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| 15:11 Uhr

Vorwürfe von Finanzmarktaufsichtsbehörde
Fehlendes Verkaufsprospekt sorgt für einigen Ärger

Finsterwalde. Der Ende Juni in der RUNDSCHAU veröffentlichte Artikel „CO2-Filter Regenwald“ könne nicht so „stehen gelassen“ werden, sagt Bernd Heidenreich, der lange Jahre eine Verbraucherberatungsstelle in Finsterwalde geleitet hatte.

In dem Beitrag ging es um Hans-Jürgen Häusler, der ein Genossenschaftsprojekt unterstützt, das sich der Wiederaufforstung des Regenwaldes in Paraguay widmet. Der Finsterwalder Finanz- und Versicherungsmakler ist Mitinvestor, wirbt aber auch für die Genossenschaft Green Value SCE. Mit Beteiligungen an der Genossenschaft können auch Renditen erzielt werden, erklärte Häusler in dem Artikel. Die Green Value gibt an, nach­haltiges Wald­investment in Paraguay zu betreiben. Sie wirbt mit einer jähr­lichen Mindest­verzinsung von 4 Prozent zuzüglich einer Dividende.

Bernd Heidenreich sieht die Green Value SCE kritisch. Er weist auf die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hin. Die Bafin untersteht der Rechts- und Fachaufsicht des Bundesministeriums der Finanzen. Sie beaufsichtigt und kontrolliert als Finanzmarktaufsichtsbehörde im Rahmen der Finanzaufsicht alle Bereiche des Finanzwesens in Deutschland. Die Bafin warnt aktuell vor der Genossenschaft. Die Bundesanstalt hat Anhalts­punkte dafür, dass die Green Value Geschäfts­anteile anbietet, für deren Vertrieb sie eine erfolgs­abhängige Vergütung zahlt, heißt es auf deren Webseite. Das dürfen Genossenschaften laut der Bafin nur, wenn sie einen Verkaufs­prospekt heraus­geben. Der Bafin liegt jedoch kein Prospekt vor. Das verstößt gegen das Vermögensanlagegesetz. Die gemeinnützige deutsche Verbraucherorganisation Stiftung Warentest hat inzwischen den Warnhinweis der Bafin in einer Nachricht aufgegriffen.

Bei der Prüfung von Prospekten kontrolliert die Bafin, ob sie die gesetzlichen Mindestangaben enthalten und ob der Prospektinhalt verständlich und widerspruchsfrei ist. Sie prüft die Angaben aber nicht auf deren Inhalt. Auch die Seriosität oder die Tragfähigkeit eines Geschäftsmodells werden laut Bafin-Webseite bei der Prospektprüfung nicht berücksichtigt.

Auf RUNDSCHAU-Nachfrage äußert sich der Vorstand der Green Value SCE zu den Vorwürfen der Bafin. Die Genossenschaft kritisiert, dass die Bundesanstalt ihre Warnung veröffentlicht habe, ohne vorher die Green Value SCE angehört zu haben. Erst im Nachgang habe eine Anfrage der Bafin zu dem auf deren Webseite dargestellten Sachverhalt erfolgt. „Die Anwälte der Green Value SCE stehen in Verbindung mit der Bafin, um den behaupteten Sachverhalt zu klären“, heißt es in dem Statement der Genossenschaft. Die Anfrage der Bafin sei inzwischen beantwortet worden. Angesichts der Tatsache, dass dieser Klärungsprozess noch nicht abgeschlossen sei, verbiete es sich, weitere Aussagen zu diesem Vorgang zu treffen.

Hans-Jürgen Häusler sagt zur Bafin-Kritik, dass nicht vor den Produkten der Green Value SCE gewarnt werde, sondern vor einem „fehlenden Stück Papier“. Interessent würden eine Imagebroschüre erhalten, „da steht alles drin was gemacht wird“, so Häusler. Er erhalte die Satzung der Genossenschaft und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. In einem Antrag müsse festgehalten werden, wann ein Kunde diese Dokumente erhalten habe. „Wie viel Papier muss denn noch gemacht werden“, fragt Häusler.

(sme)