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| 17:34 Uhr

Europas Bester: ein Sonnewalder

Hier fühlt sich Thomas Müller (in der Mitte im blauen Kampfanzug) am wohlsten: unter seinen jungen Nachwuchs-Judokas.
Hier fühlt sich Thomas Müller (in der Mitte im blauen Kampfanzug) am wohlsten: unter seinen jungen Nachwuchs-Judokas. FOTO: Dieter Babbe
Sonnewalde. Sonnewalder ist Spitze in Europa. Solche Schlagzeilen sind äußerst selten. Doch Thomas Müller hat dafür gesorgt. Der Judoka geht als einziger Europameister in die Annalen seiner Heimatstadt ein. Doch auch nach 22 Jahren seines größten Erfolges lebt der heute 47-Jährige den Sport nicht nur in der Erinnerung. Dieter Babbe

Zuerst hat der junge Thomas, "angesteckt" von seinem Vater, auf dem Rennrad sportliche Lorbeeren eingefahren. "Bis mir eine Nachricht in der Lausitzer Rundschau ins Auge fiel", erinnert sich Thomas Müller. Die hat "schwere Jungs" für den Judosport gesucht. Mit elf Jahren und bereits 40 Kilo auf der Waage trainierte der junge Sonnewalder beim ASV Vorwärts Finsterwalde/Doberlug-Kirchhain. Schnell als Talent erkannt, wechselte Thomas später zum ASK Frankfurt/Oder - einer Kaderschmiede auch für Judokas in der DDR. Als "Sport-Soldat", der sich nebenbei zum Kfz-Mechaniker ausbilden ließ, belegte er bei vielen internationalen Wettkämpfen, so zum Beispiel in Japan und Korea, und bei zahlreichen Meisterschaften stets vordere Plätze - größter Erfolg war im Wendejahr 1989 der Vize-Europameistertitel für die DDR in Helsinki. Bis dem Sonnewalder Schwergewicht drei Jahre später der größte Wurf in seiner Karriere gelang. Inzwischen nach der Wende von Frankfurt zum MTV Ingolstadt gewechselt, wo er beruflich bei Audi gearbeitet hat, legte der 120-Kilo-Mann bei den Judo-Europameisterschaften 1992 in Paris den um 58 Kilo schwereren Franzosen George Mathonnet erfolgreich auf die Matte - was Gold bedeutete. Dass Müller für die Olympischen Spiele in Barcelona nur als Ersatzmann nominiert wurde, hatte mit der starken Konkurrenz aus Deutschland Ost und Deutschland West etwas zu tun. Ein Kreuzbandriss hat danach die sportliche Laufbahn von Thomas Müller abrupt beendet.

Dem Judo-Sport ist der Sonnewalder aber weiter treu geblieben. Auch sein Gewicht hat er behalten - "wenngleich die Arme und Beine etwas dünner und der Bauch etwas dicker geworden sind", gesteht der kräftige Müller. Seit 1998 beruflich im Rettungsdienst in Finsterwalde tätig, trainiert der Europameister heute junge Leute. Jeden Montag und Mittwoch treffen sich etwa 15 Kinder von 17 bis 19 Uhr im Kulturhaus - "es waren auch schon mal doppelt so viele", bedauert Thomas Müller das nachlassende Interesse. Stolz ist er dennoch auf seine Schützlinge, sie soweit gebracht zu haben: Einige, wie David Schulze und sein Sohn Daniel Müller, sind bereits Brandenburg-Meister geworden. Tim-Adrian Volland aus Crinitz und Gino Lehmann aus Walddrehna, beide erst fünf Jahre alt, gehören mit zu den Jüngsten in der Truppe - und wollen ihrem berühmten Trainer nacheifern.

Auf dem Weg in den Fitnessraum, der sich bei Müllers im Keller des Einfamilienhauses am Peterhof befindet, kommt man an vielen Medaillen vorbei. Dutzende erinnern Thomas Müller an seine für Sonnewalde einzigartige sportliche Karriere - die in der Stadt bei vielen in Vergessenheit geraten ist.