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Eine Geschichte mit Bezug zum wirklichen Leben

Gahro. Der Crinitzer Heimatverein ist bekannt für die Organisation von Lesungen mit bekannten Persönlichkeiten. Am Freitagabend las Schauspieler Winfried Glatzeder aus seiner Autobiographie "Paul und ich". Jürgen Weser / jgw1

Das Besondere: Die Lesung fand im Feldstein-"Märchenschlosses" von Sonja und Alexander Swidsinski in Gahro statt. Der prominente Gast und das Ambiente lockten mehr als einhundert Besucher

Heimatvereinsvorsitzender Detlef Voigt war bei einer Lesung im vorigen Jahr von Glatzeders Ausstrahlung, Authentizität und dem Inhalt des Buches so begeistert, dass er sich traute, den Prominenten nach Crinitz zu holen. Natürlich kannten fast alle Besucher Glatzeder vor allem durch "Die Legende von Paul und Paula" aus dem Jahr 1973. Für viele DDR-Bürger war der Streifen zum Kultfilm gewordenen. Auf Paul und vor allem auf Paula mussten die Zuhörer allerdings lange warten. Glatzeder, durch diesen Film zum Schauspielerstar in der DDR geworden, ist mehr als dieser Film. Über vierzig Kinofilme, unzählige Fernsehfilme und eine beeindruckende Theaterkarriere gehören zu seiner Vita.

Franziska Günther, Cheflektorin im Aufbau-Verlag, hatte Winfried Glatzeder zum Schreiben seiner Biographie motiviert, die er mit Koautorin Manuela Runge verfasste und 2008 veröffentlichte. Ihm ist wichtig, dass die Biographie seine gesamte Lebensgeschichte zwischen Ost und West erzählt. So las und plauderte Glatzeder bis zur Pause in Gahro lustvoll vor allem über das "Ich", das "unansehnliche Bündel", welches zwischen zwei Schlachten im Fronturlaub gezeugt, 1945 in Zopot zur Welt kam und von dessen Vater nur eine halbe Blechmarke blieb. Humorig erzählte Glatzeder von seiner schillernden Kindheit und las Episoden von der "verrückt gewordenen Mutter", wie er den neuen pädophilen und sonstigen Heiratskandidaten seiner Mutter entging, vom priviligierten Leben bei den Großeltern in Berlin und von ihm als "ziemlich bösartiges Kind". Die Zuhörer erfuhren etwas vom bekennenden Hypochonder und Egozentriker Glatzeder.

"Jetzt bisschen was über die Schauspielerei" wurde nach der Pause aus dem Publikum gefordert. So hörten die Zuhörer, wie er zur Schauspielerei gekommen war, die Stasi ihn nicht bekam und er die Filmpartnerin Heidemarie Wenzel in seinem ersten großen Spielfilm "Zeit der Störche" für ein privates Liebesverhältnis ebenfalls nicht bekam. Schließlich kam Glatzeders Liebeserklärung an die "Legende von Paul und Paula": "Endlich hatte eine Geschichte mit dem Leben in der DDR zu tun". Den Film wollte er unbedingt drehen.

Warum es mit "Paula" Angelika Domröse keine persönliche Liebesgeschichte wurde, erfuhren die Zuhörer nicht. "Das können sie nachlesen", wie auch andere Geschichten, sein Leben in der BRD nach 1982 und das nach der Wende. Bücher hatte die Buchhandlung Mayer reichlich mitgebracht. Die meisten Zuhörer hatten viel Spaß an Glatzeders Lesung und seinen mitunter ausufernden Plaudereien.