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Feuerteufel wütet in Finsterwalde

Lichterloh brennt das noch immer als Haus der Freundschaft unter Finsterwaldern bekannte Gebäude an der Eisenbahnunterführung.
Lichterloh brennt das noch immer als Haus der Freundschaft unter Finsterwaldern bekannte Gebäude an der Eisenbahnunterführung. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Finsterwalde. Ein Opfer der Flammen ist ein geschichtsträchtiges Haus an der Großen Unterführung der Sängerstadt geworden. Bis in den Freitagnachmittag hinein dauerten die Lösch- arbeiten an. Trauriger Höhepunkt einer Kette von Bränden in den zurückliegenden Tagen in Finsterwalde. Das Gerücht von drei festgenommenen Verdächtigen machte schon früh die Runde. Gabi Böttcher

Um 1.57 Uhr in der Nacht zum Freitag sind die Finsterwalder Feuerwehrleute als erste alarmiert worden. Der Ruf zu dem Gebäude, der den Finsterwaldern als Haus der Freundschaft, früher Hotel Victoria und zuletzt als einstige Kreisverwaltung bekannt ist, offenbarte schnell, dass weitere Feuerwehren alarmiert werden müssen. Aus dem Amt Kleine Elster und aus Sonnewalde kamen die Einsatzkräfte ebenso, wie Feuerwehrleute aus Elsterwerda, Großräschen und Lauchhammer mit zusätzlichen Drehleitern. Marcel Kupillas, der den Einsatz bis 7 Uhr geleitet hatte, übergab an Stadtbrandmeister Michael Kamenz. In der Spitzenzeit waren 80 Feuerwehrleute im Einsatz.

Mario Harnisch, Ortswehrführer in Schönborn und stellvertretender Kreisbrandmeister, spricht von einem Entstehungsbrand auf einer Fläche von etwa sieben mal sieben Metern im Treppenhaus. "Dann gab es eine schlagartige Durchzündung. Die Einsatzkräfte mussten das Gebäude sofort verlassen. Ein Innenangriff war nicht möglich." Fachleute sprechen von heißen Rauchgasen, die Grundlage für eine solche lebensgefährliche Durchzündung sind. Zur Kontrolle der Luftbelastung sei der ABC-Erkunder aus Schönborn hinzugezogen worden. Wie es am Freitagvormittag vor Ort heißt, habe es keine belastenden Messergebnisse gegeben. Zur Sicherheit waren in der Nacht dennoch 15 Menschen aus angrenzenden Häusern im Bereich Sonnewalder Straße, Gröbitzer Weg evakuiert worden. Sie fanden im Finsterwalder Gerätehaus zeitweiliges Asyl. Gegen 6 Uhr konnten sie wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Auch für die Reisenden der Bahn ging der Brand glimpflich ab. Der gegen 4 Uhr eintreffende Bahnmanager habe entschieden, dass es keine Unterbrechungen geben müsse, informiert Mario Harnisch.

Die Brandruine des zunächst 1866/67 gebauten Victoria-Hotels, das 1924 schon einmal abgebrannt war und 1926 wieder errichtet wurde, zog gestern auch Kriminalpolizei und Bausachverständige an. Durch die Wucht der Flammen zeigte sich der Giebel zur Sonnewalder Straße in leichter Neigung. Noch gestern wurde der Abbruch ausgeführt. Bürgermeister Jörg Gampe, der bereits in der Nacht ein erstes Mal am Brandort war, zeigte sich betroffen vom Geschehen. Dass das Team von Hilmar Thor von der Gaststätte Alt Nauendorf den Feuerwehrleuten gleich in der Früh eine Stärkung vorbeibrachte, nennt er als Beispiel des Zusammenhalts.

Die Arbeit der Feuerwehrleute wird den ganzen Tag über von Bürgern verfolgt, die sich zu Fuß an den Ort des Geschehens vorgetastet haben. Für den Fahrzeugverkehr war der gesamte Kreuzungsbereich von der Unterführung in Richtung Sonnewalder, Kirchhainer und Massener Straße komplett gesperrt. Eine Aufhebung der Sperrung war am Nachmittag noch nicht absehbar. Gleiches trifft auf die Löscharbeiten zu.

Zum Gerücht, dass sich drei Tatverdächtige in Obhut der Polizei befänden und unter diesen der Brandmelder sei, heißt es aus der Pressestelle in Cottbus: "Aus der laufenden Ermittlung gibt die Polizei derzeit keine Auskunft."

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