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| 14:45 Uhr

Baum des Jahres
Die Ess-Kastanie ist rar im Elbe-Elster-Land

An der Hauptstraße in Gruhno wachsen die Ess-Kastanien. Dort finden sich auch die von einem stacheligen Panzer umgebenen braunen Früchte.
An der Hauptstraße in Gruhno wachsen die Ess-Kastanien. Dort finden sich auch die von einem stacheligen Panzer umgebenen braunen Früchte. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Finsterwalde/Gruhno. Doch südwestlich von Doberlug-Kirchhain es gibt einen Ort, an dem der seltene Baum zu finden ist. Von Daniel Friedrich

Wer im Frühjahr einmal die auffällig gelblich-weiße Blütenpracht der Ess-Kastanie gesehen hat, dem wird nachgesagt, den Baum nicht mehr so schnell zu vergessen. Nun richtet sich der botanische Blick das ganze kommende Jahr über auf die Ess-Kastanie: Vor kurzem wurde sie zum Baum des Jahres 2018 gewählt. Wo aber steht die Ess-Kastanie eigentlich in unserer Region?

Esskastanien in Gruhno.
Esskastanien in Gruhno. FOTO: Daniel Friedrich / LR

Die Ess- oder auch Edel-Kastanie ist in Deutschland eine seltene Baumart. Vorwiegend ist sie im Südwesten, in den Weinanbaugebieten entlang des Rheins, zu finden. Karl-Ulrich Hennicke, Vorsitzender des NABU-Regionalverbandes Finsterwalde, ist im gesamten Elbe-Elster-Kreis nur ein Ort bekannt, an dem die Ess-Kastanie wächst: in Gruhno (Gemeinde Schönborn). Auf einer Wiese an der Hauptstraße, gegenüber der Kirche, stehen zwei Exemplare.

„Die Römer haben die Ess-Kastanie einst über die Alpen  nach Deutschland gebracht. Aber ihr sagen das trockene Sommerwetter und die kalten Winter bei uns nicht zu. Sie ist frostempfindlich“, weiß Karl-Ulrich Hennicke zu berichten. So hat der Baum in unseren Breiten auch keine forstwirtschaftliche Bedeutung, sondern wird vor allem zur Zierde in Parks und Gärten angepflanzt. „Insofern ist die Ess-Kastanie gewissermaßen in Exot. Vielleicht wäre ein Baum aus unseren heimischen Mischwäldern die sinnvollere Wahl gewesen“, meint NABU-Vorsitzender Hennicke.

Nicht nur im Frühjahr geht von dem Baum mit seiner Blütenpracht eine besondere Ausstrahlung aus. Im Oktober lässt er seine großen, mit Stacheln besetzten Früchte herunterfallen. In deren Inneren befinden sich die braunen, essbaren Kastanien. Viele Jahrhunderte lang wurden sie als wichtiges Nahrungsmitteln benutzt, heute dienen sie eher als Delikatesse. „Die Ess-Kastanien haben ein leicht nussiges Aroma“, erklärt der Finsterwalder Gourmetkoch Frank Schreiber. Ob mit Honig glasiert, als Creme und Suppe gekocht oder als Füllmasse für Kartoffelbällchen, Ravioli und den Pfälzer Saumagen - die Früchte vom neuen Baum des Jahres lassen sich vielfältig verarbeiten. „Bei uns stehen Gerichte mit Ess-Kastanien regulär auf der Speisekarte, gerade jetzt zur Herbstzeit“, sagt Frank Schreiber. Im Winter sind die mehligen Kastanien als „heiße Maroni“ auf den Weihnachtsmärkten beliebt. Kenner genießen auch die Blätter der Ess-Kastanie als Tee. „Im Sommer stellen wir sogar Ess-Kastanien-Eis her“, fügt Frank Schreiber hinzu.

Ess-Kastanien in Gruhno.
Ess-Kastanien in Gruhno. FOTO: Daniel Friedrich / LR

Und noch etwas Interessantes gibt es zum Baum des Jahres zu wissen: Obwohl es der Name nahelegt, haben Ess- und Rosskastanie wenig gemeinsam. Denn während die Ess-Kastanie ein Buchengewächs ist, gehört die Rosskastanie zu den Seifenbaumgewächsen. Die fälschlicherweise vermutete Verwandtschaft liegt wohl nur daran, dass sich die Früchte beider Arten im Herbst ähnlich sehen. Spätestens ein herzhafter Biss in die Frucht also würde die Verwechslung schnell aufklären.