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| 02:38 Uhr

"Eröffnung 2017 immer unwahrscheinlicher"

Neujahrsmeeting beim Rotary Club Finsterwalde mit Gastreferent Rainer Bretschneider (r.), Brandenburgs Flughafenkoordinator.
Neujahrsmeeting beim Rotary Club Finsterwalde mit Gastreferent Rainer Bretschneider (r.), Brandenburgs Flughafenkoordinator. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. Es ist das wichtigste Infrastrukturprojekt für Berlin und Brandenburg und das umstrittenste. Der Bau des Flughafens BER dauert nun schon reichlich vier Jahre länger als geplant. Wann der Pannenflughafen eröffnet wird, steht in den Sternen. Die Rotarier in Finsterwalde wollten es genau wissen – von Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider. Heike Lehmann

Die Chance auf Informationen aus erster Hand zum Dauerbrenner Flughafen BER hat am Donnerstagabend viele Rotarier und Freunde angelockt. Die Plätze im Pavillon der Sparkasse Elbe-Elster sind fast alle besetzt.

Als "Stunde der Wahrheit" kündigt Rainer Willems den Vortrag von Staatssekretär und Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider an. "Der BER im Spannungsfeld von Politik und Technik" hat ihn der Referent selbst überschrieben. Und er drückt sich in Finsterwalde nicht vor klaren Worten. Gleichzeitig wirbt er aber auch um Verständnis für die Komplexität des Vorhabens. Als er die Gäste bittet, erst zu gehen, "wenn alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet sind", provoziert er die ersten Lacher und riskiert, dass der Abend den zeitlichen Rahmen sprengen wird.

Bretschneider ist seit Februar 2013 Flughafenkoordinator in der Staatskanzlei in Potsdam. Er spricht pointiert und offen. Er sagt: "Es gibt keinen im Verantwortungsbereich von Geschäftsführung und Aufsichtsrat, der nichts falsch gemacht hat." Platzeck, Wowereit und wechselnde Geschäftsführer eingeschlossen. "Aber die juristische Haftung ist ganz schwierig", stellt er dem gegenüber. "Man kann einem Geschäftsführer nicht vorwerfen, dass er bis zuletzt geglaubt hat, dass das Ding 2012 eröffnet wird", bezieht er sich auf ein Verfahren vor dem Landgericht Berlin.

Mit Zahlen versucht er, das Problem einzugrenzen. Der neue Flughafen wurde 1998/99 in Grundzügen geplant. "Da hatte die Lufthansa gerade die Flüge von Berlin nach New York eingestellt." Danach aber gewann die Metropole Berlin rasant an Bedeutung. Das Passagieraufkommen 2005 lag bei 17,2 Millionen pro Jahr. Heute sind es 33 Millionen. Die Prognose für 2017 liegt bei knapp 35 Millionen. Die Bruttogrundfläche des Flughafens wuchs seitdem um knapp 65 Prozent. Aber: Die technische Konzeption des Gebäudes wurde nicht geändert. Untersuchungsausschuss in Berlin und Landesrechnungshof in Brandenburg schreiben Hunderte Seiten voll, während das Projekt immer wieder von Fehlern der Vergangenheit eingeholt wird. Als Grundfehler bezeichnet Bretschneider, dass man versucht habe, den Wachstumsprozess in die bestehende Planung einzubeziehen, anstatt nach einem Planstopp komplett von vorn anzufangen. Auf Nachfrage meint er, dass es dafür jetzt zu spät sei.

Die Baustelle an sich sei fast fertig. Ruhe kommt nicht rein. Jetzt werden Fehler bei der Wirkprüfung entdeckt. Bretschneider versichert: "Wir kämpfen um den Eröffnungstermin Ende 2017. Aber er wird immer unwahrscheinlicher." Nächste Sitzung des Aufsichtsrates ist am 7. Februar. Bis zur Inbetriebnahme wird der BER nach heutigem Stand 5,4 Milliarden Euro kosten. 1,1 Milliarden Euro seien notwendig für den weiteren Ausbau bis 2020. Nach seinem Vortrag stellt sich Bretschneider den Fragen - Ansätze hat er reichlich geliefert.

Der Rotary Club bat an diesem Abend um Spenden für das Rotary-Jugendmusikfestival, das nach 2005 zum zweiten Mal in Finsterwalde stattfinden wird. Etwa 40 junge Musiker aus ganz Europa werden im April zu einer Probenwoche mit einem Dirigenten der Mailänder Scala erwartet. Es sind zwei Abschlusskonzerte in Finsterwalde und Bad Liebenwerda geplant.