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Es sind die Geschichten der Oldtimer, die faszinieren

Dieser Jaguar, Baujahr 1953, gehört zu den meistfotografierten Modellen. Am Schloss Doberlug und auf der Fahrt nach Mühlberg und zurück zieht das Auto viele Blicke auf sich. Insgesamt gehen 140 Autos und Motorräder auf die Strecke.
Dieser Jaguar, Baujahr 1953, gehört zu den meistfotografierten Modellen. Am Schloss Doberlug und auf der Fahrt nach Mühlberg und zurück zieht das Auto viele Blicke auf sich. Insgesamt gehen 140 Autos und Motorräder auf die Strecke. FOTO: Frank Claus
Doberlug. Träume haben sie sich alle erfüllt, die 140 Teilnehmer der 5. Oldtimer-Rallye und die etwa noch einmal gut 60 Aussteller, die am Sonntag seit den frühen Morgenstunden ihre fahrbaren Schätze im wunderschönen Areal zwischen Schloss, Kirche und Refektorium in Doberlug zeigen. Frank Claus

Und jeder hat eine andere Beziehung zu seinem zwei-, drei- oder vierrädrigen Schätzchen. Da ist zum Beispiel Harald Michaelis aus Cottbus, dessen silberglänzender Jaguar, Baujahr 1953, einer der meist fotografiertesten an diesem Tage ist. Oder der gelb-schwarze Postbus von Peter Kühn aus Cottbus. Sein Dux NAG aus dem Jahr 1929 war einst als Alpenpost in Oberschlesien und als Feuerwehrfahrzeug unterwegs. Marcel Ruben aus Göllnitz hat seinen Ford, Baujahr 1929, bei einem längeren Auslandsaufenthalt in den USA entdeckt und ihn von Tennessee per Achse bis zum Containerhafen gefahren, von wo aus er dann nach Deutschland verschifft wurde.

Und da sind die Oldtimerfreunde aus Elsterwerda-Kröbeln, deren Herz an alten Motorrädern hängt. Wie viel Zeit haben sie in diese Maschinen, oft schon im Kriegseinsatz unterwegs, gesteckt! Sie bewahren Zweiradgeschichte und fahren in Kürze zur nächsten Ausfahrt.

Thomas Schmatloch aus der Nähe von Calau steuert einen Opel Tourer, Baujahr 1927 und ist stolz, dass das schöne Fahrzeug seit 1969 in Familienbesitz ist. So geht es auch der Familie, die gleich mit zwei Berliner Rollern anreist. Stark ist die Jawa-Fraktion aus Forst vertreten.

Und dann sind da die Legenden, die einst auf DDR-Straßen rollten. Hans-Ulrich Lehmann aus Theisa hat noch immer seinen himmelblauen Pkw Trabant 601. "Im Jahr 1975 habe ich ihn aus dem Auslieferungslager Großräschen geholt. Und er rollt immer noch", berichtet er stolz am Mikrofon.

Oder aber Sebastian Ahnert aus Calau, der den einzigen Saporoshez an diesem Tag, Baujahr 1978, voller Leidenschaft fährt. Das zu DDR-Zeiten mitunter als "Nähmaschine" verspottete Gefährt lässt ihn und seine Familie nicht mehr los. "Ich schraube am Sappo und meine zwei Mädels pflegen ihn", sagt er stolz.

Wartburgs in allen Ausführungen lassen Erinnerungen bei zahlreichen Besuchern wach werden. Faszinierend noch immer die Sondermodelle mit Panoramadach oder die zu Transportern umfunktionierten Handwerkerfahrzeuge. Autohaus-Inhaber Hagen Ridzkowski aus Cottbus hat gleich eine ganz Modellpalette mitgebracht und zudem mit Landrat Christian Heinrich-Jaschinski einen prominenten Beifahrer. Was er früher gefahren ist? "Trabi", entgegnet er und lacht.

Auch als Wolga und Moskwitsch auf die zum ersten Mal eingerichtete Startrampe rollen, sieht man die Besucher stärker als sonst tuscheln. Einst sind die hochrangigen Offiziere der Sowjetarmee damit auf DDR-Straßen unterwegs gewesen, waren das die Dienstwagen von Partei- und Regierungsgrößen oder wurden später als Taxi genutzt. Wer weiß schon, dass ein EMW, Baujahr 1951, das erste Dienstfahrzeug der SED-Bezirksleitung in Cottbus war? Olaf Hüper aus Vetschau hat das Gefährt, das später im Tagebau im Einsatz war, gerettet.

Schmunzeln darf man bei den Erzählungen von Hans-Peter Kodella, der in einem Mini-Fiat, Baujahr 1974, angereist ist. Einst hat es dem Mann als Busfahrer nicht groß genug sein können. "Jetzt will ich sehen, wie so ein kleiner Flitzer läuft", sagt er und meint: "Von Paris bis Rom, das geht alles."

Erinnern Sie sich noch, liebe Leser, an den Golf 1, der um 1978 in die DDR eingeführt wurde und an den nur rankam, wer genügend "Kohle" und Beziehungen hatte? Reinhard Martinetz erinnert sich: "Ich war damals bei der Interflug. Die SED-Leute haben sich anfangs nicht getraut, den zu kaufen. Das war meine Chance."

Einige Premierenfahrten für neu aufgebaute oder neu erworbene Oldtimer gibt es an diesem Sonntag auch. Matthias Jankowski aus Herzberg fährt einen NSU, Baujahr 1966, und sagt: "Damit bin ich jetzt auch Mitglied der vierrädrigen Oldtimerfraktion." Vereinen wie dem Fahrzeug-Legenden e.V., der die Rallye organisiert hat, ist es zu verdanken, dass diese Familie nicht kleiner wird.