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| 17:34 Uhr

Rechtsextremistische Erziehung
Demokratiefeindlichkeit im Kinderzimmer

 Mohammad Farokhmanesh, einer der beiden Regisseure von „Kleine Germanen“, war bei zwei Vorführungen des Films im Finsterwalder Weltspiegel Kino für eine Gesprächsrunde zu Gast.
Mohammad Farokhmanesh, einer der beiden Regisseure von „Kleine Germanen“, war bei zwei Vorführungen des Films im Finsterwalder Weltspiegel Kino für eine Gesprächsrunde zu Gast. FOTO: LR / Stephan Meyer
Finsterwalde. „Kleine Germanen“ er­örtert, wie Rechtsextreme ihre Kinder erziehen. Einer der Regisseure schaute bei der Finster­walde-Premiere vorbei. Von Stephan Meyer

„Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“, so lautet das Erziehungsleitbild rechtsextremistischer Eltern. Für ihren Dokumentarfilm „Kleine Germanen“ haben Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger genauer hingeschaut und versucht herauszufinden, wie Kinder in rechtsextremen Familien erzogen werden. Bei zwei Vorführungen im Weltspiegel Kino Finsterwalde schaute Mohammad Farokhmanesh vorbei und stand bei zwei Gesprächsrunden den Zuschauern Rede und Antwort.

Elsa nennt sich die Protagonistin des Films, die nur in animierten Filmsequenzen gezeigt wird. Die Aussteigerin aus der rechtsextremen Szene möchte nicht erkannt werden und musste bereits öfter ihren Namen ändern. Schon als Kleinkind wird sie von ihrem Großvater nationalsozialistisch erzogen – ihr werden Pausen bei einer Bergwanderung verwehrt, sie darf keine amerikanischen Trickfilme schauen und bekommt Hass gegen Juden indoktriniert. Später ist sie in der rechtsextremen Szene aktiv, heiratet und gründet eine Familie, die sie zusammen mit ihrem Ehemann ebenso erzieht. Unterbrochen werden ihre Lebensausschnitte von Interviews mit Größen der rechtspopulistischen bis rechtsextremen Szene, darunter der Verleger Götz Kubitschek, Martin Sellner von der Identitären Bewegung und Ex-NPD-Politikerin Sigrid Schüßler. Sie werden zu ihren Vorstellungen von Erziehung befragt. Zu Wort kommen aber auch Aussteiger, Pädagogikwissenschaftler und Bernd Wagner vom Aussteigerprogramm Exit.

„Krass“, „heftig“, „erstaunlich“, so fällt die Bilanz der erschrockenen Zuschauer nach der ersten Vorführung in Finsterwalde aus. Dass es solche Familienmilieus gibt, war einigen zwar bewusst. Die Art und Weise der Erziehung hat sie dann aber doch schockiert. Die Quellenlage zu dem Thema sei sehr dünn gewesen, gibt Mohammad Farokhmanesh zu. „Deshalb haben die Arbeiten auch so lange gedauert.“ Knapp fünf Jahre haben die Filmemacher daran gearbeitet. „Es gab nicht mal eine Diplomarbeit zu dem Thema“, so Farokhmanesh.

Mit dem Film stehen er und sein Kollege in der Kritik und die kommt nicht nur von Rechtsextremen selbst. Auch weil sie Kubitschek und Co. eine Bühne gegeben haben, ecken sie mit „Kleine Germanen“ an.

Enttäuscht zeigten sich die Besucher über die wenigen Zuschauer. Alle waren sich einig, dass es wichtig sei, über das Thema zu reden. Sabine Siegert vom Finsterwalder Kino habe auch Schulen darauf aufmerksam gemacht. Angenommen wurde das Filmangebot von ihnen nicht.