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| 19:19 Uhr

Im Sänger- und Kaufmannsmuseum
Faszination Märchenhaus

 Jürgen Vetter beim Aufbau seiner Fotoausstellung über das Finsterwalder Märchenhaus.
Jürgen Vetter beim Aufbau seiner Fotoausstellung über das Finsterwalder Märchenhaus. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde . Das Bauhaus-Jahr ist Anlass für eine Sonderausstellung im Finsterwalder Museum. Das Märchenhaus mit einzigartiger Fassade wird in den Mittelpunkt gerückt. Die Fotos zeigen verblüffende Details. Von Heike Lehmann

Wenn der Blick über ein Foto wandert, weil man immer mehr Details entdeckt, dann versteht der Fotograf sein Handwerk. 33 solcher großformatigen Aufnahmen vom  Finsterwalder Märchenhaus wird Jürgen Vetter, der Mediengestalter der Piktografen, ab Donnerstag im Sänger- und Kaufmannsmuseum ausstellen. Ein Projekt, das ihm sehr am Herzen lag. Denn das Haus kennt fast jeder Finsterwalder, auch er selbst ist in Kindertagen dort vorbeigefahren, wenn er zum Schwimmbad wollte oder weil der Garten in der Nähe war. Und auch er hat erst beim Fotografieren zauberhafte und verblüffende Details in den Märchenreliefs entdeckt. „Zum Beispiel, dass die sieben Zwerge sieben kleine Löffel haben“, gesteht er.

Vor 100 Jahren fanden die neuen Formen des damals begründeten Bauhauses auch recht schnell nach Finsterwalde. In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre entstanden  Wohn- und Geschäftshäuser, die der Moderne zuzurechnen sind. Einen noch größeren Einfluss auf das moderne Finsterwalder Stadtbild aber hatte der Architekt Karl Dassel, der Anfang 1928 Stadtbaurat in Finsterwalde wurde. Neben der Planung und Leitung der städtischen Bauten und der damit verbundenen Auswahl der Architekten steht sein eigenes Schaffen. Dazu gehört das an der Friedrich-Hebbel-Straße gelegene Märchenhaus. Dieses besondere Wohnhaus für 24 Familien erfährt 90 Jahre nach seiner Einweihung mit der Ausstellung des Sänger- und Kaufmannsmuseums Finsterwalde seine Würdigung. „27 Ziegelstein-Reliefs zeigen zehn Märchen, acht von den Gebrüdern Grimm, eines von Bechstein und eins von Andersen“, sagt Olaf Weber, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum. Deutlich wird bei genauer Betrachtung, dass drei Bildhauer gemeinsam daran gearbeitet haben.

Im Format 90 x 60 oder 60 x 60, als Papierfoto auf Alu Dibond aufgezogen und in Art Boxen mit dezenter Schattenfuge verblüffen die Aufnahmen mit ihrer Tiefe. Jürgen Vetter gesteht: „Die Fotos der Märchenmotive sind an zwei Tagen entstanden.“ Das Geheimnis liegt wohl in der gründlichen Vorbereitung. Der Fotograf: „Auszuloten war, wann das beste Licht herrscht, wie die Schatten fallen. Herausgestellt hat sich, dass die Sonne zwar scheinen sollte, aber auf der Rückseite des Hauses.“ Die Überlegung, den Reliefs mit einer Drohne ganz nah zu kommen, wurde verworfen, weil Bäume im Weg waren. Stattdessen half eine Hebebühne.

Olaf Weber verweist auf eine „Ausstellung zur Ausstellung“. Sie zeigt weitere – diesmal kleinere – Fotos von der Rückseite des Hauses, die nicht minder interessant sind. Dafür hat die Drohne besondere Blickwinkel geliefert.

Gleichzeitig mit der Ausstellung erscheint ein Buch über das Märchenhaus. Autor Dr. Rainer Ernst hat viele Fakten recherchiert, vor allem zum Architekten. Und natürlich werden die zugehörigen Märchen nachzulesen sein. Auch für das Buch hat Jürgen Vetter die Fotos beigesteuert. Es ist nicht die erste Zusammenarbeit von Rainer Ernst und den Piktografen. Seit dem gemeinsamen Buch „Im gleichen Blickwinkel“ mit gegenübergestellten alten und neuen Fotos im Vergleich hat Jürgen Vetter die Architekturfotografie als sein Metier entdeckt. Seit 2008 fotografiert er für den „Finsterwalder Hausgeschichten“-Kalender und auch für das  Buch von Manfred Woitzik „Genius Loci“ über die Finsterwalder Baugeschichte hat er Fotos gemacht.