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| 17:58 Uhr

Update: Finsterwalde beschließt 17-Millionen-Bau
Erstes Konzert 2021 in der Stadthalle?

 So könnte die neue Stadthalle mit Klinkerfassade aus Sicht der Oscar-Kjellberg-Straße aussehen.
So könnte die neue Stadthalle mit Klinkerfassade aus Sicht der Oscar-Kjellberg-Straße aussehen. FOTO: Habermann Architekten
Finsterwalde. Nach elf Jahren Diskussion haben die Stadtverordneten von Finsterwalde einen mehr als 17-Millionen-Bau beschlossen – eine neue Stadthalle. Von Dieter Babbe und Heike Lehmann

Neben der Stadthalle in Doberlug-Kirchhain, dem Haus des Gastes in Falkenberg und dem Kulturhaus in Plessa entsteht jetzt eine neue Stadthalle im Elbe-Elster-Kreis. Schöner, größer, aber auch deutlich teurer. Aus einer alten Industriebrache soll eine moderne Kulturstätte mit 600 Sitz- und 1000 Stehplätzen entstehen. Das haben  die Stadtverordneten am Mittwochabend mit eindeutigem Votum beschlossen. Mit 23 Ja-, vier Nein-Stimmen und einer Enthaltung votierte die Stadtverordnetenversammlung bei zuvor beantragter namentlicher Abstimmung für die Umsetzung des Projektes. Auf den voll besetzten Zuschauerplätzen gab es dafür Beifall.

Elf lange Jahre ist in der Sängerstadt um den Bau einer Stadthalle gerungen und gestritten worden. Anfangs sollte es sogar eine große Sängerstadthalle im Hundertwasserstil mit einem Hotel werden. Als das aus Kostengründen verworfen wurde, kam eine der letzten von zahlreichen Tuchfabriken ins Gespräch. Der umfunktionierte Bau soll einmal an die frühere Industriestadt erinnern. Bei einer Bürgerbefragung sprach sich mit gut 64 Prozent die deutliche Mehrheit für den Bau des damals noch Elf-Millionen-Projektes aus. Doch als der Bau plötzlich 19,6 Millionen Euro kosten sollte, zog Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) Mitte vorigen Jahres überraschend die Reißleine und legte die Pläne zunächst auf Eis. Die Stadtverordneten verständigten sich auf die Erarbeitung der Ausführungsplanung.

Am Mittwoch stellten die Stadtverwaltung und der von ihr beauftragte Finsterwalder Architekt Jürgen Habermann ein vom Bauaufwand her und auch finanziell abgespecktes Baukonzept vor.

Immer noch soll ein architektonisches Vorzeigestück entstehen, das in der Region seinesgleichen sucht – das mit einer Klinkerfassade an einstige Finsterwalder Industriekultur erinnern wird. Der Saal, „das anspruchsvollste Bauteil der Halle“, so der Architekt, soll mit einer variabel gestalteten Bühne und einer veränderbaren Zuschauertribüne besten Hör- und Sehgenuss für die verschiedensten Veranstaltungen bieten.

Und das alles zu einem Preis von jetzt 17,9 Millionen Euro. Davon sei „gesichertes“ Fördergeld in Höhe von knapp zehn Millionen Euro, hinzu kommen 1,9 Millionen aus den Gewinnen von der städtischen Wohnungsgesellschaft und den Stadtwerken. Weitere Fördermittel seien beantragt, doch die Entscheidung stehe noch aus, wie Bürgermeister Gampe betont. „Mit vorsichtiger Sicherheit“ geht er davon aus, dass dieses Finanzierungsmodell  aufgeht, doch die Ergebnisse der Ausschreibungen müssten erst abgewartet werden.

Während der Abgeordnete Rainer Genilke (CDU) den Bau der Stadthalle – auch im Wettbewerb der Regionen – als eine notwendige Investition in die Zukunft begrüßt, gehört der fraktionslose Stadtverordnete Ronny Zierenberg zu den wenigen Skeptikern. Er kritisiert, dass  das neue Projekt nicht vorher in den städtischen Fachgremien vorgestellt wurde – und auch ein Nutzungskonzept nach der Fertigstellung fehlt. Sebastian Loos ist die Stadthalle mit 600 Sitzplätzen zu klein, und bei der SPD befürchtet man am Ende Mehrkosten beim Bau.

Marlies Homagk (Bürger für Finsterwalde) fasst die Stimmung in der Stadtverordnetenversammlung treffend zusammen: „Die Stadthalle hat eine lange Geschichte. Jetzt soll sie endlich gebaut werden.“ Geht der jetzige Plan auf, könnte dort  2021 das erste Weihnachtskonzert stattfinden.

Am Donnerstag reagierte Rainer Willems, der Vorsitzende von den „Kulturfreunden Finsterwalde“, dem Verein zur Förderung des Kultur-, Kunst- und Kongresszentrums. „Über diesen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung freue ich mich sehr. Ich freue mich insbesondere, weil nun unser bisher schon sehr erfolgreiches Projekt ,Ein Flügel für die Sängerstadt’ weiteren positiven Schub erfahren wird. Wir werden Konzerte erleben, die ohne diesen Flügel gar nicht oder nur ungleich schwerer und kostenintensiver stattfinden könnten. Wir werden dazu beitragen, dass Finsterwalde und die Sängerstadtregion im kulturellen und künstlerischen Leben Brandenburgs nicht als Provinz, sondern als lebendiges und vielfältiges Zentrum im Süden Brandenburgs wahrgenommen wird. Dazu müssen wir unsere Bemühungen verstärken!“, so Willems.

 So könnte die neue Stadthalle mit Klinkerfassade aus Sicht der Oscar-Kjellberg-Straße aussehen.
So könnte die neue Stadthalle mit Klinkerfassade aus Sicht der Oscar-Kjellberg-Straße aussehen. FOTO: Habermann Architekten