ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:40 Uhr

Fast überall Wolfsrudel in Elbe-Elster

Die Karte zeigt die Verbreitung der fünf Wolfsrudel mit der Zahl der Welpen, die in den Rudeln aktuell leben.
Die Karte zeigt die Verbreitung der fünf Wolfsrudel mit der Zahl der Welpen, die in den Rudeln aktuell leben. FOTO: Nabu
Finsterwalde. In der Babbener Heide hat sich ein neues Rudel Wölfe angesiedelt. Damit ist der Finsterwalder Altkreis nahezu von Wolfsrudeln umzingelt. Dass sich Rudel auch zwischen Herzberg und Elsterwerda ansiedeln, ist nur eine Frage der Zeit, sagt der Wolfsexperte Dr. Reinhard Möckel – und versichert: "Von den Tieren geht keine Gefahr für Menschen aus." Dieter Babbe

Seit Jahren werden Wölfe und deren Spuren, Abdrücke und Losung, in der Babbener Heide von Jägern und Naturschützern gesichtet. Für Experten war es nur eine Frage der Zeit, bis sich hier ein Rudel ansiedelt. Im Jahre 2013 ist dann der erste Welpe bei Schlabendorf-Süd entdeckt worden. "Seit dem vorigen Jahr wissen wir definitiv, dass eine Wolfsfamilie im Gebiet Wanninchen/Babben zu Hause ist", sagt Reinhard Möckel, Wolfsbeauftragter beim Naturschutzbund, der in Münchhausen wohnt.

Im Babbener Rudel leben insgesamt zehn Wölfe - neben den beiden Alttieren ihre sechs Welpen und zwei Jährlinge. Die werden in diesem Jahr beim nächsten Wurf vom Rudel verstoßen, ziehen ab und wandern oft weite Strecken. Möckel kennt auch die Stelle zwischen Lindthal und Babben, wo die Wölfe ihre "Kinderstube" und wo sie ihren "Rendezvousplatz" hatten, wo sie sich anfangs die meiste Zeit aufgehalten haben. Inzwischen leben sie in einem Revier von 250 Quadratkilometern. Tiere dieses Rudels sind offensichtlich in die Fotofalle des Birkwalder Jägers Reinhard Bock gegangen, worüber die LAUSITZER RUNDSCHAU dieser Tage berichtet hat.

Wölfe, die der Jäger bei Lindthal gesichtet hat, stammen laut Möckel vermutlich von einem anderen Rudel, das zwischen Großrä schen und Finsterwalde zu Hause ist. Bei diesen Wölfen sind vier Junge beobachtet worden, die bis nach Grünhaus kommen. Im Süden schließt sich zwischen Lauchhammer und Elsterwerda das Schraden-Rudel mit vier Welpen an. Beim Rudel bei Hohenbucko im Norden wurden nur zwei Welpen festgestellt. Reinhard Möckel vermutet: "Die Wölfe haben gegenwärtig mit der Räude zu kämpfen, mit der sie sich bei den Füchsen anstecken, die sie jagen. Während der Fuchs meist an der Krankheit stirbt, überlebt ein ansonsten gesunder Wolf. Dennoch ist die Sterblichkeitsrate bei Wölfen hoch, nur jeder Zweite überlebt."

Das nächste Rudel im Westen befindet sich erst in der Annaburger Heide. "Damit ist der Finsterwalder Altkreis von vier Wolfsrudeln fast umgeben, lediglich westlich der Sängerstadt und bis zur Schwarzen Elster wäre noch Platz für zwei Rudel. Warum die Wölfe hier zwar längst durchziehen, sich aber noch nicht angesiedelt haben, lässt sich nicht erklären. Vermutlich ist das aber nur eine Frage der Zeit, denn die Bedingungen sind ähnlich gut", sagt Dr. Möckel.

Er will die Angst vor dem Wolf nehmen. "Mir ist in Europa kein Fall bekannt, wo ein Wolf einen Menschen angefallen hat", sagt der Experte. Wölfe, die bei einer Begegnung mit einem Menschen nicht gleich flüchten, seien meist neugierige Jungtiere, die man verscheuchen müsse. Vor Schafsrissen müssten sich die Halter allerdings schützen, doch auch die seien eher selten.

"Natürlich ist der Wolf ein Konkurrent der Jäger", sagt Möckel, der selbst auf die Jagd geht. "Doch ein Rudel frisst auf 100 Hektar zwei Rehe im Jahr - die kann der Jäger verschmerzen. Dass wegen der Wölfe die Wildschweinrotten größer werden und mehr schaden machen, ist eine Erfindung mancher Jäger. Die Stärke der Rotten hat allein etwas mit dem Nahrungsangebot zu tun."

Den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, lehnt Reinhard Möckel ab. Problemwölfe, die großen Schaden anrichten, könnten in Brandenburg schon jetzt geschossen werden - "mir ist aber noch kein Fall bekannt".