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| 20:10 Uhr

Frauen, macht!
Ein Netzwerk für Macherinnen

 Online und Offline ist eine große Community starker Frauen entstanden, die sich gegenseitig inspirieren und Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen.
Online und Offline ist eine große Community starker Frauen entstanden, die sich gegenseitig inspirieren und Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen. FOTO: Sarah Buth
Finsterwalde/Hamburg. „Frauen, macht!“: In der Lausitz gibt es beste Chancen zur Selbstverwirklichung. Mutige Frauen erzählen warum. Von Anja Hummel

„Mach’ das nicht, das bringt doch nichts!“ - Ein Satz, der Maria Goldberg vor drei, vier Jahren immer wieder in den Ohren lag. Damals war die junge Mutter Angestellte in einem Ingenieurbüro. Heute ist die 36-Jährige selbstständig, plant Lichtkonzepte für Firmen, Privatpersonen, Kirchen. „Ich konnte es mir eigentlich nie vorstellen, selbstständig zu sein“, erzählt die Finsterwalderin. „Aber man muss einfach durchhalten und an seinen Traum glauben.“ Maria Goldberg hat all ihren Skeptikern getrotzt und ist seit 2016 ihr eigener Boss.

Mission „Mut machen“

Mit ihrem Mut von damals steht sie nicht alleine da. „In ganz Brandenburg, in der gesamten Oberlausitz passiert sehr viel.“ Die Rückkehrerin spricht sogar von einer „Macherwelle“. 2017 hat sie das Jungunternehmernetzwerk „Neopreneurs“ ins Leben gerufen. „Ich hatte am Anfang viele Fragen, mit denen ich alleine da stand. Ein Netzwerk zum Austauschen hat in der Region einfach gefehlt“, blickt die studierte Architektin zurück. Ihre Mission geht über ihr eigenes Business hinaus. Sie will Mut machen - zum Gründen, zum „Mal-etwas-wagen“ - vor allem in der Provinz.

Die gleiche Mut-Macher-Mission hat auch Linda Brack. Was 2017 „völlig ohne Absicht begann“, wie sie sagt, ist heute ein riesiges Netzwerk von starken Frauen aus ganz Deutschland. „Frauenmacht“ heißt die Initiative, die Geschichten und Werdegänge von inspirierenden Frauen vorstellt, die Kontakte schafft, die Mut macht - für mehr Gründerínnen, für mehr Frauen in Führung. In den sozialen Medien folgen Linda Brack mittlerweile mehr als 13 000 Menschen, gerade erst hat sie einen Podcast gestartet. Doch nicht nur online - auch offline ist Linda Brack unterwegs. Allein durch ihre Events in den vergangenen zwei Jahren hat sie gut 2000 Frauen auch live erreicht. Mit einer Diskussion über „Chancen in der Provinz“ lädt Linda Brack nun zum ersten Mal zum Frauenmacht-Netzwerken in ihre alte Heimat ein.

Verlangen nach Austausch

 Linda Brack, gebürtige Finsterwalderin, hat das Netzwerk Frauenmacht gegründet.
Linda Brack, gebürtige Finsterwalderin, hat das Netzwerk Frauenmacht gegründet. FOTO: Sarah Buth

„Frauen haben einfach Bedarf, sich auszutauschen“, sagt die 29-Jährige. Woher das kommt? Trotz unserer modernen Gesellschaft sind die aktuellen Zahlen „noch relativ erschreckend“. Ob Frauen in Politik, Frauen in Führung, Frauen in Elternzeit - „Es passiert noch nicht genug, die Themen brauchen noch viel mehr Aufmerksamkeit“, sagt Linda Brack. Immer mehr Frauen merken das, haben Bock, sich beruflich zu verwirklichen. Welche Optionen es dafür überhaupt gibt und wie es andere geschafft haben, das vermittelt das Frauenmacht-Netzwerk.

Ein Thema sticht dabei immer besonders heraus, sagt Linda Brack: die Finanzierung. Wie kann ich mich selbstständig machen, wo bekomme ich Geld her, wie finde ich meine Kunden? „Geld bedeutet nun mal Sicherheit für das private Leben“, sagt die studierte Marketingexpertin. Doch darüber hinaus wird über alle möglichen Themen diskutiert: Mitgründerschaft, Nachhaltigkeit, Höhen und Tiefen, Vereinbarkeit von Job und Familie, Durchsetzungsvermögen - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. „Es gibt keinen Fokus auf ein Thema“, betont Linda Brack.

Digitalisierung als Chance

Sie selbst ist in Doberlug-Kirchhain geboren, in Finsterwalde aufgewachsen und lebt nun seit einiger Zeit in Hamburg. Dort hat sie sich auch ihr größtes Netzwerk aufgebaut. „Aber die kleinen Orte sind sehr viel dankbarer für solche Angebote“, weiß sie. Nicht nur deshalb kommt Linda Brack mit ihrer Netzwerk-Erfahrung gerne in die Lausitz. Dass es hier zwischen Guben und Hoyerswerda große Chancen für mutige Macherinnen gibt, davon ist sie überzeugt. „Die Sehnsucht nach dem Leben in der ländlichen Region  wird immer größer. Es gibt immer mehr Möglichkeiten, seinen Job auch mit aufs Land zu nehmen.“ Linda Brack spricht von Digitalisierung, von Home Office, von einem aufkeimenden Machergeist, von Lust auf Innovationen. „Ich glaube, die Flamme in der Provinz ist entfacht“, sagt sie und verrät im selben Atemzug: „Mein Partner und ich überlegen auch, ob wir aus Hamburg wieder zurück in die Lausitz ziehen.“

Genau diese Entscheidung hat Maria Goldberg schon vor sechs Jahren getroffen. Auch sie hat in Hamburg studiert, auch sie ist mit ihrem Mann zurückgekommen. Und auch sie ist genau wie Linda Brack überzeugt: „Bei uns auf dem Land ist sehr viel Potenzial da, das genutzt werden kann.“ Während es in Großstädten schon fest gefahrene Strukturen gibt, „ist auf dem Land noch alles frei“. Die Lichtgestalterin aus Finsterwalde weiß, wovon sie spricht. „Ich muss den Menschen hier immer wieder erklären, was mein Job überhaupt bedeutet“, sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Ihre Erfahrung und ihr Wissen gibt sie gerne weiter – ob beim Netzwerken in Diskussionsrunden oder beim Austausch auf Online-Plattformen. Es ist ihre Art, die „Macherwelle“ in der Lausitz ein Stück weit mit anzufeuern. „Wenn einer mutig ist, dann traut sich auch ein anderer“, will sie mit ihrer Geschichte nicht nur Frauen Mut zum Losgehen machen.

Wer sich vernetzen möchte, findet alle Infos hier:

Frauenmacht

Neopreneurs

 Maria Goldberg (36) hat sich 2016 als Lichtplanerin selbstständig gemacht.
Maria Goldberg (36) hat sich 2016 als Lichtplanerin selbstständig gemacht. FOTO: privat