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Gewässerunterhaltung
Feuchter Keller durch vollen Dorfgraben?

Der Dorfgraben Rückersdorf mit rot-brauner Ockerfärbung heute.
Der Dorfgraben Rückersdorf mit rot-brauner Ockerfärbung heute. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Rückersdorf. Der Dorfgraben in Rückersdorf erhitzt die Gemüter. Nun soll der Gewässerverband dessen Unterhaltung übernehmen. Von Daniel Friedrich

Die Situation kommt RUNDSCHAU-Leserin Regina Herrmann unerfreulich bekannt vor: Seit ein paar Jahren hat die Rentnerin in unregelmäßigen Abständen einige Zentimeter Wasser in ihrem Keller zu stehen. Das war in den 1980er-Jahren, als ihr Eigenheim in Rückersdorf gebaut wurde, schon mal so. Danach war lange Zeit Ruhe. Nun vermutet sie, dass es einen Zusammenhang zwischen dem sich immer wieder stauenden Wasser im Dorfgraben und dem Wasser in ihrem Keller gibt.

Der Graben, der entlang der Dorfstraße durch Rückersdorf fließt, hat mehrere kleine Zuflüsse. Einer fließt direkt vor dem Haus von Regina Herrmann entlang (Foto links) und mündet unterirdisch im Dorfgraben. Eigentlich. Denn vor ein paar Tagen hat sich das Rinnsal mächtig angestaut. „Ich habe dann Ockerschlamm und Blätter mit der Harke herausgeholt“, berichtet Regina Herrmann. Irgendetwas muss das Regenwasser also am Ablaufen gehindert haben. Waren es die Absetzungen? Oder der Dorfgraben selbst, weil er bereits zu voll war, um weiteres Wasser aufzunehmen? Das zumindest legen Fotos (rechts) nahe.

Tatsache ist: Der Graben wurde vor über 10 Jahren mit Fördermitteln renaturiert. Charakteristische Gräser sind in seinen Lauf gepflanzt und die Brücken zu den Grundstückszufahrten erneuert worden. Kritiker beklagen, dass durch die Pflanzungen das Wasser nicht mehr richtig abfließen kann und der Graben das Jahr über verdreckt. Ortsbürgermeister Lothar Belger bestätigt, dass der starke Bewuchs im Graben erst vor kurzem wieder abgemäht wurde. „Weil es sich um ein Ortsentwässerungs-System handelt, ist dafür die Gemeinde zuständig. Leider hat sich das etwas verzögert.“ Allerdings könne man aus Naturschutzgründen das Kraut ohnehin nur zu bestimmten Zeiten, außerhalb der Wachstumsperiode kürzen. „Außerdem wächst es sonst ständig wieder nach, das bringt nichts.“

Der Zufluss in den Dorfgraben vor dem Haus von Regina Herrmann. Vor einigen Wochen stand das Wasser so hoch, wie es der dunkle Rand noch erahnen lässt.
Der Zufluss in den Dorfgraben vor dem Haus von Regina Herrmann. Vor einigen Wochen stand das Wasser so hoch, wie es der dunkle Rand noch erahnen lässt. FOTO: Daniel Friedrich / LR

Zudem plane die Gemeinde, den Graben zu einem sogenannten „Gewässer zweiter Ordnung“ umzuwandeln. Das würde bedeuten, dass sich künftig der Gewässerverband Kleine Elster-Pulsnitz um die Pflege kümmern müsste. Für die Kosten der einmal jährlichen Mahd und des Aushubs käme die Allgemeinheit durch die Beitragszahlungen auf, wie Thomas Babbe vom Gewässerverband sagt. „Zusätzliche Kosten, die uns etwa durch Handarbeit entstehen, werden an die Gemeinde übertragen“, fügt er hinzu. Angesichts der Bäume, die in Rückersdorf dicht am Grabenufer wachsen, wäre dies wohl mit großer Sicherheit der Fall.

Dass die Untere Wasserbehörde das Ansinnen der Gemeinde auf Umwidmung des Grabens genehmigen wird, scheint jedenfalls so gut wie sicher, heißt es aus der Amtsverwaltung Elsterland. Andrea Madel, Fachbereichsleiterin Bau, weist aber auch auf die Pflichten der Bürger hin: „Unabhängig vom Wasserstand im Graben müssen die Gebäudeeigentümer selbst dafür sorgen, dass ihr Haus abgedichtet ist und kein Wasser aus eventuellen Rohren wieder zurück fließt.“ Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Wasser im Keller und im Dorfgraben gibt, könne man so pauschal nicht sagen.

Der Dorfgraben in Rückersdorf Anfang des Jahres 2018: Zu diesem Zeitpunkt war der Graben noch nicht beräumt, das Wasser steht hoch.
Der Dorfgraben in Rückersdorf Anfang des Jahres 2018: Zu diesem Zeitpunkt war der Graben noch nicht beräumt, das Wasser steht hoch. FOTO: Regina Herrmann / LR

Regina Herrmann will die Situation in den Gräben vor ihrem Haus weiter beobachten. Und sie hofft, dass sich häufige Regenfälle wie zuletzt nicht wiederholen.