Bevor es zur umfangreichen Feldbeobachtung mit Detektoreinsatz, Netzfang, Ausflugbeobachtung und Lichtfang von Insekten ging, präsentierte Dr. Thomas Spillmann-Freiwald aus Lindena noch einen Nabu- Film über die possierlichen Tierchen und die Arbeit der Fledermausschützer. Der Förderverein Orgelzentrum Schloss Sonnewalde mit Brigitte Lehmann und Inge Hüttig sicherte die Versorgung für die Teilnehmer der langen Nacht der Beobachtung.
Vom Lehrer im Ruhestand Adolf Weber aus Massen, der seit 1992 Mitglied im Nabu ist, war zu erfahren, dass über die im Landkreis vorkommenden Arten, ihre Sommer- , Winter- und Jagdquartiere noch bis vor zehn Jahren relativ wenig bekannt war. Von den 23 in Mitteleuropa nachgewiesenen Arten sind 18 im Land Brandenburg heimisch, und im Altkreis Finsterwalde konnten bisher 15 Spezien geortet werden.
Bei uns lebende Fledermausarten sind ausschließlich Insektenfresser. Eine Gruppe von 50 Tieren vertilgt pro Jahr über 20 Kilogramm Schad insekten, bei eigenem Körpergewicht beispielsweise der Wasserfledermaus von etwa 15 Gramm. „Milan Podany ist der Vater der Fledermauserfassung im Altkreis Finsterwalde. Er hatte bereits 1984 erste Quartiere kartiert und erfasst. Doch bezogen auf die gesamte Kreisfläche herrschte noch bis vor fünf Jahren terra incognita bezüglich der fliegenden Säugetiere“, erzählte Korrell.
Für Bürgermeisterin Silke Neisser war fasziniert: „In Vorbereitung des Abends begeisterte Herr Korrell mit seinen Ausführungen derart, dass ich unbedingt miterleben wollte, wie Fledermäuse gefangen, bestimmt und wieder in die Natur entlassen werden. Ich bin gespannt, wie viele Arten ins Netz gehen. Wir finden hier im alten Kellergewölbe des Schlosses und in der Kirche Quartiere vor, was zugleich touristisch interessant ist. Am Sonntag zum Tag des Denkmals werden um 11 und um 14 Uhr Führungen durch das alte Kellergewölbe geboten.“
Dr. Jan Hoffmann, gebürtiger Sonnewalder und inzwischen Umweltjurist am Zentrum für Rechts- und Verwaltungswissenschaften der TU Cottbus, nutzte mit Ehefrau Astrid und Töchterchen Merit (4) die Chance zur soliden Information. „Wir sind an Natur und Naturschutz generell interessiert. Doch wenn es wie hier, um geschützte Arten geht, die auf der roten Liste stehen, sind wir schon sehr gespannt, Näheres zu erfahren und darauf, wie viele Arten heute Nacht nachgewiesen werden können“, erklärte er.
Juliane Kupsch aus Frankfurt am Main sieht selbst in der Großstadt des öfteren die Tiere fliegen. „Ich bin in Sonnewalde groß geworden, gerade zu Besuch und da nutze ich gern diese wunderbare Gelegenheit, mich genauer zu informieren“, erklärte sie.
Constanze Eiser aus Rehain, seit 1984 Lehrerin in Finsterwalde und Leiterin einer AG Junge Naturschützer, inzwischen am Sängerstadt-Gymnasium tätig, war mit 15 Schülern der Einladung zur Veranstaltung gefolgt. Sie habe bestimmt 500 junge Menschen in ihrer bisherigen Tätigkeit für den aktiven Naturschutz begeistert und hoffe, auch mit dieser Teilnahme an der ersten Fledermausnacht, in den Schülern das Bewusstsein für den Erhalt der unwiederbringlichen Natur zu festigen.
Willi Vogel (12) aus Lichterfeld war mit Bruder Tim (6) und Kumpel Stefan Richter total begeistert. Drei Zwergfledermausmännchen wurden bestimmt, „und ich hab die streicheln dürfen: Die sind ganz weich und die Flügel ganz zart. Bei uns im Land sollen 16 bis 18 Arten vorkommen. In den drei superweichen großen Netzen, acht Meter hoch und 15 Meter lang, verfingen sich auch Tierchen. Die verschiedenen Arten sind über den Ultraschalldetektor auf verschiedenen Frequenzen zu hören, auf 45 Khz die Wasserfledermaus, auf 20 Khz der Abendsegler“, schwärmte er.
Bei Lutz Krause, Hobby-Entomologe aus Finsterwalde, waren am weißen Leinentuch dann tausende Tiere von Fliegen über Mücken bis hin zu Nachtfaltern, die alle als Futter für die Fledermäuse dienen, zu beobachten. Sein Vater leitete vor Jahren eine AG Ornithologie und so beschäftigt sich Krause auch schon seit über 35 Jahren mit der Natur, doch ganz besonders mit den Schmetterlingen. Er hat schon in Jagdquartieren von Fledermäusen tausende Schmetterlingsflügel gefunden.