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| 18:46 Uhr

Ein Stück von Finsterwalde kaufen

Das frühere Haus von Tischlermeister Fuhrmann an der Oscar-Kjellberg-/Ecke Naundorfer Straße (l.) und die beiden Häuser in der Langen Straße sind zu haben.
Das frühere Haus von Tischlermeister Fuhrmann an der Oscar-Kjellberg-/Ecke Naundorfer Straße (l.) und die beiden Häuser in der Langen Straße sind zu haben. FOTO: Dieter Babbe
Finsterwalde. Noch gibt es neben schick sanierten Gebäuden alte Bruchbuden im Zentrum der Sängerstadt – oder unschöne Baulücken, die wie Wunden klaffen. Um die zu heilen, macht die Stadt Interessenten ein gutes Angebot: Ein Stück von Finsterwalde kaufen. Soll heißen: Mehrere Familien tun sich zusammen und bauen beziehungsweise sanieren gemeinsam ein Haus. Dieter Babbe

Wer ein Haus bauen oder sanieren will, sucht sich einen Bauträger. Der baut und verkauft an den Auftraggeber. So ist es bisher üblich. "Wer aber nicht so viel Geld hat, dennoch in der Innenstadt wohnen und mit anderen in guter und enger Nachbarschaft leben möchte, für den gibt es eine Alternative", erklärt Uwe Brenner, der Stadtsanierer von Finsterwalde. Er spricht von Baugemeinschaften, wenn er zwei, drei, vier Familien meint, die sich ein neues oder altes, saniertes entsprechend großes Gebäude teilen - und dabei auch in Fördertöpfe greifen können.

"Ein gutes Beispiel gibt es dafür in Finsterwalde bereits", sagt Uwe Brenner und verweist auf das Gebäude in der Leipziger Straße 44. Hier haben sich vor vier Jahren drei Familien zusammengetan, um aus zwei alten Häusern aus dem 19. Jahrhundert ein gemütliches Zuhause zu machen. Die Bewohner lieben das Flair einer Altstadt mit den kurzen Wegen zu Schule, Einkauf, Kino und Kneipe. Das Land unterstützte das Bauen mit fast 130 000 Euro.

"So viel Geld gibt es heute nicht mehr", schränkt Uwe Brenner von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft, die die Stadt seit Jahren bei der Sanierung der Innenstadt betreut, ein. "Allerdings lohnt es sich immer noch, in Baugemeinschaften zu bauen", sagt Brenner - und nennt die Vorteile. "Man spart den Gewinn, den ein Bauträger macht, ein und kann die Grunderwerbssteuer auf mehrere Schultern verteilen." Zudem werde eine sogenannte Machbarkeitsstudie, wo Architekten verschiedene Varianten erarbeiten, zu 50 Prozent gefördert. "Bauwillige können sich auch zu einer Wohnungsgenossenschaft zusammenschließen - das wird ebenfalls gefördert."

Uwe Brenner verschweigt aber auch die Nachteile von Baugemeinschaften nicht. "Wenn Firmen pleitegehen oder pfuschen, ist kein Bauträger da, auf den man das abwälzen kann. Auch steigende Baukosten muss man selber tragen. Und meist dauert das gemeinsame Bauen länger als eine schlüsselfertige Übergabe." Und dennoch bleibt Uwe Brenner dabei: "Es war noch nie so günstig für einen Hausbau wie jetzt - bei nur zwei Prozent Kreditzinsen. Viele haben nach der Wende sechs bis sogar neun Prozent draufsatteln müssen."

Der Stadtsanierer weiß, wo man ein Stück Finsterwalde kaufen kann - auch um städtebauliche Wunden an markanten Stellen zu heilen. Das Haus des früheren Tischlermeisters Emil Fuhrmann an der Oscar-Kjellberg-/Ecke Naundorfer Straße hat zwar mächtig gelitten, ist aber noch zu retten, sagt Uwe Brenner. Hier ist Platz für vier bis sechs Familien. Gleich gegenüber steht ein eher abrissreifes Haus. "Hier in einem Neubau zu wohnen wird dann noch attraktiver, wenn die Straße saniert und dabei verkehrsberuhigt wird", wirbt Uwe Brenner fürs Wohnen in der Finsterwalder Innenstadt.