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| 02:38 Uhr

Fahrplan für eine Stadtehe Finsterwalde-Sonnewalde

Finsterwalde/Sonnewalde. Ein sorgenvoller Brief erreichte dieser Tage den Sonnewalder Bürgermeister und einige Stadtverordnete. Sein Sohn habe die Nachricht aus der Schule mit nach Hause gebracht, dass im Falle eines Zusammenschlusses von Sonnewalde mit Finsterwalde die Grundschule von Sonnewalde schließen werde, heißt es darin. Dieter Babbe

Richtig ist: Die Sonnewalder Schule wird nicht schließen. Richtig ist aber auch: Vertreter beider Kommunen haben jetzt den Fahrplan hin zu einem möglichen Städte-Zusammenschluss festgelegt.

Nach jahrelangen Annäherungsversuchen von beiden Seiten - Gremien beider Städte arbeiten seit 2013 eng zusammen - will man jetzt Nägel mit Köpfen machen. In diesem Monat tagte eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus beiden Rathäusern schon zum dritten Mal, wo es um so konkrete Fragen ging wie den Austausch von Personal im Bau- und Wirtschaftshof, um die gemeinsame Beschaffung von Technik für die Feuerwehr bis dahin, dass Finsterwalde Hilfe bei der aufwendigen Wartung des Öl- und Fettabscheiders an der Bundesstraße in Sonnewalde anbietet.

Für den 9. März ist eine gemeinsame Zusammenkunft der Stadtverordneten von Finsterwalde und Sonnewalde einschließlich aller Ortsvorsteher und ihrer Stellvertreter geplant. "Hier soll alles auf den Tisch, was uns auf dem Weg zu einem kommunalen Zusammenschluss voranbringt, aber auch welche Steine noch auf diesem Weg zu räumen sind", erklärt Finsterwaldes Stadtoberhaupt Jörg Gampe (CDU) vorab im RUNDSCHAU-Gespräch. Soll diese Runde noch hinter verschlossenen Türen stattfinden, um das Projekt nicht schon in der Startphase zu zerreden, will man danach in die Öffentlichkeit gehen. Der nächste Termin steht bereits: Am 30. März tagen die Stadtverordneten von Finsterwalde und Sonnewalde getrennt - sie diskutieren und entscheiden hier darüber, ob es grundsätzlich zu einem Zusammenschluss beider Städte kommen soll oder nicht. Gibt es von beiden Seiten eine deutliche Zustimmung, sei das noch längst nicht der Beschluss über eine Kommunalehe. Bis dahin würde es noch wenigstens zwei Jahre brauchen, um alle Fragen zu klären und alle Vorbereitungen zu treffen, betont Gampe.

Eines schließt der Finsterwalder Bürgermeister schon mal aus: "Wegen des Zusammenschlusses mit der Sängerstadt wird die Grundschule in Sonnewalde keinesfalls geschlossen. Außerdem werden Schulschließungen nicht von Kommunen, sondern von Staatlichen Schulämtern veranlasst." Auch sein Amtskollege Werner Busse (CDU) dementiert das Gerücht: "Unsere Schule hat genügend Schüler, unsere vier Sonnewalder Kitas sind außerdem auf Jahre hinaus gut besucht, die Schule ist in der für uns überschaubaren Zeit gesichert."

Ob insbesondere auf Sonnewalder Seite über eine bloße Verwaltungsgemeinschaft hinaus sogar eine Ehe mit der Sängerstadt eine Mehrheit findet, muss man abwarten - zumal Stadtverordnete und auch der Bürgermeister immer betont haben, die Eigenständigkeit von Sonnewalde - die Stadt hat seit 1354 Stadtrechte - erhalten zu wollen. Es scheint inzwischen aber so, dass in der Stadt mit den 17 Ortsteilen zunehmend die Erkenntnis gereift ist, die Probleme, insbesondere bei der Abwasserproblematik, allein nicht stemmen zu können.

"Für mich ist die gemeinsame Beratung mit Finsterwalde am 9. März entscheidend. Bei dieser Zusammenkunft, die ergebnisoffen ist, geht es um das Wie weiter", sagt Sonnewaldes Bürgermeister Werner Busse. Vom Ausgang der großen Runde wird abhängen, wie sich Finsterwalde und Sonnewalde auch künftig weiter annähern und ob die Vorbereitung eines Zusammenschlusses der gemeinsame mehrheitliche Wille zunächst der politisch Verantwortlichen ist. Axel Große, Stadtverordneter und Ortsvorsteher von Sonnewalde, kritisiert, dass die Öffentlichkeit über die Entscheidungsfindung bisher zu wenig informiert worden sei. "Es geht um die Zukunft von Sonnewalde. Hier müssen die Bürger unbedingt einbezogen werden", fordert Große. Er regt in Sonnewalde eine Bürgerbefragung an.