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| 01:27 Uhr

Erste Nacht in der Dorfkirche

Gruhno. Eine Premiere erlebten die Gruhnoer. Zur ersten Nacht in der Dorfkirche mit Orgelkonzert und dem Vorstellen der Dorfchronik hatte Eckard Heinrich,Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, die Bürger eingeladen. Von Mario Sanders

Mit Begeisterung wies er auf die alte Schrötherorgel mit ihren Originalpfeifen, eingeweiht 1833, und deren notwendige Renovierung hin. Zur Freude der Besucher spielte Musikpädagoge Klaus Mathesius eigene Improvisationen, ein Präludium von Bach und zwei Choräle. Pfarrer und Vakanzverwalter Fred Pohle gestand, dass er in die Gruhnoer Kirche verliebt sei. Nun auch noch so viel Neues aus ihrer Geschichte erfahren zu haben, mache ihn glücklich. Dafür hatten Sybille Schrey und Bernhard Wagner gesorgt. Sie hatten seit März 2009 an einer Dorfchronik geforscht und stellten ihr detailliertes Ergebnis nun der Öffentlichkeit vor, sich dabei allerdings auf die Kirchengeschichte beschränkend.

Die Kirche ist in dem zwischen 1200 und 1231 gegründeten Ort ursprünglich als ein imposantes Wehrgemäuer in der Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden. Aus einem Balken oberhalb der Decke über dem gotischen Bogen konnte Material für dendrochronologische Untersuchungen entnommen werden. Diese ergaben, dass der Baum um 1250 gefällt wurde. Da sich die Gruhnoer im 19. Jahrhundert vehement gegen den Abriss ihrer Kirche wehrten, kann diese noch heute in fast ursprünglicher Form mit Altarbereich für Mönche und separatem Teil für Laien und Bauern besichtigt werden.

Das älteste überkommene Namensverzeichnis datiert aus dem Jahr 1534. Es existierten 23 Gehöfte, wobei mehrheitlich Hüfner und fünf Kossäten aufgeführt werden. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde ein Rittersitz in Gruhno errichtet.

Der bekannte und mehrfach für seine Untersuchungen geehrte Schönborner Heimatforscher Horst Firme lobte die Einsatzbereitschaft, die Akribie und den Fleiß von Sybille Schrey und Bernhard Wagner. “Das ist eine unwahrscheinlich umfassende Arbeit, ein ganz hervorragendes Gemeinschaftswerk von 433 Seiten„, schwärmte der Lehrer im Ruhestand. Als einen besonderen Glücksfall für Finsterwalde schätzte Firme den Fund einer alten Oeder - Zimmermanschen Karte aus dem Jahre 1630 ein. Aus dieser sind die herrschaftlichen Ländereien des Amtes Dobrilugk, zu dem auch Gruhno gehörte, detailliert zu erkennen.

In der Chronik sind Protokolle sowie umfangreicher Schriftwechsel ausgewertet und eine Auswahl aus über 1600 von den Dorfbewohnern zur Verfügung gestellten Fotos veröffentlicht. Verzeichnisse der Pfarrer, Lehrer, Müller, Ortsrichter und Schankwirte bereichern die Chronik, die 1990 endet.