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| 02:38 Uhr

Einer bekommt vom Prinzen sein Fett weg

Karnevalsprinz Manfred III. stammt aus dem Rheinland und krönt seine karnevalistische Karriere beim Sängerkarneval in Finsterwalde.
Karnevalsprinz Manfred III. stammt aus dem Rheinland und krönt seine karnevalistische Karriere beim Sängerkarneval in Finsterwalde. FOTO: Gabi Böttcher
Finsterwalde. Die Jecken haben in Elbe-Elster die Macht übernommen. Bei vielen Veranstaltungen geben sie ihrem Affen Zucker und begeistern Karnevalfans. Die RUNDSCHAU stellt die Jecken, ihre Vereine und die Programme vor. Mit dem Prinzen des Sängerkarnevals geht das närrische Personaltableau weiter. Gabi Böttcher

Einen gebürtigen Rheinländer zu bitten, als Prinz des Sängerkarnevals in Finsterwalde Verantwortung zu übernehmen, scheint abenteuerlich. Aber nur auf den ersten Blick und ohne den Gefragten zu kennen. Für Manfred Schäfer (64), der gut 20 Jahre im Vorstand der Sparkasse Finsterwalde beziehungsweise von 2004 bis 2011 als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Elbe-Elster "regiert" hatte, war es höchste Zeit, in das Prinzen-Amt zu wechseln. Denn als Rheinländer hat er Karneval quasi in den Genen. "Ich war schon als Jugendlicher immer aktiv im Karneval - ob bei den Straßenumzügen, beim Maskenball oder als Jugendprinz", erzählt der inzwischen in der Sängerstadt fest verwurzelte, in der Karnevalshochburg Ahrweiler gebürtige Manfred Schäfer. Auf sein Konto geht die seit dem Jahr 2004 am Rosenmontag in der Finsterwalder Sparkassenfiliale gefeierte närrische Zeit. Ob mit Maske und Umhang oder in einer Krachledernen - Manfred Schäfer hat sich hier jedes Mal als Freund der fünften Jahreszeit kräftig ins Zeug gelegt.

"Seit 1992 war ich regelmäßig bei den Veranstaltungen des MCE", räumt er auch den letzten Zweifel an der Passgenauigkeit eines Ex-Bankers und eines Karnevalsprinzen aus. Und dann das Sahnehäubchen: "Es ist für mich eine besondere Freude und eine Ehre, dass ich gefragt wurde. Es brauchte weder vieler Argumente noch war ich betrunken, als ich zusagte." Lediglich wenige Stunden Bedenkzeit hatte er sich wegen des Überraschungseffektes beim Elferratsvorsitzenden Thomas Freudenberg erbeten.

Lebensgefährtin Ines Pierdel als Prinzessin an seine Seite zu holen, schlug zwar fehl. Aber Frau Ines wird mit ihrer Mutter gleich beim Auftakt am Samstag, 23. Januar, dem Prinzenpaar zujubeln. Erst an diesem Abend wird die Prinzessin öffentlich bekannt. Ebenso geheim ist bis dahin, wer vom Prinzen sein Fett wegbekommt. "Einer ist es, ansonsten bin ich lieb und nett", macht Prinz Manfred auf seine Begrüßung neugierig.

Bei seiner Antrittsrede am 14. November hatte er noch mehr ausgeteilt. Darüber sei aber kontrovers diskutiert worden, sodass er sich nun zurücknehmen werde. Getreu dem § 10 des Kölschen Grundgesetzes "Kenne mer nit, bruche mer nit, fott do met". Was übersetzt heißt: Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit.

Ginge es jedoch nach Manfred Schäfer, dann hätte der Karneval mehr was vom Till Eulenspiegel, mehr politischen Touch. Doch er stellt sogleich klar: "Der Sängerkarneval ist kein Klamauk, das ist hoch professioneller Karneval. Mit diesen Programmpunkten kann man sich auf jeder Karnevalsbühne sehen lassen. Schade, dass nicht mehr davon bei ,Hier steppt der Adler' in Cottbus zu sehen ist." Auf alle Fälle ist da das inzwischen deutschlandweit bekannte Männerballett dabei. Das rbb-Fernsehen sendet die Karnevalsgala übrigens am Sonntag, 7. Februar, 20.15 bis 22.30 Uhr.

Bei dieser Gala würde Manfred III. mit seinem maßgeschneiderten Kostüm ganz sicher auch eine gute Figur machen - in dunkelgrünem Samt mit goldenem Besatz, mit Umhang und drei Fasanenfedern an der Prinzenkappe. Eine größere vierstellige Summe hat er dafür ausgegeben. Das Wappen auf der Brust ist in den Finsterwalder Farben und mit Wasserturm und Rathaus selbst entworfen. All onger eene Hoot (alle unter einem Hut) ist auf Rheinländisch darauf zu lesen. 25 Jahre nach der "Flucht über die offene Grenze" fühlt sich Manfred Schäfer mittlerweile als echter Finsterwalder. Das hatte er bei seiner Prinzen-Antrittsrede verkündet.

Sein Kostüm hat er sich in der alten Heimat fertigen lassen, den Höhepunkt seines karnevalistischen Lebens erlebt er nun allerdings in der neuen Heimat - als Prinz beim 63. Sängerkarneval in Finsterwalde.

Zum Thema:
Unter dem Motto "Eingeschifft und festgemacht, auf dass es heut im Hafen kracht” machen sich die Jecken des Männerchores Einigkeit (MCE) seit Monaten für den 63. Sängerkarneval fit. Der Hafen liegt an der Gaststätte Alt-Nauendorf Finsterwalde. Gestartet wird am Freitag, 23. Januar, 18.30 Uhr, mit dem Seniorenkarneval. Es folgen am 29. Januar der Jugendkarneval, am 30. Januar der Sängerkarneval, am 31. Januar der Kinderkarneval sowie am 5. und 6. Februar der Sängerkarneval. Am 7. Februar wird zum Frühschoppen eingeladen und das große Hafenfest zum Abschluss folgt am Rosenmontag, 8. Februar. Restkarten: über www.mce-finsterwalde.de oder an der Abendkasse.