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| 14:53 Uhr

Dreiste Betrüger unterwegs
Falsche Polizisten in Finsterwalde

 Seit März diesen Jahres treten verstärkt Betrugsfälle mit falschen Polizisten auf. Die Polizei macht mit diesem Plakat darauf aufmerksam.
Seit März diesen Jahres treten verstärkt Betrugsfälle mit falschen Polizisten auf. Die Polizei macht mit diesem Plakat darauf aufmerksam. FOTO: dpa / Martin Gerten
Finsterwalde. Falsche Polizisten treiben mal wieder in der Lausitz ihr Unwesen. Eine Finsterwalderin ist Opfer der Betrüger geworden. Bundesweit wird bereits vor den dreisten Betrügern gewarnt, die sich das Vertrauen älterer Menschen erschleichen, um an Geld und Wertsachen heranzukommen. Die Polizei gibt Tipps. Von Jenny Theiler

Als Brigitte Tettenborn (72) aus Finsterwalde am Donnerstagabend einen Anruf erhält, bekommt sie es mit der Angst zu tun. Die Stimme am anderen Ende behauptet Polizist zu sein, in ihrem Wohngebiet seien mehrere Verbrecher unterwegs. Drei seien bereits gefasst worden, nach den anderen würde man suchen. „Plötzlich wollten sie von mir wissen, ob ich ein Sparbuch oder andere Wertsachen besitze. Das kam mir komisch vor“, sagt die Rentnerin.

Die Maschen der Trick-Polizisten

Vor Fällen wie diesen warnt die Polizei bereits bundesweit in den Medien. Die Maschen der Trick-Polizisten sind vielseitig, spielen sich aber in den meisten Fällen am Telefon ab. „Man erzählt den Leuten, die Polizei würde Wertsachen und Bargeld zur Sicherheit verwahren, solange, bis man die vermeintlichen Einbrecher geschnappt hätte und die Gefahr vorüber sei“, schildert Polizeikommissar Wolfgang Rothmann das Vorgehen. Die Betrugs-Opfer – meistens ältere Menschen – werden dann aufgefordert, sämtliche Wertsachen in einen Beutel zu stecken und dann vor die Tür zu legen. Soweit kam es in Finsterwalde jedoch nicht.

Finsterwalderin weigert sich

Brigitte Tettenborn erklärte den falschen Polizisten am Telefon, dass ihre Wertsachen sicher verwahrt seien, doch das genügte den Betrügern nicht. „Sie wollten unbedingt wissen, wie viel Geld ich auf meinem Sparbuch habe. Irgendwann habe ich dann nachgegeben und es gesagt“, erinnert sich die Rentnerin. Sie weigert sich dennoch ihre Sachen rauszugeben und legt auf. Aber die Betrüger lassen nicht locker und rufen noch vier weitere Male an. „Ich habe gesagt, dass ich darüber erst mit meinem Schwiegersohn sprechen möchte. Da haben sie mir Vorwürfe gemacht, wie ich es denn verantworten könne, ihn herzuholen und in unnötige Gefahr zu bringen“, sagt die 72-Jährige.

Täter nutzen Vertrauen in Polizei aus

Die Täter üben psychischen Druck auf die Opfer aus und schüren bewusst falsche Ängste. „Als wäre das nicht schon schlimm genug, nutzen sie auch noch das Vertrauen der Menschen aus, das sie in die Polizei legen“, sagt Wolfgang Rothmann und spricht in diesem Zusammenhang von Amtsmissbrauch.

Die Rentnerin ist kein Einzelfall. Erst vor kurzem hat eine andere Dame aus Finsterwalde bei der Polizei eine Anzeige gemacht. „Auch bei ihr hat sich jemand am Telefon als Polizist ausgegeben. Der Tatbestand lautet versuchter Betrug“, sagt Wolfgang Rothmann.

Trotzdem können sich Bürger vor den falschen Beamten schützen, wenn man folgende Dinge weiß: „Die Polizei würde nie Geldbeträge oder Wertsachen einfordern und am Telefon schon gar nicht“, betont Wolfgang Rothmann. Auch unterdrückte Rufnummern können ein Indiz für Betrug sein. Wenn ein Anrufer sich als Polizist ausgibt, könne man auch nach der Dienstaufsichtsnummer oder dem Vorgesetzen fragen, um die Täter zu entwaffnen. „Meistens legen sie dann schon auf. In diesem Fall können wir nur empfehlen, sofort die örtliche Polizei anzurufen und den versuchten Betrug zu melden“, betont der Polizist. Zudem sei es auch wichtig, Ruhe zu bewahren und sich nicht bedrängen zu lassen.

Finsterwalderin verhält sich richtig

Brigitte Tettenborn hat sich trotz großer Nervosität richtig verhalten und auf ihre Familie verwiesen. „Als meine Tochter kam, haben wir die Polizei angerufen und am nächsten Tag eine Anzeige gemacht“, sagt sie. Auch am nächsten Tag war sie noch sehr aufgewühlt, möchte aber auf ihren Fall aufmerksam machen, damit nicht noch weitere Menschen Opfer dieser Masche werden. „In meiner Straße wohnen so viele ältere Leute. Die Täter hätten dort leichtes Spiel“, sagt sie.

Trickbetrüger, falsche Polizisten, vermeintliche Enkel: wer steckt dahinter und wie können Sie sich schützen: Das RUNDSCHAU-Spezial zum Thema