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| 18:15 Uhr

Stadtgespräche in Finsterwalde
Eva Mattes glänzt als Vorleserin

Tatort-Kommissarin Eva Mattes ist während ihrer Lesung und im Gespräch ganz dicht bei ihren Zuhörern im alten Warenspeicher.
Tatort-Kommissarin Eva Mattes ist während ihrer Lesung und im Gespräch ganz dicht bei ihren Zuhörern im alten Warenspeicher. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Tatort-Kommissarin vom Bodensee ist der 31. Gast der Finsterwalder Stadtgespräche im alten Warenspeicher. Von Jürgen Weser

Nein, Eva Mattes kam am Sonnabend nicht vom Bodensee, sondern aus ihrem Wohnort Berlin nach Finsterwalde. Und sie kam nicht als Tatort-Kommissarin, sondern als Vorleserin. Mitgebracht hatte sie alle vier Bände der Neapolitanischen Saga von Elena Ferrante, die sie als Hörbücher eingelesen hat und aus denen sie Episoden vorlas.

Natürlich ist Eva Mattes vielen Gästen des Abends im Jugendstilhaus „Ad. Bauer’s Wwe.“ vor allem als Tatort-Kommissarin Klara Blum bekannt, auch wenn das an diesem Abend nur eine Nebenrolle spielt. Eine schöne Anlehnung an den Bodensee-Tatort und ihre Rolle als Kommissarin gibt es dennoch. Sie ist Gast des 31. Finsterwalder Stadtgesprächs und mit „Wofür es sich zu leben lohnt“ als 31. Folge nahm der Bodensee-Tatort 2016 Abschied von den Fernsehbildschirmen.

Es gibt für Eva Mattes viele Dinge, wofür es sich zu leben lohnt, erfuhren die Stadtgespräche-Besucher in dem übervollen alten Warenspeicher, der mit seinem Bezug zur ehemaligen Orthopädiewerkstatt den Bogen zu Ferrantes Schuhmacherei in Neapel als Handlungsort in ihrem Roman herstellte. Für Sebastian Schiller, mit seiner Frau Christiane und seinen Kindern Organisator der Stadtgespräche, war es der Aha-Effekt, um Eva Mattes einzuladen. Sie habe tatsächlich noch nie in solch einem Ambiente gelesen, staunte die Schauspielerin mit großer Bühnen- und Filmvita nicht schlecht.

Bevor sie mit ihrer angenehmen Lesestimme die Zuhörer an den Erlebnissen von Ferrantes Romanprotagonistinnen teilhaben ließ und erzählte, dass sie selbst von den Ferrante-Büchern begeistert sei, auch wenn sie Neapel nicht kennt, hatten Marble Cake mit Marlen Meißner, Tobias Vogel und Chris Poller gekonnt das musikalische Entree abgeliefert.

Im Gespräch erzählt Eva Mattes, dass sie etwa 100 Bücher bereits eingelesen hat und dass sie zur Vorbereitung jedes Buch dreimal liest. „Nach 60 bis 80 einzulesenden Seiten pro Tag bin ich total geschafft“, erzählt sie. Sie liebe in der Arbeit die Abwechslung, deshalb war es auch ihr Wunsch, dass sie als Tatort-Kommissarin Schluss machen konnte.

Lampenfieber gibt es für sie immer noch und die Lust am Lesen. „Auch hier neben der alten Ladentheke“, schmunzelt sie. Lesen und Vorlesen sei wichtig, vor allem für Kinder, betont sie. „Ich glaube, das Buch wird weiter bestehen“, ist sie optimistisch.

Nur knapp reagiert sie auf Fragen zu ihrer schauspielerischen Vergangenheit. Dabei ist sie als Münchnerin davon von Kind an geprägt, hat mit zwölf Jahren an der Seite von Heinz Rühmann gespielt, ist am Hamburger Schauspielhaus bekannt geworden, hat mit 18 Jahren mit Fassbinder den Skandalfilm „Wildwechsel“ gedreht, 1976 in Zadeks „Othello“-Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus für Aufsehen gesorgt, hat am Berliner Ensemble tragende Rollen gespielt und die Hauptfiguren in zahlreichen Kinofilmen wie „Schlafes Bruder“. Sie hat auch Preise eingeheimst. „Ich war immer sehr diszipliniert“, erklärt sie beim Stadtgespräch ihre Erfolge. Elisabeth Flickenschild und Peter Minetti seien prägende Kollegen gewesen „und vor allem Regisseur Peter Zadek“.

Gern signierte Eva Mattes Ferrante-Bücher als Vorleserin und kam den zahlreichen Fotowünschen des Finsterwalder Publikums nach, während das Stadtgespräch zwischen den Besuchern noch lange seine Fortsetzung fand. Wieder einmal ist der Familie Schiller für den großen organisatorischen Aufwand zu danken.