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Ein Teenager vor einer schweren Entscheidung

Die junge Mutter Petra Feld gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Laura und Lea.
Die junge Mutter Petra Feld gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Laura und Lea. FOTO: Linda Haazipolo
Finsterwalde. Monate lang bemerkte Petra Feldt von ihrer Schwangerschaft nichts. Dann war die kleine Laura plötzlich da und sie stand vor der Wahl: Das Kind selbst großziehen oder es in einer Pflegefamilie aufwachsen lassen? Bis heute hat die junge Mutter ihre Entscheidung nie bereut. Linda Haazipolo

. Im September 2001 wurde Laura geboren. Von der ungewollten Schwangerschaft hatte ihre Mutter Petra Feldt nichts bemerkt. Nicht einmal, als die Wehen einsetzten, hatte die damals 13-Jährige einen Verdacht. "Ich dachte ich habe nur Bauchschmerzen", erzählt sie. Ihre erste Tochter hat sie im Badezimmer ihrer Eltern geboren. "Ich habe das ganz alleine gemacht, zum Glück ging es sehr schnell", sagt sie. Die plötzliche und unerwartete Geburt war für das Mädchen natürlich ein Schock. Was gerade passiert war, konnte die 13-Jährige erst sehr viel später begreifen. "Das ist nicht meins", sagte sie, als ihre Eltern dazukamen.

Nach der Geburt kamen Mutter und Kind zur ärztlichen Versorgung ins Krankenhaus. Da die junge Mutter selbst aus schwierigen Familienverhältnissen stammte, kam die kleine Laura, als klar war, dass es ihr gut ging, in eine Pflegefamilie. Petra Feldt musste eine schwierige Entscheidung treffen: "Sie haben mich vor die Wahl gestellt. Entweder Laura bleibt in der Pflegefamilie oder ich muss mit ihr in das Mädchenheim in Finsterwalde ziehen", erzählt die heute 26-Jährige. Dass sie das Kind behalten wollte, war für die junge Mutter sehr schnell klar. "Immerhin war und ist die Kleine ein Teil von mir", sagt Petra Feldt. Trotzdem fiel ihr die Entscheidung alles andere als leicht, denn die junge Mutter wollte nicht in das Mädchenheim ziehen. "Heim - wie das schon klingt. Ich dachte ich werde dort eingesperrt und wollte das absolut nicht", erzählt Petra Feldt.

Doch die junge Mutter wollte ihre Tochter unbedingt zurückbekommen und willigte daher in den Umzug in die Einrichtung für Teenager-Mütter ein. Bei der Entscheidung half ihre ältere Schwester. Auf ihre Mutter konnte sich die 13-Jährige nicht verlassen. "Sie hat sich damals mehr für Alkohol interessiert", erzählt Petra Feldt. Da sie auf die Unterstützung ihrer Mutter nicht hoffen konnte, blieb nur der Weg in das Mädchenheim, um ihre Tochter behalten und gut versorgen zu können.

Die ersten Tage dort waren sehr schwer für Petra Feldt: "Ich habe mich zurückgezogen, wollte erstmal mit niemandem reden." Mit der Entscheidung, die sie damals traf, ist sie im Nachhinein betrachtet überglücklich. Ein Foto von dem Haus, in dem sie mit ihrer kleinen Tochter bis zum Jahr 2006 lebte, hat sie mit der Überschrift "Mein Zuhause" versehen und hebt es bis heute auf. "Ich habe dort viel gelernt und wurde unterstützt", erzählt sie. Durch die Hilfe im Mädchenheim konnte Petra Feldt sogar die Schule beenden. Morgens brachte sie die kleine Laura in den Kindergarten und ging danach selbst zur Schule. "Das war anstrengend und ziemlich hart. Aber ich habe es geschafft", sagt sie stolz. Wenn das Baby nachts schrie, mussten manchmal die Betreuerinnen aushelfen, damit die junge Mutter am nächsten Tag in der Schule nicht einschlief.

Von den schwierigen Erlebnissen in ihrer Kindheit und der plötzlichen Schwangerschaft ließ sie sich nicht aus der Bahn werfen. Mit einer Weiterbildung zur Altenpflegehelferin ist sie in wenigen Wochen fertig. "Alle vier Prüfungen, die nötig sind, habe ich schon bestanden", erzählt sie. Ihre Tochter Laura ist inzwischen genauso alt, wie Petra Feldt selbst zu Beginn ihrer Schwangerschaft war. Außerdem hat die junge Mutter geheiratet und ein zweites Kind bekommen. Tochter Lea ist sechs Jahre alt und soll noch in diesem Jahr eingeschult werden. "Ich würde keine Entscheidung in meinen Leben ändern wollen", sagt Petra Feldt. Die Familienplanung ist für sie noch nicht ganz abgeschlossen. "Eigentlich hätte ich auch sehr gerne noch einen Jungen", verrät sie.

Nur ihren Ehemann Jens muss sie davon noch überzeugen.