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| 12:45 Uhr

Geschichte lebendig halten
Erinnerung an nackt badende Nixen

Einige der eifrigen Mitstreiter im Verein zur Förderung des Finsterwalder Heimatkalenders: Dieter Unkenstein, Lothar Schmidt, Manfred Rothe, Volker Kock (hinten v.l.) sowie Horst Töpritz, Inge Neumann, Christine Funke und Hans-Jürgen Petrick (vorn v.l.)
Einige der eifrigen Mitstreiter im Verein zur Förderung des Finsterwalder Heimatkalenders: Dieter Unkenstein, Lothar Schmidt, Manfred Rothe, Volker Kock (hinten v.l.) sowie Horst Töpritz, Inge Neumann, Christine Funke und Hans-Jürgen Petrick (vorn v.l.) FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Der Finsterwalder Heimatkalender 2019 ist als Heft 61 der Schriftenreihe erschienen. Von Jürgen Weser

Der Verein der Freunde zur Förderung der Heimatschrift „Finsterwalder Heimatkalender“ e.V. ist der Zeit stets einen Schritt voraus. So wurde am Sonnabend in der Hertha-Klause des Südsportplatzes bereits auf die Veröffentlichung des Heimatkalenders 2019 als 61. Heft der Schriftenreihe seit 1990 angestoßen.

Im Heft blicken 39 Autoren und Zeichner auf 72 Seiten jedoch vor allem in die Historie, lassen vom Kalendarium aus Geschichte aus dem Gebiet des Altkreises Finsterwalde und der Region lebendig werden, blicken in vergangene Jahrhunderte, schauen auf kleine Naturwunder, erzählen Sagenhaftes und erlebte Episoden. Schon beim Durchblättern lockt das Heft zur Lektüre und macht Lust auf die weiteren Hefte, die im Vorfeld zum Jahresheft erschienen sind. So gibt es Teil 2 der Erinnerungen an Bergheide, wo die Heimatfreunde gleich drei Burgen aus verschiedenen Jahrhunderten verorten, ein neues Sagenheft, das zum Tag des offenen Denkmals erschienen ist, sowie die Publikationen über Heimatwanderungen.

Vereinsvorsitzender Manfred Rothe stellte den dreißig Gästen des Vereinsabends den Inhalt des neuen Jahresheftes anschaulich vor. Von Denkmalpflege und Ur- und Frühgeschichte sowie jüngerer Geschichte über Naturkunde und die Sagenwelt reicht die vielfältige und reichlich bebilderte Palette bis zu besonderen Ereignissen. Unter den Zuhörern freute sich Sylvia Töpritz aus Finsterwalde, dass sie als Amtsschützenkönigin von Massen vorgestellt wird. Hans-Dieter Unkenstein erinnert an die Auflösung der Kjellberger Berufsfeuerwehr 1959. Besucher des Abends erinnerten sich, wie später die freiwillige Betriebsfeuerwehr auch den Nehesdorfer Sportplatz bewässerte. Manfred Rothe beschreibt, was es mit Berlinchens bei Massen auf sich hat und vermeldet stolz den Fund einer „Gottesanbeterin“, während sich der Finsterwalder Naturfreund Wolfgang Schuchardt über den Beitrag zum „Eichelhäher“ von Heinz-Dietrich Hubatsch freut. Der legendären Nehesdorfer Fachlehrerin für Stenografie und Maschineschreiben Ilse Block wird von Renate Poetzsch ein kleines Denkmal gesetzt und Bert Griebner erinnert an 100 Jahre Fußball in Klingmühl/Lichterfeld.

Das neue Titelblatt mit Blick in den Hohlweg bei Gahro von Carsten Hoffmann.
Das neue Titelblatt mit Blick in den Hohlweg bei Gahro von Carsten Hoffmann. FOTO: Jürgen Weser

Spannend ist nicht nur für ehemalige „Feintuch“-Mitarbeiter der Beitrag zur Entwicklung des Betriebes nach 1945. So listete der bereits verstorbene Autor Rudi Dohn für Dezember 1946 insgesamt 1095 (!) Beschäftigte auf. Ganz anderer Art ist die episodenhafte Erinnerung von Olaf Wunderlich, der als 14-Jähriger die wundersame Verwandlung von zwei russischen Soldatinnen in nackte „Nixen“ am Klingmühler Mühlgraben heimlich beobachtete. Am Beitrag über das  Finsterwalder Kino Weltspiegel flackerten reichlich Erinnerungen an den gestrengen Kinochef Helmut Siegert auf.

Das Blättern durch das Heft zeigt aber auch ein Problem des Vereins. Etliche Stammautoren und Zeichner sind verstorben. So Egon Peter, Autor und Mitglied des einstigen Finsterwalder Mundharmonikatrios „Klingendes Kleeblatt“, und Georg Becker. Zwar sind neue Kalendermitarbeiter hinzugestoßen wie Lothar Schmidt als Zeichner und Ingrid Groschke aus Lübben mit Finsterwalder Wurzeln, die ebenfalls als Zeichnerin helfen will, aber der Verein braucht vor allem junge heimatgeschichtlich interessierte Leute. Die können sich gern melden unter https://sites.google.com/site/hkmlfinsterwalde/ueber-uns oder der Rufnummer 03531 603458. Der neue Heimatkalender kann für 7 Euro käuflich erworben werden.