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Erinnern an die Wende in Doberlug-Kirchhain

Doberlug-Kirchhain. Vor 25 Jahren haben die Einwohner von Doberlug-Kirchhain aufregende Tage erlebt. Was heute als "politische Wende" bezeichnet wird, steht am Donnerstag im Mittelpunkt des monatlichen Vortragsabends des Bürger- und Heimatvereins Doberlug-Kirchhain und Umgebung. Heike Lehmann

Schwerpunkt soll der Runde Tisch von 1989/90 sein. Akteure von damals werden den Abend gestalten.

Zu ihnen gehört der bis heute einzige Ehrenbürger der Stadt, Pfarrer Rainer Schröder. Er hat den Wendeprozess in der Stadt entscheidend mitgestaltet, Dialoge befördert und ganz sicher geholfen, Eskalationen zu verhindern. 1991 übernahm er eine Pfarrstelle in Brandenburg, wo der 72-Jährige bis heute lebt. Rainer Schröder und Bernd Heinke, damals noch Student und Absolvent, Zeitzeuge und inzwischen Mitglied im Heimatverein und viele Jahre für den CDU-Stadtverband kommunalpolitisch tätig, werden den Abend moderieren. Heinke hat das Thema noch einmal präzisiert: "25 Jahre Runder Tisch - ein Gesprächsabend zum Reflektieren, Erinnern und Weiterdenken". Heinke sagt: "Wir konzentrieren uns auf die Zeit zwischen Oktober 1989 und Mai 1990, als die Kommunalwahlen stattgefunden haben." Und Heinke hofft: "Vielleicht können wir das Podium noch flexibel erweitern."

Wer auf jeden Fall der Einladung folgen wird, ist Walter Lange, der letzte SED-Bürgermeister der Stadt, der damals bewusst das Gespräch mit verschiedenen Leuten aus der Kirchengemeinde gesucht hat. Pfarrer Schröder erinnerte sich im Januar 2014: "Der SED-Bürgermeister saß auf der einen Seite, ich auf der anderen. Wir waren zwar nicht immer einer Meinung, aber wir konnten miteinander reden."

Der erste Runde Tisch hat am 14. Dezember 1989 im Rathaus getagt. "Davor gab es schon zwei sogenannte Rathaus-Gespräche", erinnert sich Bernd Heinke. Auch daran, dass viele Kirchhainer die Leipziger Ereignisse und jene auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking stark bewegt haben und sie dadurch "wacher geworden sind".

Ganz sicher wird am Donnerstag der 18. Oktober 1989 eine gewichtige Rolle spielen. Der Physiker Hans-Jürgen Fischbeck von "Demokratie jetzt" sprach über Forderungen und Ziele der DDR-Bürgerbewegung in der rappelvollen Kirchhainer Kirche. Und noch einmal so viele Menschen standen draußen, wo Lautsprecher installiert waren. Insgesamt sollen bis zu 2000 Menschen an diesem Tag auf den Beinen gewesen sein. "Das war die Wende in Doberlug-Kirchhain", legt sich Bernd Heinke fest. Er wünscht sich, dass der Heimatverein am Donnerstag nicht unter sich bleibt. Am Ende sollte alle der Gedanke tragen, dass sich Demokratie nicht von selbst macht, sondern von Menschen gemacht wird.

Donnerstag, 16. April, 19 Uhr, Technische Ausstellung, Gerberstraße