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| 16:49 Uhr

Vor fast 2000 Zuschauern in Riesa
Finsterwalde holt deutsche Meisterschaft im Männerballett

Deutsche Meisterschaft im Männerballett in Riesa FOTO: LR / Henry Blumroth
Riesa. Die besten Männerballette Deutschlands kämpfen in der Sachsenarena in Riesa vor knapp 2000 Zuschauern um die deutsche Meisterschaft. Am Ende holt Finsterwalde zum dritten Mal den Titel – und die Neulinge aus Forst sorgen für eine Überraschung. Von Henry Blumroth

Der Eilenburger Carneval Club und der Männerchor Einigkeit (MCE) Finsterwalde haben sich getraut. Zum ersten Mal findet die Deutsche Meisterschaft der Männerballette bei der 16. Auflage nicht in der Karnevalshochburg am Rhein statt. Der Umzug an die Elbe tut nicht weh. Jede Formation darf auf ihre Fans bauen, die teilweise mehr als 500 Kilometer Anreise auf sich genommen haben.

Die RUNDSCHAU darf vor den Entscheidungen am Sonntag hinter die Kulissen blicken. Schon Stunden vor dem ersten Auftritt steigt das Lampenfieber in der „Boxengasse“ der Akrobaten spürbar. Die „Feen und Trolle“ aus Forst-Sacro gehören zu den ersten Gruppen, die nach den Vorkämpfen vom Samstag am Sonntag vor die sechsköpfige Jury treten Für die Lausitzer ist es der erste Auftritt bei einer Deutschen Meisterschaft. Seit drei Monaten üben die Karnevalisten intensiv ihr Programm ein, sagt Tänzer Markus Gonarski. „Wir wollen uns immer weiter entwickeln und dabei Spaß haben“, ist sich die 25-köpfige Mannschaft einig. Die professionelle Tanzlehrerin Karina Brand hilft dabei. „Sie hat uns die Tänze auf den Leib geschneidert“, sagt Markus Gonarski. Maria Kathen setzt kurz vor dem Auftritt der Forster letzte Nadelstiche an den Kostümen. Elektrorasierer werden herumgereicht, um die letzten Stoppeln in den Gesichtern und an den Beinen zu entfernen. „Spätestens wenn wir die BHs anziehen, ist das Lampenfieber da“, so die Brandenburger.

Männerballett aus Rheinland Pfalz dabei

Eine deutlich längere Anreise haben die Tornados aus Rheinland-Pfalz. Die Formation aus dem mehr als 500 Kilometer entfernten Weiler hat am Samstag einen starken Auftritt auf die Bretter gebracht und darf sich am Sonntag Titelchancen ausrechnen. Die Truppe hat einen großen Vorteil. Seit 2002 stehen die Männer im Alter von 18 bis 27 Jahren gemeinsam auf der Bühne. „Seit wir in die Buchse gemacht haben“, wie es Tänzer Johannes Krollmann formuliert. Die Tornados hätten die weite Anreise gern auf sich genommen. „Es war uns eine willkommene Abwechslung in Sachsen. Die Fahrt war gut für die Gruppendynamik und wir haben ein paar schöne Stunde an der Elbe verbracht“, so Krollmann weiter.

Beim Männerballett Brenitz ist die Nervosität vor dem Auftritt derweil beinahe greifbar. Näherin Ilka Kießling nimmt die Outfits der Männer aus dem Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg immer wieder genau unter die Lupe. „Die Jury ist streng. Wir dürfen nichts dem Zufall überlassen“, weiß sie. Immerhin stecken 200 Stunden Arbeit in den Outfits.

Dann wird es ernst für die ersten Formationen. In umgekehrter Reihenfolge der Resultate vom Samstag geht es auf die Bühne. Die Devil Dancers aus Wernigerode (Sachsen-Anhalt) bringen den Film-Hit „Trolls“ farbenprächtig auf die Bühne. Die Stinkser Tanzlegenden vom Strehlaer Carnevals Club (Sachsen) entführen das Publikum auf eine Reise in die 20er-Jahre. Das Männerballett Markranstädt (Sachsen) erzählt tänzerisch die Geschichte von Adam und Eva nach. Orientalisch wird es mit den Turedancern aus Zellingen (Bayern). Sie bringen sogar eine Schlangenbeschwörung auf die Bühne. Das Darguner Männerballett aus Mecklenburg-Vorpommern hat ein Piratenabenteuer im Programm.

Perfekte Bühnenbilder und stimmgewaltige Fans

Eines haben alle Auftritte gemeinsam: Ein detailverliebtes Bühnenbild, jede Gruppe kann auf einen eigenen, stimmgewaltigen Fanblock bauen und alle Männer genießen das Bad in der Menge.

Dann stehen die Männer aus Forst zum ersten Mal auf der deutschen Männerballett-Bühne. Die Kostüme sitzen perfekt, die Schminke hält und die Schritte der Trolls und Elfen kommen an. Die Brandenburger sind nach ihrem Auftritt zufrieden. Stefan Hennig weiß, wem ein großes Dankeschön gilt. „Ohne die großartige Unterstützung unserer Frauen wären wir nicht da, wo wir jetzt sind“, sagt der 31-Jährige.

Auch für Kritik an der Gesellschaft ist Platz auf der Bühne. Die Pfundigen aus Bayern lassen US-Präsident Trump ein Mauer zu Mexiko bauen, die mit vereinfachter Kraft der Mexikaner kurzerhand wieder eingerissen wird. Nach Hawaii geht es für die Brenitzer in „Gestrandet“. Für die Reise haben die Männer nicht weniger als zehn Lieder im Programm. Sie punkten mit Tanzschritten von Jive über einen Marsch bis zu einem Trommeltanz. Der Auftritt kommt an und das Publikum in der Sachsenarena tobt.

Das Finsterwalder Männerballett tritt mit seinem Programm „Der König der Löwen“ als letzter Teilnehmer auf die Bühne und setzt dem Tag nicht nur mit einem Zehnmeterflug von „Timon“ alias Christian Walther.

Erstmals eine Ü35-Wertung im Männerballett

Mit Hochspannung wird die Siegerehrung von den 17 Mannschaften erwartet. Erstmals gibt es bei einer Deutschen Meisterschaft der Männerballette eine Ü35-Wertung. Der Grund: Der Turniersport ist in den vergangenen Jahren mehr und mehr von jungen und akrobatischen Teams dominiert worden. So soll eine größere Bandbreite des Männerballettes abgebildet werden. Premierensieger in dieser Kategorie sind die O-Town-Players aus Oppenheim in Rheinland-Pfalz vor dem Männerballett aus Teuschnitz (Bayern) und dem Eilenburger Carneval Club.

Bei den Männern setzen sich die Könige der Löwen vom Männerballett Finsterwalde die Krone auf und jubeln mit einer ordentlichen Bierdusche ausgelassen über die dritte Deutsche Meisterschaft vor den Tornados aus Weiler und dem Darguner Männerballett.

Sonderpreis geht nach Forst

Der Sonderpreis der Jury geht an Premierenteilnehmer Forst. Den Newcomer-Titel sichert sich das Darguner Männerballett- Fair-Play-Sieger werden die Eilenburger und in dem erstmals ausgelobten Preis um die „Heißesten Feger“ wussten die Männer aus Brenitz das weibliche Publikum zu überzeugen.

Viel Lob gab es am Ende von der Jury für die Organisatoren. Es soll nicht die letzte Deutsche Meisterschaft in den Neuen Ländern bleiben. 2020 ist aber erst mal wieder Bonn dran.

Deutsche Meisterschaft im Männerballett in Riesa FOTO: LR / Henry Blumroth