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Eine ganz besondere Erinnerung

Nicht ohne Stolz zeigt Martin Rehm eine wertvolle Ehrenplakette aus Bronze, die der Metallgießer vor fast 50 Jahren selbst hergestellt hat.
Nicht ohne Stolz zeigt Martin Rehm eine wertvolle Ehrenplakette aus Bronze, die der Metallgießer vor fast 50 Jahren selbst hergestellt hat. FOTO: Dieter Babbe/dbe1
Finsterwalde. Der Finsterwalder Martin Rehm brachte am Sonnabend ein ganz besonderes Erinnerungsstück zum Brandenburgischen Chorfest: eine schwere Plakette aus Bronze, zwölf Zentimeter im Durchmesser und acht Millimeter dick. Dieter Babbe / dbe1

"Das gute Stück ist zum Bezirkssängerfest des Bezirkes Cottbus angefertigt worden, das am 10. und 11. Mai 1969 auch schon in der Sängerstadt stattfand", berichtete der inzwischen 80-Jährige. Er erinnerte sich: Entworfen hat die Plakette der bekannte Diplomformgestalter Winfried Rajewski, der in Doberlug-Kirchhain sein Atelier hatte und in Finsterwalde wohnte, wo er auch das Schiller-Denkmal hinterlassen hat. Die eine Seite der Medaille zeigt das Relief von drei singenden Personen, die andere Seite eine Lyra.

Das Bezirkssängerfest fand, mit viel Aufwand organisiert, vor 48 Jahren anlässlich des 20. Jubiläums der DDR in Finsterwalde statt, wo es längst keine regelmäßigen Sängerfeste mehr gab. Diese Tradition ist erst nach der Wende durch Bürgerengagement wieder aufgelebt. Alle zwei Jahre finden in der einzigen Sängerstadt Deutschlands Sängerfeste statt - im nächsten Jahr gibt es die 14. Auflage.

Den Auftrag, die Plakette für das Bezirkssängerfest herzustellen, bekam der damalige VEB Metallguss, ein Finsterwalder Traditionsbetrieb am Holländer, den es heute immer noch gibt. Dem Former Martin Rehm, der 42 Jahre lang bis zur Rente 1992 bei Metallguss arbeitete, kam die Aufgabe zu, das Kunstwerk in Bronze zu gießen. Für den erfahrenen Mann, der sonst Teile aus Aluminium und Buntmetall für die Fahrzeugindustrie hergestellt hat, war das eine ganz besondere Herausforderung. "Meine Aufgabe war es, 60 Plaketten zu gießen - jedem Chor, der am Bezirkssängertreffen teilgenommen hat, sollte eine Medaille überreicht werden", sagte Martin Rehm - schob schmunzelnd noch hinterher: "Zwei habe ich noch zusätzlich gegossen, eine als Geschenk für einen befreundeten Münzsammler und eine für mich als Andenken."

Martin Rehm hat am Samstag wie damals mit seiner Frau Sieglinde, ebenfalls 80 Jahre jung, das Chorfest besucht - und dabei auch am Stand der Kreisverkehrswacht halt gemacht, wo der Rentner seit Jahren aktiv ist und sich vor allem um die Fahrradcodierung kümmert. Gern sind beide Rehms - an ihrem 57. Hochzeitstag - noch zu späterer Stunde durch die belebte Innenstadt gezogen.