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| 16:59 Uhr

Straußenleder-Gerberei
Laden wie Leder: Jedes Stück ein Unikat

 In der vierten Generation führt Paul Höppner die Familien-Gerberei. Spezialisiert hat er sich auf Straußenleder - und das ist einmalig in Deutschland.
In der vierten Generation führt Paul Höppner die Familien-Gerberei. Spezialisiert hat er sich auf Straußenleder - und das ist einmalig in Deutschland. FOTO: LR / Japke
Doberlug-Kirchhain. Paul Höppner führt, nach eigenen Aussagen, die einzige Straußenleder-Gerberei in Deutschland. Die Kundschaft geht ihm nicht aus. Probleme bereitet ihm allerdings fehlender Nachwuchs. Von Josephine Japke

Meterhoch stapeln sich die Lederhäute in der Gerberei von Paul Höppner. Fuchs, Waschbär, Mader und vor allem: Türme voller Straußenleder. Schneeweiß mit ihrer einzigartigen Noppen-Prägung liegen sie da und warten auf Weiterverarbeitung. „Straußenleder ist nach dem vom Krokodil das teuerste Leder der Welt. Wir sind die einzigen in ganz Deutschland, die es noch gerben“, erklärt Paul Höppner stolz. Die boomende Nachfrage führt aber auch zu Problemen. Denn: Paul Höppner schmeißt den Laden (fast) allein.

Die Gerberei wurde 1886 das erste Mal amtlich erwähnt. In der vierten Generation führt Paul Höppner diese Familientradition nun fort. An der Wand hängen schwarz-weiß Bilder von früher, als die Lederhäute in der vor dem Haus verlaufenden Elster gewaschen wurden. „Als es noch Wasser in der Elster gab“, meint Paul Höppner etwas scherzhaft.

Gerberei ist traditionelles Handwerk

Heute, viele Jahre später funktioniert die Gerberei etwas anders, wenn auch immer noch traditionell. Die gesalzenen und damit länger haltbar gemachten Häute kommen bei ihm an und werden dann in großen Fässern gewaschen. Über Nacht bekommen sie eine Salzsäure-Lösung verpasst, ehe sie am nächsten Tag abermals per Hand gereinigt werden. Zurück im Fass kommt die Gerbung, anschließend wird das Leder zum Trocknen angenagelt. Ist alles fertig, misst eine Maschine aus den 1930er Jahren die Fläche des Leders, ehe es zur Färbung geht.

FOTO: LR / Japke

Pink, grün, gelb – alle Farben sind möglich. „Besonders beliebt sind aber schwarz, dunkelbraun und cognac“, sagt Höppner. Erst kürzlich wollte ein Unternehmen sein 600-Quadratmeter-Büro in einem der Hochhäuser in Frankfurt /Main komplett mit Straußenleder auskleiden. Über 100 Häute hat der Kunde angefordert. Höppner stellte das vor Herausforderungen. Nicht zuletzt, weil nur eine weitere Teilzeitkraft ihn beim Gerben unterstützt.

Suche nach Nachfolger gestaltet sich schwierig

„Man findet einfach niemanden, dabei suche ich dringend einen Nachfolger“, erklärt der Gerber verzweifelt. Gelernte Kräfte, so sagt er, würde man heutzutage eh nicht mehr kriegen. Doch auch an qualifizierten Quereinsteigern mangele es. „Ich bin Meister und darf sogar ausbilden. Wäre alles kein problem: Bei mir könnte die Praxis erlernt werden und die Theorie auf einer Schule in Freiberg“, sagt er. Doch es ließe sich einfach niemand finden. Nicht zuletzt auch, weil die Arbeitseinstellung bei vielen heute nicht mehr stimmen würde.

Dabei wären weitere Arbeitskräfte wegen der hohen Nachfrage nach Straußenleder notwendig. Schon jetzt hat Höppner so viele Aufträge auf dem Tisch wie im gesamten letzten Jahr. „Und wir haben noch vier Monate vor uns“, sagt er. Eine Sieben-Arbeitstage-Woche ist da vorprogrammiert.

Sorgen um den Tierschutz seien nicht nötig

Auch in den kommenden Wochen wird der Arbeitsstrom nicht abreißen, denn jetzt beginnt die „Winterarbeit“. Weil von September bis März Jagdsaison ist, kommen jede Woche frische Felle von Füchsen, Waschbären und Madern rein, die er verarbeiten soll. Daraus werden dann Mützen, Muffs und Decken hergestellt. Die Diskussion von Tierschützern, dass das Tierquälerei sei, kann Höppner nicht nachvollziehen. „Das ist alles Überpopulation. Die Tiere werden nicht wahllos geschossen, sondern ausgewählt und weiterverarbeitet“, sagt er und erzählt von einer Kundin, die wegen ihres Pelzkragens angegriffen wurde.

Trotz aller Widrigkeiten will sich Paul Höppner den Spaß an seinem Beruf nicht nehmen lassen. „Ich höre erst auf, wenn man mich in der Kiste hier raus trägt“, sagt er und macht sich wieder an die Arbeit.

 Die Straußenleder kann er in allen Farben des Regenbogens einfärben. Besonders beliebt sind allerdings schwarz, dunkelbraun und cognac.
Die Straußenleder kann er in allen Farben des Regenbogens einfärben. Besonders beliebt sind allerdings schwarz, dunkelbraun und cognac. FOTO: LR / Japke