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Ein Tag ohne Angeln ist ein verlorener Tag

Ein Tag ohne Angeln ist ein verlorener Tag
Ein Tag ohne Angeln ist ein verlorener Tag FOTO: Wiesner
Finsterwalde. Mit seiner Angelbörse in Finsterwalde hat Klaus Haupt eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Am Sonntag folgt nun das letzte Kapitel. Steven Wiesner

Klaus Haupt ist niemand, der sich gern in den Mittelpunkt rückt. Freilich kommt auch er mal ins Schwatzen - mit bald 80 Jahren hat man ja auch einiges zu erzählen. Doch er fängt sich immer wieder selbst ein und entschuldigt sich für den einen oder anderen abschweifenden Exkurs in seine Zeit als Polizeihauptkommissar oder als Obstverkäufer auf den Märkten der Region. Denn ein Selbstdarsteller ist er nicht. Er hat sogar mal zwei Fernsehreportern, die ihn während seiner Angelbörse für einen Beitrag vereinnahmen wollten, den Marsch geblasen. Sie sollten gefälligst die Börse anschauen und darüber berichten. Und nicht über ihn.

Letztlich kommt man aber doch nur schwer an dem Organisator vorbei, wenn man von der Finsterwalder Angelbörse erzählt - erst recht in diesem Jahr. Denn die nunmehr 15. Auflage dieser kleinen Fischermesse am bevorstehenden Sonntag wird die Letzte unter seiner Regie sein. "Ein bisschen Wehmut ist schon dabei", sagt er. "Aber ich wäre bei der nächsten Börse 80 Jahre alt." Ein Alter, in dem man sich diesem Stress nicht mehr aussetzen muss.

Seit 2003 hat er jedes Jahr im März eine Angelbörse ausgerichtet. Schon ab September beginnt der Rentner dafür mit den Vorbereitungen. Telefonate führen, Plakate drucken lassen, den Termin bewerben. Es sind allerhand Maßnahmen zu treffen, damit am Tag der Veranstaltung alles rund läuft. Und es läuft ja nicht nur rund, es übertrifft die Erwartungen. "Die beste Börse, die es im Osten gibt", hat ein Besucher vor Jahren mal über das Werk von Klaus Haupt gesagt. 170 Besucher und 14 Anbieter waren zur ersten Börse gekommen, am kommenden Sonntag erwartet Haupt nun zum wiederholten Male etwas mehr als 500 Schaulustige und diesmal auch 25 Anbieter - so viele wie noch nie zuvor. Er habe sogar schon manchen Bewerbern Absagen erteilen müssen.

Um so etwas auf die Beine zu stellen, muss man schon eine große Leidenschaft für die Sache hegen. "Sie müssen dafür leben", sagt Klaus Haupt. Und er lebt dafür. Ein Tag ohne Angeln scheint für ihn ein verlorener Tag zu sein. Seit er als zwölfjähriger Bursche das Fischen von russischen Offizieren beigebracht bekommen und sich die ersten Instrumente mit Ästen und Stöckern sowie Korken und Haaren von Pferdeschwänzen selbst gebastelt hat, ist Haupt passionierter Angler. Fußballspielen oder kegeln im Verein? Das hat er nie gebraucht. "Für mich gibt es nur Angeln und die Natur, das war immer meine Welt." Bis zu fünf Mal in der Woche setzte er sich ans Ufer oder auf einen Kahn und warf seine Rute aus. "Am liebsten alleine", sagt er. "Ich habe nie besser gefangen."

Irgendwann bekam Klaus Haupt jedoch Gesellschaft. Sein Kumpel Klaus-Dieter Umlauf verletzte sich bei einem Fußballspiel und brauchte eine neue Beschäftigung. Es war naheliegend, dass Klaus und Klaus nun gemeinsam loszogen, um Fische zu fangen. Bei verschiedenen Turnieren wie dem Spreewaldpokal fischten sie um die Wette. Sie wühlten sogar nach Zuckmückenlarven im Schlamm, die sich als Köder eigneten. "Nur damit wir beim Wettkampf gut aussehen." Als Sport, der den Ehrgeiz eines Mannes herauskitzelt, hat Haupt seinen Zeitvertreib trotzdem nie empfunden. "Angler sind zwar Jäger, ich war aber nie traurig, wenn ich nichts gefangen habe." Er war nicht mal böse, wenn ihm ein Räuber aus dem Reich der Tierwelt zuvorkam und die Beute wegschnappte. Dann lehnte er sich eben zurück und genoss das Spektakel.

Als Klaus Haupt eines Tages mit seinem Angelkumpan am Wasser saß, unterbreitete ihm Klaus-Dieter Umlauf eine Idee. "Es war gerade die Zeit der Überraschungseier-Börsen", sagt Haupt. "Er fragte mich, ob wir nicht mal eine Börse für Angler machen wollen. Er hätte die Lokalität und ich müsse die Organisation übernehmen. Also hat er mir die Peitsche auf den Arsch gebunden." Der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Heute pilgern Gäste aus Sachsen-Anhalt, Berlin oder dem Rheingebiet nach Finsterwalde, um nach Literatur, Ruten oder modernster Ausrüstung zum Hochangeln zu stöbern. Haupt: "Es gibt alles, was zum Angeln gehört - mit allem Pipapo."

Er selbst aber wird alsbald nicht mehr zu diesem Pipapo gehören, die Organisation soll in jüngere Hände gelegt werden. Bleibt eigentlich nur noch eine Frage: Was macht er danach? Klaus Haupt beginnt zu grinsen: "Mit Frau und Wohnwagen zum Schwielochsee rausfahren - und Angeln gehen."

15. Finsterwalder Angelbörse Sonntag, 10 bis 15 Uhr, Gaststätte "Zur Erholung" in Finsterwalde, Rosa-Luxemburg-Straße 77