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Festivals mit lautem Nachhall

Klingmühl. Während Tausende junge Menschen im Sommer zum Feel-Festival und Art-Lake-Festival am Bergheider See tanzen und feiern, tönen bei vielen Klingmühlern die Alarmglocken: zu laut, zu viele, zu lang. Nun wollte es der Klingmühler Ortsverein wissen und initiierte eine Gesprächsrunde. Torsten Pötzsch / top1

Der Klingmühler Ortsverein hat sich dazu André Speri eingeladen. Der Marketingchef der Lichterfelder F60 sollte ihnen einmal erklären, wie es mit der Vermarktung des "liegenden Eiffelturms" in naher Zukunft weitergehen soll. An und für sich ein interessantes Thema, denn die F60 entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum erfolgreichsten Tourismusprojekt in Südbrandenburg.

Noch im Oktober erwartet man den eine millionsten Besucher an der Brücke seit Eröffnung. Der Saal in Griebners Gasthaus war bis auf den letzten Platz belegt, die Gäste kamen vorwiegend aus dem Ort und aus Lichterfeld.

Die wenigsten Klingmühler waren gekommen, um zu erfahren, wie es weitergeht. Im Mittelpunkt ihres Interesses stand vielmehr "der unerträgliche Lärm" während der beiden großen Festivals, dem Feel-Festival und dem Art-Lake-Festival, im Sommer. Tausende Jugendliche aus ganz Deutschland kamen und feierten ausgelassen, insgesamt sieben Tage und sieben Nächte.

André Speri bat gleich zu Beginn der Veranstaltung "um das Gebot der Sachlichkeit", es sollte in der Folge eine Bitte bleiben. Man war noch nicht einmal richtig im Gespräch, drohte Versammlungsleiter Klaus-Dieter Zeising, "noch gibt es keine Bürgerinitiative gegen den Lärm, doch was nicht ist, kann ja noch werden". Zeising griff derart emotional in das Versammlungsgeschehen ein, dass er von seinem Beisitzer, Jens Wienhold, gebeten wurde, Sachlichkeit zu wahren oder den Saal zu verlassen. Was dieser dann auch tat. Jens Wienhold versuchte dann, die Wogen zu glätten und einen Dialog in Gang zu bringen.

Noch geduldig hörten sich die Gäste die zukünftige Entwicklung am Bergheider See an. Nahmen es zur Kenntnis, wo und wann die erste Ferienhaussiedlung entstehen wird, wie es mit der Infrastruktur am Strand bestellt ist, wo die schwimmenden Häuser einmal schwimmen sollen und wie sich der kleine Hafen, unterhalb der Brücke, entwickeln soll. Danach war die Diskussion eröffnet.

Alles keine Themen für die Klingmühler, sie wollten konkret wissen, ob es im kommenden Jahr wieder diese Art Festivals geben wird und was man gegen den Lärm, besonders in der Nacht, gedenkt zu unternehmen. André Speri stellte unmissverständlich klar: "Ja, im Juli wird das Feel-Festival wieder stattfinden und im August das Art-Lake-Festival." Der Unmut machte sich in lauten Zwischenrufen Luft. "Wir besetzen hier im Festivalzirkus eine Nische, sind auf Veranstalter gestoßen, die ein schlüssiges Konzept, vor allem aber ein seriöses Finanzgebaren haben. Wir mussten dafür viel Lehrgeld bezahlen." Was "den Lärm" angeht, habe man sich an alle Auflagen und Gesetze gehalten und alle Normen eingehalten. "Hier greift das Emissionsgesetz, welches ganz klare Regularien vorschreibt, es sind alle nötigen Messungen, auch in Klingmühl, erfolgt und protokolliert." Matthias Pohl, Leiter des Ordnungsamtes des Amtes Kleine Elster, konnte Speris Aussagen nur bekräftigen.

Alle Fakten bewirkten bei einigen Klingmühlern nur wenig, sie blieben dabei, dass die Nächte während der Festivals "unerträglich" seien. Doch es gab auch Stimmen, die Verständnis zeigten, sich sogar freuten, dass es so viele junge Menschen in die Region zieht und es allen immer sehr gut gefällt und sie wiederkommen.

Bei der Diskussion, die oft genug völlig zu entgleiten drohte, gab es aber auch Wortmeldungen, die in gewisser Weise deeskalierend wirkten. So etwa Bärbel Pflugner: "Ich persönlich habe nichts gegen die Festivals, doch alle Seiten sollten sich um einen Kompromiss bemühen und nicht auf ihrer Meinung beharren. Wir sollten alle gemeinsam alle Möglichkeiten in Erwägung ziehen, vielleicht bestimmte Zeitfenster der Ruhe schaffen oder die Ausrichtung der Bühnen überdenken."

André Speri und Matthias Pohl waren da mit der Klingmühlerin auf einer Wellenlänge. "Wir sind uns dessen bewusst, dass es an einigen Stellen noch Optimierungsbedarf gibt, und wir werden unsere Hausaufgaben machen." So wurde die Idee geboren, für die Zeit der Festivals eine Stabsstelle einzurichten, mit einer Telefonnummer, die 24 Stunden besetzt ist, bei der bei Bedarf die Bürger anrufen können.

Als Fazit bleibt unterm Strich stehen: Man kam an diesem Abend nur einen kleinen Schritt aufeinander zu, doch man bleibt im Gespräch.