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| 11:38 Uhr

5 Minuten Heimatgeschichte
Eine Zierde der Stadt

Der Finsterwalder Markt mit Blick auf das Rathaus zeigt das Pflaster aus dem Jahre 1856. Eine Unmenge Feldsteine wurde verarbeitet. Diese Kunstdruckpostkarte stammt aus der Zeit um 1900 und liegt im Archiv des Kreismuseums Finsterwalde.
Der Finsterwalder Markt mit Blick auf das Rathaus zeigt das Pflaster aus dem Jahre 1856. Eine Unmenge Feldsteine wurde verarbeitet. Diese Kunstdruckpostkarte stammt aus der Zeit um 1900 und liegt im Archiv des Kreismuseums Finsterwalde. FOTO: Rainer Ernst
Finsterwalde. Wie ein Feuer dem Markt zur ersten Verschönerungskur verhalf. Von Rainer Ernst

Der Finsterwalder Markt war sicherlich noch nie so schön wie jetzt. Der bunte Blumenschmuck setzte dafür in den letzten Tagen den i-Punkt. Insgesamt beeindruckt der Platz durch seine geräumige Gestaltung. Allerdings schuf dafür erst ein Unglück, das leicht zu einer Katastrophe für die ganze Stadt hätte werden können, die Voraussetzung.
Auf dem Marktplatz, nahezu den gesamten Nordostteil einnehmend, befand sich einst eine Brauerei. Ihre Grundfläche einschließlich eines an der Nordwand angesetzten Kühlhauses überschritt mit 3981 Quadratruthen sogar deutlich die des Rathauses. Also ein ziemlicher – wahrscheinlich auch unförmiger – Koloss, der ein Opfer der Flammen wurde. In der Nacht vom 26. zum 27. August 1847, dieses genaue Datum kann hier erstmals nachgewiesen werden, brannte die Brauerei völlig aus. Finsterwalde hatte Glück im Unglück. Das Feuer griff nicht auf die benachbarten Häuser über, die Stadt blieb verschont.

Der Markt heute. Die drei hinteren „Blumen“-Laternen markieren etwa die Nord-Süd-Ausdehnung der Brauerei.
Der Markt heute. Die drei hinteren „Blumen“-Laternen markieren etwa die Nord-Süd-Ausdehnung der Brauerei. FOTO: Rainer Ernst

Nun ergab sich freilich die Frage, wie es mit der Brauerei und der Brandstelle weiter gehen sollte. Bürgermeister Rehme, gleichzeitig Chef der Brau-Commune, der Magistrat und schließlich die Stadtverordneten, meist selbst Mitglieder der Brau-Commune, wollten natürlich auf das hier gebraute Bier nicht verzichten. Aber andererseits bestand sofort Konsens, dass „die Brandstelle aus polizeilichen Rücksichten und aus Rücksichten für das allgemeine Beste der Stadt nicht wieder verwendet werden“  könne. Die Brau-Commune, also der Zusammenschluss aller Besitzer von brauberechtigten Grundstücken, verzichtete vernünftigerweise auf diese Stelle, die ohnehin „für einen guten Brauereibetrieb selbst nicht entsprechend“ geeignet war. Als Gegenleistung bot die Stadt-Commune im Norden Finsterwaldes auf dem Weinberg einen anderen Standort für die Brauerei. Schon 1849 war dieser Neubau fertig.

Der Bürgermeister, die Magistratsmitglieder und die Stadtverordneten erkannten sofort, dass der Brand eigentlich einen Segen für den Finsterwalder Marktplatz darstellte, der nun vergrößert und vor allem verschönert und somit zu einer „Zierde der Stadt“ gestaltet werden konnte. Nicht nur die Ruine wollte man abreißen und die Brandstelle einebnen, sondern das ganze Areal zwischen Rathaus und Großer Ringgasse sollte ein neues Pflaster, neue Abwasserrinnen (auch wegen der beiden Stadtbrunnen) und entlang der beiden Häuserreihen sehr breite Bürgersteige erhalten. Allerdings zerschellten diese guten Absichten zunächst. Die Stadtverordneten drückten in ihrer Sitzung am 28. März 1848, also zehn Tage nach Ausbruch der Revolution in Berlin „unter den gegenwärtigen Zeitumständen und Verhältnissen“ auf die Bremse. Die veranschlagten 1400 Taler erschienen nicht aufbringbar, zumal gerade für eine Chaussee 3500 Taler Anleihen aufgenommen waren und der preußische Staat die Einrichtung von Gerichts- und Gefängnisräumen forderte. Dafür mussten 3000 Taler vorgehalten werden. Deshalb wurde das Marktprojekt zurückgestellt und der Hoffnung anvertraut, dass seine Verwirklichung „der nächsten Zeit vorbehalten bleiben“ möge.

Diese Zeit brach mit dem Jahre 1856 an. Rehme fungierte wieder als Initiator. Er brachte die Marktpflasterung, die „unter dem Einflusse der Märzereignisse des Jahres 1848 unterblieben“ war, wieder auf die Tagesordnung der städtischen Gremien. Er argumentierte,  das aus dem Jahre 1804 stammende Pflaster sei nun so schlecht, dass Finsterwalde als  Handelsort mit seinem „sehr starken Marktverkehr“ in Gefahr gerate. Am 27.2.1856 stimmten die Stadtverordneten den kaum veränderten Planungen aus dem Jahre 1847/48 zu. Anfang November war das Werk vollbracht, in dem Dutzende von Fuhren Sand aus den Weinbergen, eine größere Zahl gehauener, aber vor allem eine Unmenge Feldsteine steckten. Diese hatten  die Dörfer der Umgebung Gröbitz, Lichterfeld, Groß- und Kleinbahren, Massen, Presehna (Birkwalde), Nehesdorf, Münchhausen, Betten, Eichholz, Drößigk und Lugau geliefert. Steinsetzermeister C. Grundig, der  das Projekt ausführte, überschritt den Kostenplan des Jahres 1847 nur um 31 Taler. Erstmals war nun der Finsterwalder Markt zu einer Zierde der Stadt geworden.

Zitate und Fakten aus: Stadtarchiv Finsterwalde Rep 8, Nr. 110 und Kreisarchiv EE, Bestand Finsterwalde, Nr. 899.