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Es bleibt ihm die gehasste Geliebte

Peter Bause mit ungehemmter Spielfreude im Finsterwalder Kreismuseum.
Peter Bause mit ungehemmter Spielfreude im Finsterwalder Kreismuseum. FOTO: jgw1
Finsterwalde. Die Hüfte zu tief, die Taille verunglückt, die rachitische Schulterpartie gibt den Rest. Er ist ekelhaft zu spielen und behindert sexuell. Jürgen Weser/jgw1

Am Besten zersägen und zermahlen möchte der Spieler das Ungetüm. Aber er kann nicht von ihm lassen. Die Hassliebe des Kontrabassisten zu seinem Instrument spielte Peter Bause am Freitagabend vor einhundert begeisterten Zuschauern im Finsterwalder Kreismuseum.

Im Herbst 2013 beschrieb Bause an gleicher Stelle in seiner Autobiographie die Zeit am Berliner Ensemble als Höhepunkt im dritten Akt seines Schauspielerlebens. Dazu gehört Patrick Süskinds Einpersonenstück, das mit Bause 1983 als DDR-Erstaufführung auf die Bühne gebracht wurde und er seitdem erfolgreich im Repertoire hat. In dem vergnüglich-intelligenten Spaß zerreißt es den verbeamteten Kontrabassisten des Staatstheaters fast vor Hassliebe zu seinem Instrument. Außerdem liebt er die junge Mezzosopranistin Sara mit ihrer engelsgleichen Stimme. Er, der schon seit zwei Jahren keine Frau mehr hatte, obwohl er nicht so schlecht aussieht wie er spielt. Aber wie kann die Angebetete Notiz von ihm bei diesem lächerlichen Instrument nehmen?

Peter Bause ist die Rolle des von Selbstzweifeln und verlorenen Illusionen geplagten Musikers in dem Einpersonenstück wie auf den Leib geschrieben. Als Vollblutmime beweist er dies auch in Finsterwalde mit brillanter schauspielerischer Fähigkeit, erzeugt mit unnachahmlicher Mimik einen Lacher nach dem anderen und gibt Spieler und Instrument der ungewollten Lächerlichkeit preist. Das geschieht zwar unter Opferung von fast allem Politischen aus dem Süskind-Stück, aber damit ist Bause in der Tradition der erfolgreichen Inszenierungen mit hintergründigem Humor und bissigen Ausfällen gegen den Olymp der Musikliteratur um Wagner und Beethoven sowie Star-Dirigententum, das aus der letzten Orchesterreihe als hohle Geste entlarvt wird. Bause bietet nicht platte Volkskomödie sondern unterhaltsam-intelligentes Kammertheater auf schlichter Bühne mit dominierendem Kontrabass.

Von der ,,Lobpreisung" läuft Bause zu großer Form mit angestauter Wut und Abscheu vor dem ,,unmusikalischsten Musikinstrument" und dem eigenen tristen Leben als hemmungsloser Bierschlürfer auf. Keiner merkt, wenn er ,,eklatant schön" spielt, nicht mal Sara, ist der Kontrabassist verzweifelt, deshalb muss er nicht mehr üben. Der Kontrabass bleibt ihm als gehasste Geliebte, auch wenn sich sein Spieler vornimmt, den Eklat zu wagen, die Liebe vor der Festspielpremiere herauszuschreien: Sara!!! In der Garderobe traut er sich.

Die Zuschauer im Finsterwalder Kreismuseum genossen das Vergnügen des Erfolgsstücks von Patrick Süskind. Mit seinem Erfolgsroman ,,Das Parfüm" und den Drehbüchern zu den Fernseh-Erfolgsserien ,,Kir Royal" und "Monaco Franze" hat der Autor ausgeprägtes Gespür für beste Unterhaltungsliteratur mit kritischem Blick auf die Abgründe des Einzelnen und der Gesellschaft bewiesen. Bause spielt es und trifft damit seit 30 Jahren den Nerv der Zeit! Den fünften Akt seines Lebens hat der Schauspieler noch lange nicht erreicht, bewies er in Finsterwalde.