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Polizei rüstet auf
Elbe-Elster-Polizei: Mit Maschinenpistole und Titanhelm

Die neue Anti-Terror-Ausrüstung bei der Polizeiinspektion Elbe-Elster – demonstriert von Polizeioberkommissar Marco Böhm.
Die neue Anti-Terror-Ausrüstung bei der Polizeiinspektion Elbe-Elster – demonstriert von Polizeioberkommissar Marco Böhm. FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. Auch die Streifenpolizisten in Elbe-Elster verfügen jetzt über eine Anti-Terror-Ausrüstung. Von Heike Lehmann

Die Angst vor Terroranschlägen ist inzwischen leider  allgegenwärtig. Aber auch auf andere lebensbedrohliche Einsatzlagen wie Banküberfälle oder Amokläufe müssen die Brandenburger Polizisten vorbereitet sein. Deshalb bekommen Polizisten landesweit eine neue Anti-Terror-Schutzausrüstung. Die ist nun auch in Elbe-Elster angekommen. Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Prignitz sind die letzten Polizeiinspektionen in Brandenburg, die ausgestattet wurden.

Thomas Ballerstaedt, Leiter der Polizeiinspektion Elbe-Elster, bestätigt: „Eine lebensbedrohliche Einsatzlage können wir auch fern der Metropolen nicht mehr ausschließen. Wenn auch die Gefahr nicht vergleichbar ist mit der in europäischen Großstädten.“ Als Beispiel nennt er, dass im vergangenen Jahr in Herzberg ein Mann im Zug zwei Waffen gezogen habe. Man wisse, dass es illegal Waffen in der Bevölkerung gebe. „Bei allen Großveranstaltungen haben wir den Anschlag mit dem Lkw vom Berliner Weihnachtsmarkt im Hinterkopf. Wir führen deshalb auch Gespräche mit dem Veranstalter vom Finsterwalder Sängerfest.“ Doch das Sondereinsatzkommando (SEK) aus Potsdam bräuchte etwa  90 Minuten, bis es in Elbe-Elster eingreifen könne. Da kann es schon zu spät sein.

Deshalb werden landesweit Erst­interventionskräfte vor Ort ausgebildet und ausgerüstet. „Das heißt, jede Polizeiinspektion bekommt vier neue Waffen samt Schutzausrüstung“, sagt Ballerstaedt, der die extra gebildete Landesarbeitsgruppe leitet. „Erste Überlegungen gab es nach den Anschlägen in Paris 2015. Wir haben es mit einer neuen Vorgehensweise und zum Teil mit militärisch ausgerüsteten und ausgebildeten Tätern zu tun.“

Vier neue Maschinenpistolen MP7, Helme und Schutzwesten rollen seit Februar bei Einsätzen auf den Streifenwagen durch Elbe-Elster mit. Umsteigen muss man nicht zuletzt deshalb von den bisherigen VW Passat auf die größeren VW T6 und Mercedes Vito. Die Ausbildung und das Training der Beamten werde sich dagegen noch bis Ende 2019 hinziehen.

Die neue MP7 mit optischem Visier und Lichtmodul hat eine Reichweite von 150 Metern und mit ihren 4,6 Millimeter-Vollmantelgeschossen mehr Durchschlagskraft als das Vorgängermodell. Die neuen Schutzwesten halten selbst einer Kalaschnikow stand. Sie haben eine zusätzliche Frontplatte vor der Brust und decken mehr Körperfläche ab. Doch: Satte elf Kilogramm zusätzlich hat der Beamte damit auf dem Leib. Dennoch lässt sie genug Bewegungsfreiheit.

Der 1,3 Kilogramm schwere Schutzhelm aus Titan halte dem Beschuss stand, versichert Ballerstaedt. Er weiß: „Bei einer Schießerei in einer Disko in Konstanz ist ein Kollege am Kopf getroffen worden. Der Helm hat standgehalten und den Beamten geschützt.“

Natürlich müssen die Beamten an der neuen Waffe ausgebildet werden. Landesweit sind bereits mehr als 1000 Polizisten geschult, in Elbe-Elster sind es 30 Polizisten, „alle, die regulär im Streifendienst sind“, informiert der Chef der Polizeiinspektion. „Die Ausbildung an der Waffe ist durch.“ Mit einer speziellen Trainingsmunition erfolgte die Schießausbildung auf der eigenen Schießanlage.

Momentan läuft die taktische Ausbildung. Dazu drücken die Polizisten eine Woche an der Fachhochschule bei Oranienburg die Schulbank und üben die Praxis. Wie bewegt man sich im Ernstfall?  Wie agiert man im Zusammenspiel mit mehreren Beamten? Wie schafft man es, die Täter einzugrenzen? Gestartet wurde im Februar mit der Bereitschaftspolizei und der Flughafenpolizei. Es folgen die Polizeibeamten aus Potsdam und Cottbus. „Der ländliche Raum ist zuletzt dran“, räumt Ballerstaedt ein.

Teil drei der Ausbildung ist die taktische Einsatzmedizin. „Diese  zwei Tage sind notwendig, weil sich unsere Erste-Hilfe-Ausbildung bisher auf dem Niveau eines Kraftfahrers bewegt. Jetzt geht es auch darum, wie man eine Wunde versorgt und jemanden in Deckung bringt.“ An dieser Stelle wird deutlich, dass die Polizisten, wie auch andere Rettungskräfte, ihr Leben riskieren, um andere zu schützen. Möge die neue Ausrüstung möglichst nur präventiv auf dem Streifenwagen rollen, ohne selbst zum Einsatz zu kommen.