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| 02:41 Uhr

Ex-Chefin ist stolz auf schwarze Zahlen

Vor dem Verpächtertag am 9. Mai: Ex-Geschäftsführerin Edda van Riesen mit einem ihrer Nachfolger Matthias Lehmann und Karin Bröschen, Vorsitzende des Agrarmarkt-Vereins (v.l.).
Vor dem Verpächtertag am 9. Mai: Ex-Geschäftsführerin Edda van Riesen mit einem ihrer Nachfolger Matthias Lehmann und Karin Bröschen, Vorsitzende des Agrarmarkt-Vereins (v.l.). FOTO: Böttcher
Prestewitz. Am Samstag gibt es auf dem Betriebsgelände der Prestewitzer Agrarunternehmen zwei Gründe für einen Besuch. Neben dem regelmäßig stattfindenden Bauernmarkt wird gleichzeitig zum Hof- und Verpächtertag eingeladen. Noch etwas ist neu: Edda van Riesen kann sich das Treiben erstmals aus der zweiten Reihe ansehen. Sie hat die Geschäftsführung der Agrar GmbH und der Landhof GmbH zum 1. April abgegeben. Gabi Böttcher

Für diesen Schritt hat die in der Region bekannte Landwirtin den Acker seit Jahren gut vorbereitet. Mit der Hand zeigt sie in Hüfthöhe. Seit Sohn Thomas (35) und Neffe Matthias Lehmann (38) so groß gewesen seien, hätten sie sich für die Landwirtschaft interessiert.

Thomas van Riesen agiert schon seit ein paar Jahren gemeinsam mit seiner Mutter als Geschäftsführer der Landhof GmbH. Neffe Matthias Lehmann ist nach dem Studium zunächst in Prestewitz eingestiegen, dann über Zwischenstationen in Saxdorf und im Landmaschinenhandel seit 2012 wieder in der Agrar GmbH. In dieser hat er jetzt das Zepter übernommen.

Den von Mitarbeiterin Karin Bröschen in ihrer Funktion als Vereinsvorsitzende des Prestewitzer Bauernmarktes organisierten Markt auf dem Gelände fortzuführen, stand nie infrage. Und so gibt es am Samstag eine Premiere, die für den Gast kaum zu bemerken sein wird. Denn dass die nunmehrige Ex-Geschäftsführerin nicht vorbeischaut, ist nicht vorstellbar. Immerhin arbeitet sie auch weiter halbtags im Unternehmen mit, und Geschäftsführer Matthias Lehmann nennt sie weiter Chefin.

In der Regie der Agrar GmbH werden von 24 Mitarbeitern rund 1350 Hektar Fläche bearbeitet, etwa 80 Hektar davon sind Grünland. Raps, Roggen und Mais werden angebaut. Außerdem gehören etwa 340 Milchkühe plus der heranwachsende weibliche Nachwuchs zum Unternehmen. In der Landhof GmbH, die im Jahr 2000 von Familie van Riesen von der Landwirtschaftlichen Vermögensgesellschaft erworben worden war, werden heute 360 Mutterkühe plus Nachzucht gehalten und 470 Hektar Grünland bewirtschaftet. Acht Mitarbeiter, vier von ihnen in Vollzeit, stehen Thomas van Riesen zur Seite.

Edda van Riesen kann nun stolz sein, zwei stabile landwirtschaftliche Betriebe an ihre jungen Nachfolger übergeben zu haben. Allen Mitarbeitern gebühre dafür ebenfalls Dank, betont sie. In der Milchviehanlage in Theisa ist ein moderner Fischgrätenmelkstand mit zwölf Melkplätzen und einem schnellen Austrieb installiert worden. "In diesem Jahr sind wir fertig mit dem Abzahlen", freut sich Edda van Riesen. Wenn sie auf die Entwicklung der Milchleistungen blickt, dann hat sich auch hier einiges getan. Mit 5300 Kilogramm durchschnittlicher Jahresleistung je Kuh ging es nach der Wende los. Heute liegt das Unternehmen bei etwa 10 000 Litern. "Ich wünsche mir im Interesse der Gesellschafter, dass das Unternehmen weiter schwarze Zahlen schreibt", sagt die Landwirtin. Im Sommer vorigen Jahres ist es Mitglied der Molkereigenossenschaft Radeberg geworden, um eine stabile Abnahme der produzierten Milch zu befördern. Ein erhebliches Problem sieht Edda van Riesen in manchen von der Europäischen Union auferlegten Regelungen. So haben sich jetzt Brandenburger Landwirte an Europa-Abgeordnete gewandt und sie aufgefordert, nicht vom Schreibtisch in Brüssel aus zu definieren, was Grünland und was Ackerland zu sein hat. Nach einer Neuauslegung der Grünlanddefinition durch die EU-Kommission sollen Flächen, auf denen länger als fünf Jahre Ackerfutter angebaut wird, den Status "Ackerfläche" verlieren und zu Dauergrünland werden, also für den Getreideanbau verloren sein. Auch Ackerflächen, die in der letzten EU-Förderperiode aus der Produktion genommen wurden, drohe dasselbe Schicksal - auch sie würden den Ackerstatus verlieren und dauerhaft Grünland werden. Um dieser sogenannten Grünlandfalle zu entgehen, haben die Prestewitzer zum Beispiel mit erheblichem Mehraufwand in diesem Frühjahr auf 119 Hektar Senf angebaut.

Ein ständiges Hickhack als Konsequenz von immer neuen Verordnungen und damit verbundene Bürokratie wünscht die erfahrene Landwirtin ihren Nachfolgern nicht. "Es muss schon den Landwirten überlassen bleiben, auf wie viel Hektar sie welche Frucht anbauen", sagt Edda van Riesen. Dass Landwirte entschädigt werden müssen, wenn Flächen infolge von Hochwasser in Anspruch genommen werden, hält sie für zwingend erforderlich.

Edda van Riesen wird ihren jungen Nachfolgern sicher auch künftig mit jedem erdenklichen Rat zur Seite stehen. Doch ihre inzwischen hinzugewonnene Freizeit ist bereits gut verplant. Der heimische Gemüsegarten ist erweitert worden und mit zahlreichen Kulturen bestellt, die 94-jährige Mutter und vier Enkel verlangen nach intensiverer Zuwendung. Und da sind dann noch die von ihren Müttern verstoßenen Kälbchen, die regelmäßig bei van Riesens in Pflege gehen.

Ein großes Dankeschön liegt Edda van Riesen mit Blick auf kommenden Samstag an die Adresse der fast 500 Verpächter am Herzen. Zwischen 0,2 bis um die 30 Hektar liegt die Größe der Flächen, die die Eigentümer den Prestewitzer Landwirten zur Bewirtschaftung anvertrauen. Bei Flurfahrten können sich Gäste des Hoftages am Samstag anschauen, wie die Prestewitzer zwischen Beutersitz, Theisa und Dobra Kulturlandschaft gestalten, indem sie sie wirtschaftlich nutzen. Seit 2013 ist auf acht Hektar sogar eine Kurzumtriebsplantage hinzugekommen.

Zum Thema:
Am Samstag, 9. Mai, laden die Agrar GmbH, die Landhof GmbH und der Verein Prestewitzer Bauernmarkt zum gemeinsamen Hoftag mit Bauernmarkt und Verpächtertreffen auf das Prestewitzer Firmengelände ein. Von 9 bis gegen 16 Uhr werden etwa 30 Händler aus der Region ihre landwirtschaftlichen Produkte anbieten. Gegen 10 Uhr startet die erste Flurrundfahrt per Bus und wird je nach Bedarf wiederholt. Romy Schneider kommt mit ihren Ponys, auf denen die Kinder nach Herzenslust reiten können. Erstklässler aus Wahrenbrück präsentieren gegen 10.30 Uhr ein kleines Programm. Landwirtschaftliche Technik kann angeschaut und auch mal eine Runde mit dem Traktor gedreht werden. Eine Hüpfburg wird aufgebaut. Für das leibliche Wohl ist gesorgt - unter anderem aus einer Gulaschkanone.