ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:37 Uhr

Erschnupperte Erinnerung an die DDR

Parfümkultur aus der DDR zeigt die Ausstellung „Duft des Ostens“ in Finsterwalde. Foto: Jürgen Weser
Parfümkultur aus der DDR zeigt die Ausstellung „Duft des Ostens“ in Finsterwalde. Foto: Jürgen Weser FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. ,,Der Duft einer schönen Frau, wenn sie an die vorüberschreitet, betört den Mann“, hörten die Besucher der neuen Sonderausstellung zur Eröffnung von der alten Platte. Das war und ist wohl Sinn vieler Parfüms. Die Radebeulerin Kerstin Zimmermann hat 1995 begonnen, den ,,Duft des Ostens“ mit ihrer Sammlung einzufangen. Von Jürgen Weser

Die Besucher im Finsterwalder Museum staunten zur Ausstellungseröffnung auf den zwei Speicher-Etagen über die Vielfalt und gestalterische Attraktivität der Flacons, die Katrin Zimmermann zusammengetragen hat. Neben bekannten Marken wie Florena mit ,,Schwarzer Samt„, ,,Blütentau„ und “Casino„ oder Kölnischwassers-Contezza gab es auch ausgesprochene exotische Raritäten.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands begann Kerstin Zimmermann bald damit, alles Mögliche aus der DDR zu sammeln. Nur Parfüm- und Duftwässer-Flacons nicht, stellte die Radebeulerin fest. Angeregt zum Sammeln wurde sie durch ein Drogerie-Geschenk der Firma Yves Rocher.

Wohlgeruch Marke DDR

Warum nicht nach DDR-Parfüms suchen, fragte sie sich und stellte bald fest, dass sie sich in ein ziemlich unberührtes und umfangreiches Sammelgebiet verbissen hat. Es gab viel mehr Duftwässerchen in der DDR und aus DDR-Produktion, als sich heute die meisten erinnern können. Mehr als eintausend verschiedene Flacons von unzähligen Firmen hat sie bisher hauptsächlich von Flohmärkten zusammen getragen. Ihre Sammlung, die sie in Radebeul in einem kleinen Privatmuseum in ihrem Wohnhaus zeigt, umfasst Objekte von 1948 bis 1989/90. ,,Unter den Linden„ heißt die letzte Parfüm-Kreation der DDR in ihrer Sammlung, die zur 750-Jahr-Feier Berlins herausgebracht wurde.

Fremde Welt der Sinne

Zu den interessierten Besuchern gehörte auch Drogerieinhaberin Angelika Schubert von der ehemaligen Markt-Drogerie. Von ,,Juchten-Karrma„ bis “China-Seide„ und “Desiree„ reicht die Palette in der Ausstellung. Auch die Privatsammlerin Gerda Marshall, die extra aus Essen angereist war, zeigte sich überrascht von der Fülle der Ausstellungsprodukte. ,,Viele der hier gezeigten Produkte kenne ich auch nicht„, staunte die Avon-Fachfrau.

Der Ausstellungsbesucher im Finsterwalder Kreismuseum wandert durch eine erstaunliche Welt der Düfte in der DDR, er kann am Schnuppertisch den eigenen Geruchssinn testen und sich an der DDR-Werbung erfreuen, die es auch für Duftwässer aller Art gab, wie die Werbepappen und Plakate zeigen. Hier wurde oft eine fremde, nicht erreichbare Welt der Sinne vorgegaukelt. Das Museumsexponat des Monats weist auf die Finsterwalder Seifenfabrik Thieragk hin, die auch Parfüm produziert hat, wie Kerstin Zimmermann weiß. ,,Die Marke fehlt mir aber in meiner Sammlung.„ Sie würde sich freuen, wenn ihr jemand aus alten Beständen Finsterwalder Parfüm oder wenigstens Flacons zukommen lassen könnte. Auch andere alte Flacons oder Geschenkpackungen von DDR-Duftwässern sind bei Kerstin Zimmermann gut aufgehoben.

Inzwischen gibt es eine ganze Menge Parfümsammler, etwa ein Drittel sogar Männer, hat Kerstin Zimmermann durch Kontakte und Recherchen im Internet herausgefunden.

Rares fürs Museum

Aber DDR-Sammelbestände sind rar. Deshalb freut sich Museumsleiter Rainer Ernst über die besondere Ausstellung, mit der das Museum seinem Ruf als Einzelhandelsmuseum gerecht wird, wie auch der ständige Schauraum aus der ehemaligen Markt-Drogerie zeigt.

Kerstin Zimmermann hat mit den DDR-Düften noch viel vor: Sie will Marken wie Yava, Rumba und Alberna in einem Buch beschreiben und so erhalten.

Die Sonderausstellung ,,Parfüm in der DDR„ ist bis zum 19. September im Finsterwalder Kreismuseum zu sehen.