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Eine Million Kilometer ohne Unfall unterwegs

Stolz klebt Hartmut Kapitzke das "Goldene Lorbeerblatt" an seine Windschutzscheibe. Verkehrswächter Konrad Müller (l.) hat es überreicht.
Stolz klebt Hartmut Kapitzke das "Goldene Lorbeerblatt" an seine Windschutzscheibe. Verkehrswächter Konrad Müller (l.) hat es überreicht. FOTO: dbe
Finsterwalde. Waren es 25 oder doch schon 26 Autos? Hartmut Kapitzke hat mit dem Zählen aufgehört. Der heute 77-Jährige ist ein Autonarr – "mein Spleen, mir immer wieder neue Autos zu kaufen", sagt der Finsterwalder. Dieter Babbe

Bereits mit 18 Jahren hatte er den Führerschein in der Tasche, mit 19 besaß er sein erstes Auto, einen F7 Cabrio. Von da an ist Hartmut Kapitzke nicht nur privat in der DDR, auch in Polen, vor allem aber beruflich viel auf den Straßen zu Hause. "1958 habe ich im Auftrag vom Rat des Kreises die PGH Frieden in Finsterwalde in der Schacksdorfer Straße gegründet. Da musste ich viel unterwegs sein, kreuz und quer durch die DDR", erinnert sich der gelernte Autoschlosser, der seinem Beruf und seiner Firma, die nach der Wende zum Opel-Autohaus wurde, bis zur Rente treu blieb.

Auf geschätzte eine Million Kilometer hat es Hartmut Kapitzke in den fast 60 Jahren hinterm Steuer von Moskwitsch, Saporosch, Trabant, Wartburg, Skoda, Ford und Fiat, um nur einige seiner Automarken zu nennen, gebracht. Und, darauf legt er besonderen Wert, in all den Jahrzehnten hat er keinen einzigen Unfall gebaut. Nur einmal hat es vor seinem Haus gekracht - "da ist mein Nachbar bei der Ausfahrt auf mein geparktes Auto gebrummt, ich saß aber nicht drin." Auch für Knöllchen hat er bisher nur ein einziges Mal Geld ausgegeben: "Auf der Autobahn bin ich zehn km/h zu schnell gefahren, wurde geblitzt und musste zehn Euro Strafe zahlen - das ärgert mich heute noch", gesteht der leidenschaftliche Autofahrer.

Hartmut Kapitzke verrät, wie man als Vielfahrer so sicher durch ein ganzes Autofahrerleben fährt: "Ich bin auf den Straßen kein Bummler, fahre aber vorschriftsmäßig. Wenn 100 erlaubt sind, fahre ich 100, wenn nur 30, dann fahre ich auch nur 30. Auf der Autobahn komme ich auch mit Tempo 130 zum Ziel."

Das verdient Anerkennung! Sagen die Verkehrswächter, die den vorbildlichen Autofahrer dieser Tage in seiner Wohnung überrascht haben. Hartmut Kapitzke ist mit dem "Goldenen Lorbeerblatt" ausgezeichnet worden. Den goldenen Aufkleber hat er gleich stolz an die Windschutzscheibe seines Pkw geklebt. "Für jedermann und auch bei Polizeikontrollen sofort erkennbar: Hier sitzt ein vorbildlicher Kraftfahrer am Steuer", erklärt Konrad Müller von der Kreisverkehrswacht Elbe-Elster bei der Ehrung.

Ob der Mercedes, den Hartmut Kapitzke jetzt fährt, sein letztes Auto sein wird, weiß der 77-Jährige noch nicht. "Wenn ich aber merke, dass ich Verkehrsschilder nicht mehr rechtzeitig erkenne oder sonst unsicher fahre, lege ich die Autoschlüssel weg", ist sich der Autonarr sicher. Auf den Fall will sich seine Frau Margit, die lieber Fahrrad als Auto fährt, schon mal vorbereiten. Die Kreisverkehrswacht hat sie dazu eingeladen, auf dem Übungsplatz in Massen ein paar Übungsstunden mit dem Pkw zu nehmen. Anmeldungen für alle Interessenten unter: 03531 501901.

Übrigens: Unter dieser Telefonnummer kann man auch die Ehrung von Kraftfahrern, die langjährig unfallfrei fahren, beantragen.