und Gasthausbrauereien im Land eröffnet werden. Für unsere Region bedeutet das: Von Finsterwalde aus geht es an dem Tag über Sonnewalde, wo einst die Niclas-Brauerei stand und im Heimatmuseum eine Bier-Sonderausstellung zu bewundern ist, nach Fürstlich-Drehna. Überall wird besichtigt, verkostet und am Ende im Sängerstadt-Brauhaus sogar Freibier angeboten.

Auch neue Angebote

Eher mit Brause erfrischen sich die Teilnehmer bei der Familientour, die von Finsterwalde ins nahe Schacksdorf und zum dortigen Spielplatz führen soll. Erstmals sind Eltern und Großeltern mit ihren (Enkel-)Kindern zu einer gemütlichen Radtour eingeladen - auf einer Strecke, die auch Steppkes gut und sicher bewältigen können. Im Nachbardorf können die Kinder Flugzeuge in der Werft erleben und einen alten Bauernhof besichtigen - und natürlich auf einem der schönsten Spielplätze im Altkreis toben.

Neu auch das: Nach bereits veranstalteten Stadtrundgängen, bei denen die immer wieder neuen Asylbewerber erfahren, wo sich Behörden befinden, will der Sängerstadt-Marketingverein die Neu-Finsterwalder jetzt auch zu Radfahrten in die nähere Umgebung eingeladen. "Sie sollen dabei nicht nur die Landschaft, sondern auch unsere Kultur und Lebensweise kennenlernen", sagt Carola Meißner.

Die Vorsitzende des Gästeführerringes Südbrandenburg-Nordsachsen will sich außerdem auf die "Spuren der Mönche" begeben und im Frühjahr und im Herbst zu Radfahrten in die ehemaligen Klosterdörfer rund um Doberlug einladen. Gleich sechs Touren hat sich Harald Schneider für 2016 vorgenommen. Die erste startet bereits am 5. März - zu Fuß geht es von Staupitz nach Grünewalde, wo das Mühlenhofmuseum besichtigt wird. Seine erste Radfahrt des Jahres steht unter dem Motto "Zwei ehrwürdige Häuser" - in Plessa werden am 28. Mai das Kulturhaus und die Bowlingbahn besichtigt

2017 soll es auch wieder eine Mehrtagesfahrt mit den Drahteseln geben, kündigt Wolfgang Becker an, der seit kurzem eine neue Arbeitsgruppe beim Sängerstadt-Marketingverein leitet - die beim Radtourismus im nächsten Jahr noch mehr in die Pedalen treten will.