| 02:45 Uhr

Eine Grundversorgung wie Wasser

FOTO: Montage
Elbe-Elster. Es existiert ein humorvoller Cartoon von Ralph Ruthe, in dem ein Astronaut den Mars erkundet und seinen Kollegen auf der Erde mit einer Videobotschaft Bericht erstattet. Er zückt sein Handy und sagt: "Tag 3 der Mars-Mission: Immer noch kein Wasser gefunden – aber es gibt offenes WLAN!" Die Weltraumwissenschaftler schreien laut auf, fallen sich in die Arme und feiern, als hätte Deutschland gerade den Titel bei der Fußball-WM verteidigt. Steven Wiesner, Birgit Rudow und Frank Claus

Eine Zeichnung, die natürlich überspitzt ist, aber umso trefflicher aufzeigt, wie sich unsere Gewohnheiten und Bedürfnisse gewandelt haben. "Internet gehört mittlerweile zu unserer Grundversorgung wie Gas, Strom, Wasser und Wärme", sagt Andy Hoffmann von den Stadtwerken Finsterwalde. Er ist der Geschäftsführer jenes Betriebes, der aktuell daran arbeitet, die Stadt an öffentlichen Plätzen mit WLAN, also kabelfreiem Internet, auszustatten. Seit 2016 befinden sich die Stadtwerke diesbezüglich in der Testphase. In diesem Jahr sollen die Tests abgeschlossen und konkrete Daten und Zahlen verdichtet werden", sagt Hoffmann.

Schon mit der Einrichtung ihres Glasfasernetzes leistete die Sängerstadt Pionierarbeit in Sachen Internet. Nun soll die Stadt mit WLAN-Produkten noch attraktiver gemacht werden. Das bedeutet aber nicht, dass es in anderen Städten nicht auch schon WLAN gibt. Vor allem Cafés und Hotels bieten Internet mitunter ungefragt an. Für Josefin Beeg aus Bad Liebenwerda ist freier Internetzugang für Gäste ihres Cafés selbstverständlich. "Sie bekommen den WLAN-Schlüssel und können während unserer Geschäftszeiten surfen." Und wer keinen Kaffee oder Kuchen bestellt? "Wir schmeißen mit Sicherheit niemanden raus, der nur mal schnell im Internet was suchen will."

Das wollte auch Christian Graf aus Herzberg nicht tun, als er merkte, dass manche Gäste seines Cafés mehr Gigabytes beim Surfen verbrauchten als Getränke bestellten. "Manche haben sich Stunden lang an einem Tee festgehalten, ihre Internet-Geschichten gemacht und die Plätze besetzt. Da habe ich nur draufgezahlt." Sein Lokal sollte nicht zu einem kostenlosen Internet-Café verkommen. Also schaffte Graf das WLAN wieder ab. "Es ist kein böser Wille, aber ich bin Unternehmer." Seine 16 000er-Leitung wurde einfach zu extrem genutzt. "Für Hotels oder so bleibt WLAN trotzdem eine interessante Sache."

Für die Wonnemar-Saunawelt in Bad Liebenwerda zum Beispiel. "Es gehört einfach zum Service mit dazu", hat auch Marketingleiterin Susanne Ott erkannt. Noch gibt es dieses Angebot nicht, "es ist aber geplant". Selbstverständlich aber nur im Foyer - und nicht in der Sauna. Gleichermaßen bemüht sich die Stadt Falkenberg um eine solche Technologie, nicht zuletzt im Erholungsgebiet Kiebitz mit dem Campingplatz steigt die Nachfrage. "Die zweite und manchmal auch die erste Frage von Gästen lautet: Gibt's WLAN?", weiß Marion Casper zu berichten, die Amtsleiterin für Finanzen, Kultur und Tourismus. "Das Thema ist bei uns seit drei Jahren in der Pipeline. 2017 haben wir nun auch Geld dafür eingeplant."

In der Innenstadt Bad Liebenwerdas kann freies WLAN ebenso nicht rund um die Uhr genutzt werden. IT-Experte Bernd Landmann sieht dafür zwei Gründe: Während das übrige Stadtgebiet mit hochwertigen Übertragungsleitungen ausgestattet worden ist, wurde die Innenstadt schlichtweg vergessen. "Dort haben Unternehmen ja schon Probleme, stabiles herkömmliches Internet nutzen zu können." Zudem gebe es genügend Leute, die wegen der Anbieterhaftung zögerlich den freien Internetzugang gewährleisten. Dabei hätten entsprechende Rechtssprechungen längst die Position der Anbieter gestärkt.

Die geringe Leistungsstärke des Internet-Netzes in der Innenstadt bestätigt auch Kerstin Jahre von der Touristinformation. "Wenngleich intensiv daran gearbeitet wird, können die Kunden wegen der geringen Übertragungsgeschwindigkeiten noch nicht mal alle Vorzüge nutzen, die unsere elektronische Informationsstele besitzt." Dabei geht es mitnichten darum, die komplette Fluch-der-Karibik-Reihe zu streamen. Doch wenn man nicht mal via Google Maps nach einer Adresse suchen kann, ohne sein eigenes Internet-Guthaben auf dem Handy oder dem iPad zu belasten, macht auch WLAN wenig Sinn.

Genau dem will Andy Hoffmann vorbeugen. "Wir bieten nichts an, wo die Kunden beim Surfen keinen Spaß haben. Wir wollen Qualität, so dass sich die Menschen frei bewegen und kommunizieren können." Zurzeit befinden sich auf dem Rathausturm und in der Berliner Straße zwei HotSpots in Finsterwalde. Die reichen zwar nicht bis zum Mars, "decken die Innenstadt aber gut ab".

Zum Thema:
An freiem WLAN kommt bald niemand mehr vorbei. Das gilt auch für Stadtbibliotheken. Denn wer e-books und e-papers anbietet, muss auch Internet zur Verfügung stellen. Finsterwalde zum Beispiel tut dies seit September 2015. Selbst die Nahverkehr GmbH in Elbe-Elster will mit der Zeit gehen. Während die Bahn aufrüstet, ist das Busunternehmen beim freien Internetzugang noch in der Beobachtungsphase. "Wir schauen uns die Erfahrungen an, die dazu die Verkehrsgesellschaft in Belzig sammelt", sagt Geschäftsführer Mario Vogel. In Belzig seien die Erfahrungen "herausragend". Knapp 50 Prozent der Busse hätten bereits einen Internetzugang. Auf der Linie Bad Belzig - Brandenburg habe das auch zu einem Fahrgastzuwachs von 37 Prozent geführt. Etwa 2500 Euro koste dort das "Aufrüsten" eines Busses.