ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:21 Uhr

Ex-Boxprofi Axel Schulz in Finsterwalde
Der Bierbotschafter mal wieder auf Besuch

Der Ex-Profi Axel Schulz mit den einstigen Box-Amateuren Günter Petschick aus Sonnewalde (l.) und Gerhard Kube aus Finsterwalde.
Der Ex-Profi Axel Schulz mit den einstigen Box-Amateuren Günter Petschick aus Sonnewalde (l.) und Gerhard Kube aus Finsterwalde. FOTO: Frank Claus / LR
Finsterwalde. Ex-Schwergewichtsboxer Axel Schulz, inzwischen Brandenburgs Bierbotschafter, war wieder zu Gast im Finsterwalder Brauhaus. Von Frank Claus

Die Hütte ist knackevoll. Dort feiert eine Agrargenossenschaft mit ihren Mitarbeitern, in der anderen Ecke ist am extra vergrößerten Stammtisch des Finsterwalder Brauhauses kein Platz mehr frei. An der Stirnseite sitzt Ex-Boxprofi Axel Schulz in angeregter Unterhaltung. Wie die meisten am Tisch hat er seinen persönlichen Bierkrug – extra mit seinem Namenszug versehen. „Ick find’ das irre gemütlich hier“, sagt er und stopft sich zwischendurch ein Schnitzelchen rein.

Seit er im vergangenen Jahr von den Klein- und Gasthausbrauereien zum Brandenburger Bierbotschafter ernannt wurde, bechert er zwar nicht üppiger, genießt aber umso mehr. Die handwerklich gebrauten Biere haben es ihm angetan. Den Botschafter-Job macht er unentgeltlich – „die Brauer stellen mir nur ab und an mal eine Kiste Bier in die Garage“, sagt er und lacht. In den meisten Gasthäusern der Kleinbrauer ist ein Platz am Stammtisch mit seinem Namensschildchen versehen. „Doch ich war noch längst nicht in allen Häusern“, gesteht er ein.

Denn Axel Schulz ist nach seiner Profikarriere immer noch viel beschäftigt. Die Familie stehe an oberster Stelle. Gemeinnützig ist er viel unterwegs, so unter anderem für die Laureus-Sportstiftung. Oder für den Verein LöwenKinder in Frankfurt/Oder, der Familien betreut, die Kinder mit schweren oder lebensverkürzenden Krankheiten haben.

Seit er 2006 mit 37 Jahren selbst einen Schlaganfall erlitten hat, kümmert er sich auch um die Deutsche Schlaganfall-Hilfe, macht Menschen Mut: „Denn es ist nichts wichtiger im Leben, als nach Niederschlägen wieder aufzustehen“, sagt er. In der ZDF-Gala „Ein Herz für Kinder“ gehörte er zu den Promis, die mit besonderen Gaben Geld einsammelten. Er spendierte einen Grillabend auf einem Hausboot und hat sich dabei persönlich die Grillschürze umgebunden.

Mit dem Grillen verbindet sich inzwischen auch indirekt ein Teil seiner jetzigen beruflichen Karriere. „Jaxs“, so heißen die von ihm und einem Partner entwickelten Grillsoßen und kleinen Appetiter, die gereicht werden können, wenn im Lokal schon Küchenschluss ist. Bald wird er Alleininhaber dieser Firma sein und damit erstmals völlig selbstständig unternehmerischen Boden betreten.

Auch in Finsterwalde ist Axel Schulz an diesem Abend Publikumsliebling. Bereitwillig lässt er Fotos und Selfies anfertigen, beantwortet Fragen. Noch immer ist sein legendärer Boxkampf vom Dezember 1995 gegen den Südafrikaner Francois Botha mit mehr als 18 Millionen Zuschauern an den Fernsehbildschirmen TV-Rekord im Boxen. Und das, obwohl er wie zuvor schon gegen George Foreman (USA) nach Punkten unterlegen war. Der Kampf gegen Botha ist später annulliert worden, weil sein Gegner des Dopings überführt wurde. Auch wenn Schulz damals um Millionen gebracht wurde, hegt er keinen Groll mehr.  Anteil hat eine Geste des Südafrikaners, der Schulz im Jahr 2012 den WM-Gürtle in dessen Haus nach Frankfurt/Oder gebracht hatte. „Er hat mir damals gesagt, ich sei der wahre Champion“, erzählt Axel Schulz. Inzwischen haben sich die Beiden mehrfach besucht. Der Gürtel liege jetzt beim Schulz-Manager und ehemaligen Riesaer Oberbürgermeister Wolfram Köhler in dessen Haus in Florida. Mit diesem hatte Schulz die „Ali-Nummer“ gedreht. „Nach meinen Kämpfen gegen Foreman und Botha hatte mich Muhammad Ali zu sich nach Hause eingeladen. Er wollte den Boxer kennenlernen, der diese umstrittenen Niederlagen hinnehmen musste.“ Im Wohnzimmer von Ali ist Wolfram Köhler dann die Idee gekommen, Ali nach Riesa zu holen. Das gelang ihm schließlich auch. Riesa wurde als Sportstadt fast über Nacht bekannt.

Axel Schulz in der Sängerstadt Finsterwalde zu begegnen – auch für die ehemaligen Amateurboxer Günter Petschick (84, Leichtgewicht, 25 Kämpfe) aus Sonnewalde und Gerhard Kube (87, Weltergewicht, 150 Kämpfe) aus Finsterwalde ist das etwas ganz Großes. Die Drei fachsimpeln über die alten Zeiten.

Box-Trainer zu werden, diesen Gedanken hat sich Axel Schulz schnell aus dem Kopf geschlagen. „Ich habe das mal versucht. Doch als ich den Jungs sagte, dass ich ihnen in den Arsch trete, wenn sie sich nicht richtig reinknien, haben sich die Eltern bei mir beschwert. Heute will sich doch keiner mehr quälen.“ Und so sieht er auch die Zukunft des deutschen Boxsports momentan nicht rosig. „Es fehlt die Struktur, die Förderung“, sagt er.

Doch muss ein Axel Schulz noch arbeiten? 18 Jahre lang hatte er einen gut dotierten Werbevertrag mit Fackelmann, ein Haushaltsartikel-Vertrieb, der Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen ist. In diesen Tagen sieht man den Ex-Boxer mit einem Basecap herumlaufen, auf dem nicht mehr der Schriftzug seines einstigen Sponsors steht, sondern ein Datum: 1.3.2018. Es scheint sicher, dass Axel Schulz an diesem Tag seinen nächsten Clou landet und seinen neuen Sponsor bekannt gibt. In den nächsten drei Jahren wird Axel Schulz zudem Box-Experte bei Sport1 und am 17. Februar zum ersten Mal zu sehen sein. Und wer will, kann den Ex-Profi auch für einen Grillabend buchen.

Denn obwohl er mehrfach angefragt worden ist: „Ins Dschungelcamp muss ich nicht. Da gehen ja nur Leute hin, die Geld brauchen.“

Bierbotschafter Axel Schulz auf Besuch im Brauhaus, hier mit den Geschäftsführern Uwe Oppitz und Markus Klosterhoff, der zugleich Braumeister ist.
Bierbotschafter Axel Schulz auf Besuch im Brauhaus, hier mit den Geschäftsführern Uwe Oppitz und Markus Klosterhoff, der zugleich Braumeister ist. FOTO: Frank Claus / LR