Klaus Neitmann, Direktor des Brandenburgischen Hauptarchivs Potsdam. Zum Abschluss der Ausstellung „Adlige Lebenswelten“ referierte er über „Die Landvögte in der Niederlausitz“ .

Der umtriebige Polenz
Mit der Ablösung der Naturalwirtschaft durch die Geldwirtschaft kamen die Schulden gleich mit. Die Niederlausitz war nach Meißen und Brandenburg schließlich unter die Herrschaft des böhmischen Königs geraten und galt als „Nebenland“ für finanzielle Manipulationen. Verkauf, Verpfändungen und Veräußerungen waren an der Tagesordnung. Der König saß weit weg in Prag und ließ den Markgrafen das Land verwalten. So agierten die Landvögte als Vertreter der Landesordnung.
Als einen der umtriebigsten Landvögte im 15. Jahrhundert stellte Dr. Neitmann den Niederlausitzer Hans von Polenz vor. Die unruhigen Zeiten vieler Geldverlegenheiten machte sich Polenz zunutze und kaufte sich mit Senftenberg zunächst in die Niederlausitz ein.
Nachdem, so Neitmann, Hauptmann Polenz 1413 schon einmal als Drohkulisse vor das Finsterwalder Schloss gegen das raublustige Adelsgeschlecht gezogen war, erhielt er später das „Schloss Finsterwalde mit Städtlein und anderem Zubehör wie Sallgast“ als Lehen der Krone Böhmen. Mit seinen geschickten Geldmanipulationen hat er als Geldbeschaffer von König Sigismund diesen sogar finanziell von sich abhängig gemacht. So erhält Polenz vom König schließlich die gesamte Niederlausitz, weil der ihm anders die königlichen Schulden nicht zurückzahlen kann.
Schmunzelnd hörten die Zuhörer, dass es der pfiffige Landvogt so geschafft hat, an die Stelle des Landesherren zu treten, was ihn nicht daran hinderte, selbst immer wieder in pekuniäre Schwierigkeiten zu kommen. Aber zum Beispiel besaß er ja das Städtlein Finsterwalde, das er kurzentschlossen für 10 000 Schock Groschen verpfändete.
Neben dieser amüsanten Reise in die regionale Geschichte erfuhren die Vortragsbesucher noch eine Menge über das Erstarken der Stände, des heimischen Adels, der Städte Luckau und Lübben sowie der Klöster Neuzelle und Dobrilugk. Dobrilugk, so scherzte der Referent, habe Polenz wie eine großzügig Kredit gewährende „Hausbank“ genutzt.

Archivschätze mitgebracht
Glänzende Augen bekamen die Heimatfreunde, als Neitmann einige Archivschätze auspackte. Pergamentene Originalurkunden mit Originalsiegeln zum Beleg für das Handeln des umtriebigen Landvogts wurden vorsichtig von Hand zu Hand weitergereicht. Polenz selbst, so schloss Dr. Neitmann seinen Vortrag, konnte sich bis zum Lebensende 1437 mit seinen Geschäften behaupten. Den Söhnen gelang das nicht mehr.
Das Landeshauptarchiv, so versprach Neitmann zum Abschluss, werde sich weiter in Finsterwalde engagieren und wolle auch zukünftig mit Ausstellungen im Kreismuseum präsent sein.