| 02:38 Uhr

Eine Kontaktbörse ganz anderer Art

Bereits um 10 Uhr war die Sporthalle der Oscar-Kjellberg-Oberschule in Finsterwalde dicht gefüllt. Das Interesse an der Ausbildungsmesse des Landkreises ist auch im 19. Jahr ungebrochen hoch.
Bereits um 10 Uhr war die Sporthalle der Oscar-Kjellberg-Oberschule in Finsterwalde dicht gefüllt. Das Interesse an der Ausbildungsmesse des Landkreises ist auch im 19. Jahr ungebrochen hoch. FOTO: M. Claus/mcl1
Finsterwalde. Die Ausbildungsmesse im Landkreis Elbe-Elster bleibt eine Erfolgsgeschichte. Schon um 10 Uhr waren am Sonnabend die Stände der knapp 80 Aussteller in der Oscar-Kjellberg-Sporthalle in Finsterwalde dicht umringt. Mona Claus / mcl1

Der eine will Kfz-Mechatroniker oder Tischler werden, der andere Großhandelskaufmann, vier junge Damen aus dem Sängerstadt Gymnasium sind noch komplett orientierungslos. Paul aus Bad Liebenwerda erklärt selbstsicher: "Ich werde Landwirt." Immer gut besucht sind auch die Stände von Polizei und Bundeswehr. Erzieherin ist der Traumberuf vieler Mädchen, die den Weg dorthin dann auch ziemlich geradlinig gehen würden. "Die jungen Männer hingegen gehen erst in ein soziales Jahr", weiß Andrea Koppen, Abteilungsleiterin im Oberstufenzentrum. Mit und ohne Eltern, als Gruppe, unter Kumpels oder mit der besten Freundin - zahlreich erschienen die Jugendlichen und wollten mehr wissen über die Angebote der Unternehmen und Institutionen in der Region. Und die Firmen haben es längst erkannt: Wer Nachwuchs will, muss sich drehen. Da kommt die Ausbildungsmesse gerade recht und Regen und ein grauer Samstagvormittag bremsen nicht die Entdeckerfreude auf beiden Seiten.

Schornsteinfegermeister Kai-Uwe Schumann buhlt ebenso um Nachwuchs wie die ihm gegenüber platzierten, in Torgau beheimateten Heimerer Schulen. Lehrer Ulrich Münch schwört auf das tolle Lehrer-Schüler-Verhältnis, die modernen Unterrichtsräume, die hohe Vermittlungsquote von Absolventen und mit einer zentral gelegenen Bildungseinrichtung. Dustin Richter und Sebastian Schlensog, Industriekaufmann und Dualstudent im Bereich Medien- und Kommunikationswissenschaften, zeigen mit dem Planbar-Magazin nicht nur ein Ergebnis ihres Tuns bei der Lausitzer Rundschau, sie schwärmen auch von der Vielfältigkeit des Bildungsangebotes der Heimatzeitung. Gestaunt wird, was im Unternehmen ODW Frischprodukte in Elsterwerda an Ausbildungsberufen im Portfolio zu finden ist - acht Ausbildungsberufe. Personalleiterin Dr. Martina Mönicke erklärt: "Bisher haben wir keine Nachwuchssorgen, aber man muss weiter denken. Milchtechnologen zum Beispiel bekommen es bei uns ordentlich mit Hightech zu tun."

Maily (17), Sophia (17), Sarah (19) und Tina (18) bemängeln: "Wir haben in der Schule zu wenig Zeit, die Praxis kennenzulernen." Ein einziger Praktikumszeitraum in der 9. Klasse, das sei zu wenig, meinen sie. Andere Befragte kritisieren ebenso, dass zu wenig Zeit für Praxislernen im Lehrplan zu finden ist. Selbst zwei Möglichkeiten in den Klassenstufen 9 und 10 seien zu wenig.

Die Aussteller sind gut vorbereitet, haben die eigenen Azubis im Gepäck und bieten somit einen 1:1-Austausch auf Augenhöhe. Die Jugend honoriert es. Manchmal sind es aber auch die Eltern, die ihren Sprösslingen beim Fragen zuvorkommen.

Die Ausbildungsfibel des Landkreises hilft, unbeantwortete Fragen zu klären. Die Personaler von Unternehmen machen deutlich: "Wir haben auch nach der Ausbildungsmesse ein offenes Ohr." Katrin Wenzel, Personalreferentin von Galfa, ist begeistert, wie Max Deutschmann, das Gesicht der Messe, für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Das Unternehmen bietet übrigens ab dem nächsten Jahr Studenten an, ihre Bachelorarbeit bei Galfa zu schreiben - ob in Verbindung mit einem halbjährigen Praktikum oder als themagebende Firma.

Der Landkreis Elbe-Elster und die Regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises haben in Kooperation mit der Agentur für Arbeit Cottbus, dem Jobcenter Elbe-Elster, der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Elbe-Elster und der Sparkasse Elbe-Elster bereits zum 19. Mal zur Ausbildungsmesse eingeladen. Aus den Händen von Finsterwaldes Bürgermeister Jörg Gampe übernimmt der stellvertretende Bürgermeister Bad Liebenwerdas, Gerd Engelmann, als Ausrichter der 20. Ausbildungsmesse den Staffelstab.

Reaktionen von der Ausbildungsmesse

Der Schüler – Paul (15), der mit seinem gleichnamigen Freund aus Finsterwalde die Ausbildungsmesse ohne Eltern besuchte: "Wir wollen weitere Informationen sammeln, wissen aber schon, dass wir entweder Tischler oder Kfz-Mechatroniker werden wollen. Auch Großhandelskaufmann haben wir noch auf der Karte.

In Unternehmen mit diesen Berufen hatten wir schon Praktika."

Die Mutter - Diana Kümmel aus Bad Liebenwerda kam mit der großen Tochter und ihrem 14-jährigen Sohn Paul zur Messe. "Die Messe ist topp, weil sie ein breites Bildungsangebot liefert. Wir wollen Paul nicht in eine Schiene zwingen. Wichtig ist, dass er eine Ausbildung ordentlich abschließt. Umsatteln kann er immer noch. Seine Schwester hat es so gemacht."

Die Personalchefin - Dr. Martina Mönicke, ODW-Frischprodukte Elsterwerda: "Wenige wissen, welche spannenden Ausbildungsberufe wir anbieten. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Mit guten Noten in den Naturwissenschaften und Mathematik hat jeder gute Chancen. Praktiker können die Waage in der Produktion für sich ausgleichen."

Zum Thema:
Die uesa GmbH aus Uebigau ist am Vorabend des Tages der Ausbildung mit dem Ausbildungsstar 2016 geehrt worden. "Der hohe Qualitätsstandard des Unternehmens hat sich weit über die Grenzen von Elbe-Elster und Brandenburg hinaus herumgesprochen", würdigte Landrat Christian Heinrich-Jaschinski in seiner Laudatio. Das Unternehmen zählt rund 360 Mitarbeiter und derzeit 20 Azubis. 146 junge Menschen begannen hier seit 1990 eine Lehre.