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| 19:00 Uhr

Feel-Festival
Nachhaltig feiern und sich spontan in den Armen liegen

 „Man hat das Gefühl, dass sich relativ oft Menschen spontan in den Armen liegen“, sagt Leiter Martin Salchow über die Atmosphäre des Festivals.
„Man hat das Gefühl, dass sich relativ oft Menschen spontan in den Armen liegen“, sagt Leiter Martin Salchow über die Atmosphäre des Festivals. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Lichterfeld. Ab Donnerstag kommen tausende Menschen zum Bergheider See, um auf dem „Feel Festival“ im Schatten der F60 zu feiern. Das steht in diesem Jahr noch mehr als zuvor im Zeichen der Nachhaltigkeit. Von Daniel Roßbach

Für die meisten Musik-Festivals ist die Bekanntgabe des „line-up“ (der Liste der Bands, die dort auftreten) ein zentraler Termin im Vorfeld der Veranstaltung. Das „Feel Festival“, das am kommendem Donnerstag am Bergheider See beginnt, ist da anders. „Wer vor allem herkommt, um die ganz großen Namen zu sehen, und nur vom line-up abhängig macht, wie interessant das Festival ist, ist hier eher falsch“, sagt Martin Salchow, der Mitbegründer des Festivals: „Der Grundgedanke ist, dass du dich von der Atmosphäre und der Stimmung treiben lässt.“

Deshalb gehört es zu den Traditionen des Festivals, dass die auftretenden Bands, die anderen kulturellen Ereignisse im Rahmen des Festivals und die Gestaltung des Geländes erst mit der Eröffnung bekannt werden. Daran ändert sich auch bei der siebten Auflage des Festivals – der fünften auf dem weitläufigen, abwechslungsreich bespielten Geländes an der F60 – nichts. Und der Beliebtheit des Feel Festival schadet das nicht, ganz im Gegenteil: Das Event am Bergheider See, etwa 10 Kilometer süd-östlich von Finsterwalde, ist seit Ende März ausverkauft.

Obwohl das Festival und dessen Organisations-Team ursprünglich aus Berlin kommt, „hat sich mittlerweile auch lokal unser Netzwerk ausgebreitet“, sagt Salchow. Dazu, und zur Pflege der Nachbarschaft mit den Gemeinden am Nordufer des Sees, dient auch, dass die Einwohner von Lichterfeld, Lieskau, Schacksdorf, Theresienhütte und Klingmühl kostenlos Tickets für das Festival bekommen können.

Zur Identität des Festivals gehört auch ein klares Bekenntnis gegen „Nationalismus, Rassismus, Sexismus und Diskriminierung in jeder Form“, wie es in einem Statement des Festivals auf Instagram heißt.

Ein weiterer Punkt, auf den die Leitung des Festivals in der Organisation großen Wert legt, ist das Festival so nachhaltig und klimaschonend wie möglich zu gestalten.

 Lisa Ziegler arbeitet an der Dekoration des Festivals. 12 Personen arbeiten das ganze Jahr über für das Festival, bis zu 500 Menschen sind an dessen Durchführung beteiligt.
Lisa Ziegler arbeitet an der Dekoration des Festivals. 12 Personen arbeiten das ganze Jahr über für das Festival, bis zu 500 Menschen sind an dessen Durchführung beteiligt. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Das beginnt mit der Anreise der Festival-Gänger. Fasziniert spricht Salchow von einem der ersten Besucher, die von weiter weg mit dem Rad an den Bergheider See kamen: „Der ist aus Stuttgart hergefahren, war dabei etliche Tage früher da, als er erwartet hatte - und hat sich dann einfach am Aufbau beteiligt.“ In diesem Jahr gibt es nun die Möglichkeit, aus Berlin und Dresden gemeinsam mit dem Rad an den Bergheider See zu fahren. In beiden Städten organisieren die jeweiligen Verbände des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) geführte Fahrten, bei denen das Gepäck der Radfahrenden parallel mit einem Transporter zum Festival gebracht wird.

All diejenigen, die die gut 110 Kilometer aus Königs Wusterhausen oder 70 Kilometer aus Dresden mit dem Rad fahren, belohnt das Festival mit einem „gesicherten schattigen Campingplätzchen mit ‚Meerblick’, einer   Badezimmerflat for free und noch ein paar kleinen Surprises.“

Zudem gibt es für die Besucherinnen und Besucher des Festivals Busverbindungen aus zwölf deutschen Städten und aus den Niederlanden, um zu vermeiden, dass Menschen einzeln mit Auto in die Niederlausitz fahren müssen. Außerdem gibt es eine Online-Gruppe, in der sich Mitfahrgelegenheiten finden sollen.

Größerer Nachhaltigkeit soll auch das Verpflegungsangebot auf dem Festival dienen. Eine große Auswahl veganer und vegetarischer Speisen soll ein Denkanstoß für eine ressourcenschonende Ernährung sein, so die Festivalorganisatoren. Sie verzichten darüber hinaus auf Plakate, Flyer und andere Drucksachen als Werbematerial: „So müssen keine wertvollen Bäume sterben, nur damit wir die Städte mit Plakaten zukleistern.“

 Während manche Räume des Festivals, wie die große Bühne am Strand, in jedem Jahr neu gestaltet werden, sind andere Elemente dauerhaft aufgebaut und werden von Jahr zu Jahr anders inszeniert.
Während manche Räume des Festivals, wie die große Bühne am Strand, in jedem Jahr neu gestaltet werden, sind andere Elemente dauerhaft aufgebaut und werden von Jahr zu Jahr anders inszeniert. FOTO: LR / Daniel Roßbach

Obwohl das Festival auch ohne diese Werbung wie in jedem Jahr ausverkauft ist, dauert es lange, bis sich der Aufwand dazu wirtschaftlich rentiert. „So ein Festival auf die Beine zu stellen, benötigt große Investitionen“, sagt Martin Salchow: „Und anders als bei den meisten Festivals gibt es bei uns keine gesponsorten Bühnen oder Präsenz kommerzieller Marken. Wir verzichten bewusst auf diese Einnahmequelle, weil das nicht der gemeinschaftlichen Identität, die das Festival ausmacht, entsprechen würde.“